Veit, Gottfried

Kon­zert­füh­rer

100 Schlüsselwerke für Blas­orchester und Bläserensembles

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: DVO Druck und Verlag ­Obermayer, Buchloe 2016
erschienen in: üben & musizieren 4/2017 , Seite 47

Um sich einen guten Über­blick zu ver­schaf­fen, muss man sich auf das Wesent­li­che fokus­sie­ren, denn sonst kann es in der gro­ßen, wei­ten Welt der Blas­mu­sik schnell unüber­sicht­lich wer­den. Wie über­all gibt es auch hier viel „Gebrauchs­mu­sik“, im Vor­wort als „blas­mu­si­ka­li­sche Dut­zend­wa­re“ bezeich­net: Man­ches ist schlicht unbrauch­bar, ande­res kann hüb­sche Begleit- oder Unter­hal­tungs­mu­sik sein und wie­der ande­res muss man ken­nen, wenn man in die­sem Gen­re unter­wegs ist.
Gott­fried Veit, Jahr­gang 1943, ver­öf­fent­lich­te über 300 Kom­po­si­tio­nen für Blas­or­ches­ter, Chor, Kla­vier, Orgel und ver­schie­de­ne Kam­mer­mu­sik­be­set­zun­gen. Der ehe­ma­li­ge Süd­ti­ro­ler Lan­des­ka­pell­meis­ter ist zudem Autor eini­ger Fach­bü­cher, die sich alle­samt an Instru­men­ta­lis­tIn­nen der Blas- und Volks­mu­sik­sze­ne rich­ten. Mit dem Kon­zert­füh­rer. 100 Schlüs­sel­wer­ke für Blasorches­ter und Blä­ser­en­sem­bles hat er sich bemüht, eine Aus­wahl zu tref­fen, die ver­schie­de­nen Kri­te­ri­en Rech­nung trägt: Auf gut 230 Sei­ten wer­den Wer­ke vor­ge­stellt, die zu Stan­dard­kom­po­si­tio­nen zäh­len, beson­ders hohe Auf­füh­rungs­zah­len ver­zeich­nen, (Blas-) Musik­ge­schich­te geschrie­ben haben, als Haupt­werk eines Kom­po­nis­ten gel­ten, einen rich­tungs­wei­sen­den Cha­rak­ter besit­zen oder dem Autor selbst beson­ders nahe ste­hen.
Zusam­men­ge­kom­men ist eine recht objek­ti­ve und gut durch­dach­te Mischung, die Blas­mu­sik­be­geis­ter­ten als klei­ner Kon­zert­füh­rer oder Ide­en­ge­ber die­nen kann. Vor­ge­stellt sind die aus­ge­wähl­ten Stü­cke jeweils auf einer Dop­pel­sei­te. Hier kann man einen Blick auf die ers­te Par­ti­tur­sei­te wer­fen, sofern sie vom jewei­li­gen Ver­lag zum Abdruck zur Ver­fü­gung gestellt wur­de. Das Werk selbst wird in weni­gen Sät­zen musik­ge­schicht­lich und teil­wei­se auch inhalt­lich mit sei­nen Beson­der­hei­ten umris­sen, was natür­lich nur einen wirk­lich schma­len, aber stets kor­rek­ten Ein­blick gibt. Eben­so kurz, aber dafür schnell und leicht zu lesen, ist die Vita der jewei­li­gen Kom­po­nis­ten, die eben­falls etwa eine hal­be DIN-A5-Sei­te umfasst. Das mag bei eini­gen Blas­mu­sik­kom­po­nis­ten genug sein, um Werk, Schaf­fen und ­Inten­ti­on nach­zu­voll­zie­hen, bei Ton­dich­tern wie Lud­wig van Beet­ho­ven, Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy, Richard Wag­ner oder Richard Strauss wirkt es gele­gent­lich ein wenig knapp bemes­sen.
Eine schö­ne Idee wäre noch gewe­sen, Beset­zung oder Schwie­rig­keits­grad abzu­dru­cken. Denn das könn­te hilf­reich für die vie­len Lese­rIn­nen sein, die in die­sem Kon­zert­füh­rer nach neu­en Stü­cken für ihren Musik­ver­ein suchen.
Doch kann man die­ses Buch wirk­lich nur emp­feh­len, da Gott­fried Veit das gro­ße Wag­nis geglückt ist, in gut ver­ständ­li­cher All­tags­spra­che die gesam­te Welt der Blas­or­ches­ter­li­te­ra­tur auf sei­ne ganz per­sön­li­chen 100 Schlüs­sel­wer­ke zu redu­zie­ren.
Kris­tin Thie­le­mann