Reinhardt, Pia

Laßt den Musi­kus doch selbst spre­chen!“

Carl Gottlieb Horstigs Visionen eines kindgemäßen Musikunterrichts Anfang des 19. Jahrhunderts

Rubrik: Bericht
erschienen in: üben & musizieren 3/2016 , Seite 34

Der Aus­zug, der hin­sicht­lich sei­nes Inhalts sei­ner Zeit weit vor­aus­eilt, ist einem Arti­kel von Carl Gott­lieb Hors­tig in der All­ge­mei­nen musi­ka­li­schen Zei­tung aus dem Jahr 1801 entnommen.1 Die Zei­tung erscheint zu die­sem Zeit­punkt im drit­ten Jahr und erör­tert unter ande­rem musik­päd­ago­gi­sche Fra­gen. Das 17. und 18. Jahr­hun­dert beför­dern wesent­li­che Ansich­ten über Kind­heit, sodass die Arbeit von Päd­ago­gen und Gelehr­ten auch auf eine sich im 19. Jahr­hun­dert ent­wi­ckeln­de kind­ge­mä­ße Instru­men­tal- und Gesangs­päd­ago­gik aus­strahlt. Die ers­ten welt­li­chen Kin­der­lie­der ent­ste­hen ab 1760;2 eine ver­gleich­ba­re Instru­men­tal­päd­ago­gik ent­wi­ckelt sich etwas spä­ter: Kla­vier­schu­len für Kin­der wer­den von Georg Fried­rich Mer­bach (1782),3 Dani­el Schus­ter (1799/1800)4 und Johann Pe­ter Milchmey­er (1801)5 ver­öf­fent­licht. Nichts­des­to­trotz steckt eine kind­ge­mä­ße Instru­men­tal­päd­ago­gik um die Jahr­hun­dert­wen­de noch in den Kin­der­schu­hen. Stel­len die genann­ten, auf Repro­duk­ti­on aus­ge­rich­te­ten Schul­wer­ke eher Ver­kür­zun­gen der Schu­len für Erwach­se­ne dar, die sich nun durch Anschau­lich­keit, eine beson­de­re Beto­nung der Stu­fen­fol­ge und durch die Rück­sicht auf die Kör­per­grö­ße von Kin­dern aus­zeich­nen, so sind die Merk­ma­le einer kind­ge­rech­ten Didak­tik und Metho­dik hier noch eher begrenzt.

1 All­ge­mei­ne musi­ka­li­sche Zei­tung, 3. Jg. 1800/01, Breit­kopf & Här­tel, Leip­zig, Sp. 645–648.
2 u. a. ent­stan­den Johann Adolf Schei­bes Klei­ne Lie­der für Kin­der zur Beför­de­rung der Tugend (1766/68) und Johann Adam Hil­lers Lie­der für Kin­der (1769).
3 Georg Fried­rich Mer­bach: Cla­vier­schu­le für Kin­der, Leip­zig 1782.
4 Dani­el Schus­ter: Cla­vier­stun­den für Kin­der, denen ­Ael­tern oder Erzie­her ohne selbst Musik zu ver­ste­hen Unter­richt geben wol­len und für Erwach­se­ne die kei­nen Leh­rer haben, 2 Bd., Ham­burg 1799/1800.
5 Johann Peter Milchmey­er: Klei­ne Pia­no­for­te-Schu­le für Kin­der, Anfän­ger und Lieb­ha­ber, Dres­den 1801.

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 3/2016.