Hauser-Dellefant, Angelika / Eleonore Witoszynskyi (Hg.)

Leben ist Bewe­gung ist Musik

Entwicklungen und Konzepte der Wiener Rhythmik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: zeitpunkt musik/Reichert, Wiesbaden 2016
erschienen in: üben & musizieren 4/2017 , Seite 49

Der bemer­kens­wer­te Sam­mel­band mit Bei­trä­gen von zwölf Leh­ren­den der Wie­ner Rhyth­mik­aus­bil­dung berei­chert die Dis­kus­si­on rund um Musik und Bewe­gung inner­halb der Musik­päd­ago­gik auf viel­fäl­ti­ge Wei­se. Einer­seits als Doku­men­ta­ti­on der 57 Jah­re alten Aus­bil­dung gedacht, bie­tet das Werk ande­rer­seits eine aktu­el­le Dar­stel­lung vie­ler rele­van­ter Fra­ge­stel­lun­gen bezüg­lich Zie­len, Metho­den und Arbeits­fel­dern der Rhyth­mik. Die Leser­schaft ist heu­te auch nicht mehr auf Rhyth­mi­ke­rIn­nen im enge­ren Sin­ne beschränkt, son­dern umfasst Päd­ago­gIn­nen der Ele­men­ta­ren Musik­päd­ago­gik und der Ele­men­ta­ren Musik- und Tanz­päd­ago­gik in der Tra­di­ti­on des Orff-Schul­werks.
Nach einem Bei­trag zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Rhyth­mik an der Wie­ner Musik­uni­ver­si­tät von Eleo­no­re Witos­zyn­skyi folgt der Arti­kel von Ange­li­ka Hau­ser-Dell­e­fant, der den inhalt­li­chen Auf­bau des Cur­ri­cul­ums unter dem Fokus der Musi­ka­li­tät und ihrer Bedeu­tung für die Päd­ago­gik beschreibt. Es fol­gen drei Bei­trä­ge, die grund­le­gen­de Gedan­ken behan­deln: Her­ta Hirm­ke-Toch wid­met sich dem The­ma der Krea­ti­vi­tät in der Rhyth­mik, Ralph Illi­ni geht der Bedeu­tung von Wahr­neh­mungs­er­fah­run­gen und Ent­span­nungs­übun­gen für den Men­schen nach, indem er fragt: „Wenn du nicht auf dei­nen Kör­per acht gibst, wo willst du dann woh­nen?“, und Hau­ser-Dell­e­fant schließt die­sen ers­ten Teil der Bei­trä­ge mit ihrem Text „Leben ist Bewe­gung“ ab.
Im zwei­ten Teil geht es um die sozia­le Kom­po­nen­te im schöp­fe­ri­schen Pro­zess (Jut­ta Gold­gru­ber-Gal­ler), um das Temps-Espace-Éner­gie-Kon­zept von Jaques-Dal­cro­ze (Paul Hil­le) und um die „Fas­zi­na­ti­on, Bewe­gungs­be­glei­tung zu unter­rich­ten“, so Vero­ni­ka Kin­sky, die auch noch einen Text zur Kom­ple­xi­tät einer Rhyth­mikstunde mit Kin­dern bei­steu­ert. Nora Schnabl befasst sich mit der Impro­vi­sa­ti­on in Musik und Bewe­gung, Moni­ka Mayr berich­tet über For­men, wie Stu­die­ren­de das Prak­ti­zie­ren in der Rhyth­mik erler­nen, und Sibyl­le Wirth schreibt zum The­ma „Lei­ten Ler­nen im Fach Ange­wand­te Rhyth­mik und ihre Didak­tik in der Erwach­se­nen­bil­dung“.
Irm­gard Bankls Bei­trag geht wei­ter in die Tie­fe, indem er die Selbst­lern­kom­pe­tenz durch die Rhyth­mik in der Erwach­se­nen­bil­dung als beson­ders bemer­kens­wer­tes Phä­no­men betrach­tet, und Moni­ka Mayr führt uns in ein Berufs­feld der Zukunft ein: die Arbeit mit Musik und Bewe­gung in der Gerago­gik.
Im drit­ten Teil beschäf­ti­gen sich Hel­ga Nei­ra Zu­gasti und Chris­toph Falschlun­ger mit dem stets wich­ti­gen The­ma, wie man von der Sepa­ra­ti­on zur Inklu­si­on kommt sowie mit der Rhyth­mik als Basis­ver­fah­ren für inklu­siv gestal­te­te Päd­ago­gik.
Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist die sehr gute Les­bar­keit aller Bei­trä­ge, die mit vie­len Pra­xis­bei­spie­len durch­setzt sindt.
Manue­la Wid­mer