Kurt Weill Songs

for violin and piano, arranged by Martin Reiter, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2009
erschienen in: üben & musizieren 3/2010 , Seite 62

Mit der Fra­ge, ob und wie Jazz sti­lis­tisch, spiel­tech­nisch und mu­sikalisch ver­mit­telt wer­den kann, wird jeder klas­sisch gepräg­te ­Instru­men­tal­päd­ago­ge immer wie­der durch inter­es­sier­te Schü­ler kon­fron­tiert. Bekann­te Inter­pre­ten die­ses Gen­res waren oft Auto­di­dak­ten oder haben ihre Fähig­kei­ten durch „lear­ning by doing“ erwor­ben. Nota­ti­on kann ähn­lich wie in der Barock­mu­sik nur einen unge­fäh­ren Anhalts­punkt lie­fern, wie ein Stück gespielt wer­den soll, geschwei­ge denn wie es klin­gen soll. Der Unter­richt an den Hoch­schu­len ist eher am tra­di­tio­nel­len Reper­toire­stu­di­um aus­ge­rich­tet. Als logi­sche Fol­ge führt die Aus­bil­dung im Musik­schul­be­reich im Strei­cher­rock und ‑jazz immer noch eher ein Schat­ten­da­sein. Posi­ti­ve Aus­nah­men wer­den ger­ne auf Kon­gres­sen prä­sen­tiert. Hören von Ori­gi­nal­bei­spie­len guter Inter­pre­ten und das Mit- oder Nach­spie­len sind oft der ein­zi­ge Aus­weg für akti­ve Fans.
Die Musik Kurt Weills bie­tet eine Fül­le von musi­ka­li­schem Mate­ri­al und bei­spiel­haf­ter Titel, die von bekann­ten Musi­kern und Inter­pre­ten „unver­gess­lich“ gemacht wur­den, wie der Her­aus­ge­ber in sei­nem Vor­wort schreibt. Moder­ne Audio­tech­nik zum Hören oder Mit­spie­len gibt jun­gen Musi­ke­rIn­nen hier die Mög­lich­keit, Nota­ti­on, musi­ka­li­sches Ler­nen und Krea­ti­vi­tät imi­ta­to­risch zu ver­knüp­fen. Die Titel­aus­wahl hat dabei durch­aus eine moti­vie­ren­de Wir­kung: Drei­gro­schen­oper, Auf­stieg und Fall der Stadt Maha­gon­ny und Hap­py End ste­cken vol­ler Titel, die Welt­erfol­ge waren oder sind und in unzäh­li­gen bei­spiel­haf­ten Inter­pre­ta­tio­nen zur Ver­fü­gung stehen.
Hier setzt die ein­zi­ge lei­se Kri­tik an: Die Ori­en­tie­rung am her­vor­ra­gend gelun­ge­nen künst­le­ri­schen Ori­gi­nal­bei­spiel ist einer zwar vir­tuo­sen und sti­lis­tisch per­fek­ten, aber doch zuwei­len schul­mä­ßi­gen Bei­spiel­ge­stal­tung vor­zu­zie­hen. Dies spricht aller­dings nicht gegen die tech­ni­sche und klang­li­che Qua­li­tät der CD-Bei­spie­le. Eine Play-along-Ver­si­on wäre aller­dings, ins­be­son­de­re für Spie­le­rIn­nen, die zunächst nicht die Mög­lich­keit haben, in einer ein­schlä­gi­gen For­ma­ti­on mit­zu­spie­len, von Vorteil.
Der ver­ständ­li­che, mit gra­fi­schen Ergän­zun­gen zur Aus­füh­rung ver­se­he­ne Noten­text lei­tet zum Nach­spie­len an und an geeig­ne­ten Stel­len zur Impro­vi­sa­ti­on. Die Aus­ga­be ersetzt jedoch kei­nes­falls die tech­ni­sche und musi­ka­li­sche Aus­bil­dung durch einen ver­sier­ten Fach­päd­ago­gen zu den beson­de­ren Spiel­tech­ni­ken des Gen­res und will kei­ne Jazz-Schu­le sein. Bei eini­gen Vor­kennt­nis­sen bie­tet die klei­ne Samm­lung einen reiz­vol­len Fun­dus, der zum Nach­spie­len und bei genü­gen­der Fer­tig­keit auch zum Mit­spie­len ani­miert. Bei Vor­han­den­sein eines fach­lich ver­sier­ten Pia­nis­ten, der auch in in der Lage ist, die Akkord­be­zeich­nun­gen zu lesen, ist dabei das Live-Zusam­men­spiel ein­deu­tig vorzuziehen.
Uwe Gäb