Simoni, Cristina de

Maul­wurf & Co

12 leichte Klavierstücke zum Vorzeigen und Nachspielen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Hug, Zürich 2008
erschienen in: üben & musizieren 6/2008 , Seite 58

Die vor­lie­gen­den zwei Neu­erschei­nun­gen von Kla­vier­stü­cken für Kin­der emp­feh­len sich durch ihre spie­le­risch-krea­ti­ve Her­an­ge­hens­wei­se als gute Ergän­zung zur Kla­vier­schu­le. Bei­de beschrän­ken sich nicht auf die rei­ne Noten­re­pro­duk­ti­on, son­dern för­dern das freie Spiel. Cris­ti­na de Simo­ni spricht vor­nehm­lich Kin­der im ers­ten Unter­richts­jahr an, wohin­ge­gen Chris­ti­an Ernsts Band Schü­le­rIn­nen vor­be­hal­ten ist, die bereits einen Kennt­nis­stand von zwei bis drei Jah­ren mit­brin­gen. Das musi­ka­li­sche Mate­ri­al ist sei­nem didak­ti­schen Ziel ent­spre­chend melo­disch, rhyth­misch und moti­visch sehr ein­gän­gig kon­zi­piert.
Bei Simo­ni wer­den durch Vor- und Nach­spie­len aus­drück­lich das Gehör und die Unab­hän­gig­keit vom Noten­text aus­ge­bil­det. Dazu benutzt sie visu­ell ein­präg­sa­me Struk­tu­ren, Figu­ra­tio­nen und Begleit­mus­ter, die sich am Tas­ten­bild ori­en­tie­ren und auf einen schnel­len Erfolg bedacht sind wie zum Bei­spiel das Blues-Sche­ma. Bemer­kens­wert erscheint ihre Har­mo­ni­sie­rung, die zum Teil Ton­ar­ten mit bis zu sechs Vor­zei­chen ein­be­zieht und somit über ein­ge­fah­re­ne Hör- und Spiel­ge­wohn­hei­ten hin­aus­geht. Zudem wer­den mit Lagen­wech­seln und Pedal­ein­satz auch klang­li­che Mit­tel des Instru­ments erfahr­bar gemacht.
Eini­gen Stü­cken hat Simo­ni eine Begleit­stim­me für ein zwei­tes Kla­vier bei­gefügt, die von der Lehr­kraft oder fort­ge­schrit­te­nen Schü­le­rIn­nen gespielt wer­den kann. Dies ermög­licht gemein­sa­mes Musi­zie­ren und früh­zei­ti­ges Wahr­neh­men kom­ple­xe­rer Klang­er­leb­nis­se.
Wäh­rend Simo­nis pro­gram­ma­ti­sche Ide­en wirk­li­che Inno­va­ti­on ver­mis­sen las­sen, ver­mag Ernst durch sei­ne Ver­knüp­fung von über­wie­gend mär­chen­haf­ter The­ma­tik mit der musi­ka­li­schen Varia­ti­on als „Zau­be­rei“ zu über­zeu­gen. Ergänzt wer­den die­se „Zau­ber­tricks für Kin­der“ mit kurz gehal­te­nen fan­ta­sie­vol­len Erzähl­tex­ten, die die ein­zel­nen musi­ka­li­schen Ver­wand­lun­gen aus­ge­spro­chen anschau­lich und nach­voll­zieh­bar erklä­ren.
Bei ihm wer­den Pro­zes­se schöp­fe­ri­scher Musi­ka­li­sie­rung in Gang gesetzt, indem die Krea­ti­vi­tät im Umgang mit allen musi­ka­li­schen Para­me­tern geweckt wird. Durch Varia­ti­on von Melo­dik, Har­mo­nik, Rhyth­mik und Begleit­mus­tern in Kom­bi­na­ti­on mit viel­fäl­ti­gen Gestal­tungs­ide­en sowie durch Trans­po­si­ti­on, Impro­vi­sa­ti­on und zuletzt Kom­po­si­ti­on im Eigen­ver­such schult Ernst sowohl ana­ly­ti­sches Ver­ständ­nis als auch Koor­di­na­ti­on, letzt­end­lich Fle­xi­bi­li­tät am Noten­text und am Instru­ment. Chro­ma­ti­sche Durch­gän­ge in der Melo­dik und Mix­tur­ver­läu­fe in der Har­mo­nik bewei­sen expe­ri­men­tier­freu­di­ges Spiel mit den Ton­ar­ten, wir­ken aber in der Ver­wen­dung und Behand­lung von Dis­so­nan­zen oft über­spitzt.
Unab­hän­gig von der Kom­po­si­ti­ons­wei­se bei­der AutorIn­nen leis­tet die ver­bin­den­de päd­ago­gi­sche Idee des frei­en Spiels einen wesent­li­chen Bei­trag zu Fan­ta­sie för­dern­den Erfah­run­gen am Instru­ment. Simo­ni ver­mit­telt ein eher noten­text­un­ab­hän­gi­ges Ler­nen, Ernst hin­ge­gen setzt sei­nen Fokus auf gestal­tungs- und varia­ti­ons­tech­ni­sches Ler­nen.
Chris­toph Gud­dorf