Thielemann, Kristin

Mei­ne App

„WDR Big Band Play Along“ – ein wunderbarer Zugang in die Welt des Jazz

Rubrik: Digital
erschienen in: üben & musizieren 2/2021 , Seite 35

Musik-App: Lern­hil­fe oder Musi­zier­part­ner? Die WDR Big Band Play Along App ist bei­des, bie­tet sie doch zum einen die Mög­lich­keit, zu aus­ge­wähl­ten Ein­spie­lun­gen des Klang­kör­pers mit­zu­spie­len, und zum ande­ren viel­fäl­ti­ge Tipps, die zum Erler­nen die­ser Wer­ke eine wert­vol­le Hil­fe sind. Die App steht für iOS- und And­­ro­id-Gerä­te zur Ver­fü­gung und rich­tet sich an fort­ge­schrit­te­ne Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Ama­teur­mu­si­ke­rIn­nen. Aber auch Pro­fis wer­den ihre Freu­de dar­an haben, gemein­sam mit einem solch guten Klang­kör­per zu musizieren.
Es ste­hen Noten für ver­schie­de­ne Instru­men­ten­grup­pen zum Down­load bereit: Alt‑, Tenor- und Bari­ton­sa­xo­fon, Trom­pe­te 1 und 2, Posau­ne, Bass­po­sau­ne, Gitar­re, Kla­vier, Bass und Schlag­zeug. Mit weni­gen Klicks lässt sich ein Play-along star­ten und schon steht man – eine gute Anla­ge vor­aus­ge­setzt – mit­ten im her­vor­ra­gen­den Jazz­sound der WDR Big­band. Mit­tels eines in der App ver­füg­ba­ren digi­ta­len Misch­pults erhält man die Mög­lich­keit, ein­zel­ne Ton­spu­ren akus­tisch aus­zu­blen­den oder her­vor­zu­he­ben sowie das Tem­po zu steu­ern. Auf die­se Wei­se lässt sich sehr ein­fach auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se ein­ge­hen und ein eige­ner Lern­weg fin­den. Das macht die WDR Big Band Play Along App auch zu einem inter­es­san­ten Lehr­mit­tel für den Instrumentalunterricht.
Der­zeit ste­hen den Usern zehn sti­lis­tisch sehr unter­schied­li­che Arran­ge­ments aus den Gen­res Swing, Latin und Funk zur Ver­fü­gung. Nach Schwie­rig­keits­grad geord­net kön­nen hier­durch pass­ge­naue Her­aus­for­de­run­gen gefun­den wer­den. Zu den leich­te­ren Arran­ge­ments zählt White Dres­sed Rab­bits von Ans­gar Strie­pens. An die­ser fun­ki­gen Kom­po­si­ti­on wer­den bereits leicht fort­ge­schrit­te­ne Schü­le­rin­nen und Schü­ler ihre Freu­de haben. Eben­falls in die Kate­go­rie „ein­fa­ches Niveau / Level 2“ fällt The Tweet von Thors­ten Maaß, das mit aus­no­tier­ten Bei­spiel­so­li und Rhyth­mus­grup­pen­parts den per­fek­ten Ein­stieg ins Impro­vi­sie­ren bietet.
Vom Kom­po­nis­ten und Arran­geur Ans­gar Strie­pens, wel­cher seit Kur­zem gemein­sam mit Niels Klein das Bun­des­ju­gend­jazz­or­ches­ter lei­tet, stammt auch das im Drei­vier­tel-Takt ste­hen­de, groo­vi­ge Gent­le Flow. Mit ein­gän­gi­gen Har­mo­nien, schlich­ten Uni­so­no-Melo­dien und flie­ßen­den Klang­flä­chen ent­steht eine schwe­ben­de Atmo­sphä­re, die sowohl die Spie­len­den als auch die Zuhö­ren­den in ihren Bann zieht. Auch hier besteht die Mög­lich­keit, sich auf ein­fa­chen Dur-Ton­lei­tern und dia­to­ni­schen Har­mo­nie­fol­gen an das Impro­vi­sie­ren her­an­zu­wa­gen. Strie­pens’ Bal­la­de Song for
J. G. ist John Golds­by, dem Bas­sis­ten der WDR Big Band gewid­met. Sie ist das vier­te Stück der Kate­go­rie „ein­fa­ches Niveau / Level 2“ und kann schnell zu einem Ohr­wurm werden.
Etwas schwe­rer wird es bei Salu­te to Jer­ry von Ralf Hes­se: Im mitt­le­ren Tem­po gehal­ten bie­tet es neben einem 32-tak­ti­gen Solo­part her­aus­for­dern­de Lini­en und einen kraft­vol­len Schluss-Cho­rus. Im swin­gen­den Well Done, Roo­kie von Ans­gar Strie­pens, wel­ches an Num­mern von Count Basie erin­nert, wird es schon ein gan­zes Stück anspruchs­vol­ler. Von Micha­el Abe­ne, Pia­nist, Arran­geu­er, Kom­po­nist, Musik­päd­ago­ge und Pro­du­zent, stammt das Level 5‑Stück Woo­ju: Dort fin­den sich wech­seln­de Groo­ves für die ver­win­kel­ten Lini­en und moder­nen Har­mo­nie­fol­gen, Solo­ab­schnit­te wech­seln sich mit Tut­ti-Phra­sen ab und machen die­se Kom­po­si­ti­on zu einem span­nen­den Aus­flug in die Big-Band-Welt. Für Level 6 (Pro­fes­sio­nel­les Niveau) zeich­net Flo­ri­an Ross ver­ant­wort­lich. Im her­aus­for­dern­den Arran­ge­ment La Cour­se wer­den auch so man­che Pro­fis ins Schwit­zen kommen.
Ergän­zend wer­den die User bei jedem der Musik­stü­cke in der WDR Big Band Play Along App auf die Mög­lich­keit hin­ge­wie­sen, das gesam­te Arran­ge­ment direkt beim jewei­li­gen Kom­po­nis­ten und Arran­geur zu kau­fen. In-App-Käu­fe sind jedoch nicht mög­lich. Ein Plus­punkt für die Unterrichtspraxis.
Die genia­len Kom­po­si­tio­nen kön­nen her­vor­ra­gend in Musik­schul- oder Schul­bands ein­ge­setzt wer­den und die App bie­tet jun­gen Jazz­mu­si­ke­rin­nen und Jazz­mu­si­kern einen ech­ten Mehr­wert beim Erar­bei­ten der neu­en Lite­ra­tur. Ein gelun­ge­nes Pro­jekt, das Musik­lehr­kräf­ten, Band­lea­de­rin­nen und Band­lea­dern sowie Ler­nen­den einen wun­der­ba­ren Zugang in die Welt des Jazz ermög­licht und hof­fent­lich noch durch vie­le wei­te­re neue Wer­ke erwei­tert wird. Bra­vo allen Mit­wir­ken­den der WDR Big Band Play Along App.