Herbst, Sebastian / Bianca Düsterhaus

Mei­ne „BaSi­Mu­siG“

Hochschulen als Ort für intergenerationelle und interprofessionelle Fort- und Weiterbildungen

Rubrik: Hochschule
erschienen in: üben & musizieren 2/2020 , Seite 38

Für den Musikunterricht in Grundschulen fehlt es an Fachpersonal, sodass Lehren­de ohne Fachstudium den Musikunterricht übernehmen (müssen). Verständlicherweise fühlen diese sich aber besonders beim Musizieren oft überfordert. Das Programm „BaSiMusiG“ der Universität Paderborn reagiert auf diese Situation und erprobt zugleich Möglichkeiten der Hochschule als Ort für intergenerationelle und interprofessionelle Fort- und Weiterbildungen.

Im Okto­ber 2019 ver­öf­fent­lich­te der Bun­des­ver­band Musik­un­ter­richt (BMU) eine Posi­ti­on zur musi­ka­li­schen Bil­dung in der Grund­schu­le. Dort heißt es: „Begrün­det durch die Anwen­dung des Klas­sen­lei­ter­prin­zips eben­so wie durch den ekla­tan­ten Man­gel an Musik­lehr­kräf­ten ergibt sich ein hoher Anteil an Musik­un­ter­richts­stun­den, die von nicht ent­spre­chend qua­li­fi­zier­ten Lehr­kräf­ten erteilt wer­den. […] Die Anzahl der gegen­wär­tig das Fach Musik Stu­die­ren­den reicht auch bei Anwen­dung des Fach­leh­rer­prin­zips nicht aus, um in abseh­ba­rer Zeit die Lücken zu füllen.“1 Aus der Sicht des Ver­bands sind daher ein­stiegs- und berufs­be­glei­ten­de Ange­bo­te in Form von Qua­li­fi­zie­rungs­bau­stei­nen unter Beglei­tung von Fach­be­ra­te­rIn­nen zu schaf­fen, in denen Leh­ren­de ent­spre­chen­de Kom­petenzen erwer­ben kön­nen.
Prin­zi­pi­ell ist dies für zwei Grup­pen denk­bar: Leh­ren­de mit abge­schlos­se­nem Lehr­amts­stu­di­um ohne Fach Musik sowie Per­so­nen mit musik­be­zo­ge­nem Hochschul­abschluss, jedoch ohne Lehr­amts­stu­di­um. Für die umfas­sen­de Nach­qua­li­fi­zie­rung der Leh­ren­den for­dert der BMU dar­über hin­aus, dass die­se im Rah­men der Dienst­zeit erfolgt2 – also bezahlt. Wäh­rend eini­ge Kom­pe­ten­zen für den Musik­un­ter­richt der Grund­schu­le for­mu­liert wer­den, ist jedoch nicht klar, wel­chen Umfang eine umfas­sen­de Nach­qua­li­fi­zie­rung sinn­vol­ler­wei­se anneh­men muss.
Die­ser Auf­ga­be wid­met sich das Pro­gramm BaSi­Mu­siG (Basis­kom­pe­tenz Sin­gen & Musi­zie­ren in der Grund­schu­le) der Uni­ver­si­tät Pader­born, das als Modell­ver­such im Som­mer­se­mes­ter 2019 gestar­tet ist und ein Wei­ter­bil­dungs­pro­gramm für Stu­die­ren­de des Grund­schul­lehr­amts ohne Fach Musik sowie für Grund­schul­leh­ren­de ohne Musik­stu­di­um unter der Ver­ant­wor­tung der Uni­ver­si­tät erprobt.

Das Pro­gramm

BaSi­Mu­siG rich­tet sich an ange­hen­de Grund­schul­lehr­kräf­te, die nicht das Fach Musik stu­die­ren, sowie an inter­es­sier­te Leh­ren­de aus der Pra­xis als berufs- bzw. stu­di­en­be­glei­ten­de Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­keit. Ziel des Pro­gramms ist nicht die nach­träg­li­che Ertei­lung einer Lehr­be­fä­hi­gung für das Fach Musik. BaSi­Mu­siG ver­steht sich viel­mehr als Unter­stüt­zungs­an­ge­bot für (ange­hen­de) Leh­ren­de ohne Musik­stu­di­um, da die­se das Fach ohne­hin, also unab­hän­gig von ihren durch Stu­di­um und Refe­ren­da­ri­at erwor­be­nen Lehr­be­fä­hi­gun­gen unter­rich­ten (müs­sen).
In zwei Semes­tern wer­den die Teilneh­merInnen im Kom­pe­tenz­be­reich „Sin­gen & Musi­zie­ren“ wei­ter­qua­li­fi­ziert, indem sie grund­le­gen­de Fähig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten voka­len und instru­men­ta­len Musi­zie­rens erwer­ben sowie durch den Auf- und Aus­bau musik­un­ter­richt­li­cher Kom­pe­ten­zen Hem­mun­gen und Ängs­te in Bezug auf das Musi­zie­ren mit Schü­le­rIn­nen in hete­ro­ge­nen Klas­sen­en­sem­bles abbau­en. Die Beschrän­kung auf das Musi­zie­ren ist damit begrün­det, dass hier von einer für (ange­hen­de) Lehr­kräf­te ohne Musik­stu­di­um beson­ders gro­ßen Hür­de aus­zu­ge­hen ist, deren Über­win­dung zwin­gend einer Unter­stüt­zung bedarf. Zudem ermög­licht die­se inhalt­li­che Begren­zung eine inten­si­ve­re Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sem, auch im Musik­lehr­plan für die Grund­schu­le zen­tra­len Kom­pe­tenz­be­reich.
Erfreu­li­cher­wei­se frei­wil­lig, aber lei­der ohne Depu­tats­er­mä­ßi­gung kom­men über zwei Semes­ter bis zu 25 Stu­die­ren­de und Leh­ren­de am Frei­tag­nach­mit­tag für zwei Stun­den in die Uni­ver­si­tät, um dem selbst ver­spür­ten Bedarf nach Wei­ter­bil­dung im Fach Musik nach­zu­kom­men. Dar­über hin­aus neh­men sie an den obli­ga­to­ri­schen sams­tä­gi­gen Work­shop­ter­mi­nen zur schulprak­tischen Lied­be­glei­tung auf der Gitar­re und am Kla­vier teil. Vie­le der Teil­neh­men­den ver­fü­gen bereits über gewis­se, aber den­noch sehr unter­schied­lich aus­ge­präg­te musi­ka­li­sche Vor­kennt­nis­se, die jedoch nicht Vor­aus­set­zung für die Auf­nah­me in das Pro­gramm sind.

1 Bun­des­ver­band Musik­un­ter­richt: Musi­ka­li­sche Bil­dung in der Grund­schu­le. BMU-Posi­ti­on zur inhalt­li­chen und per­so­nel­len Aus­ge­stal­tung des Musik­un­ter­richts an der Grund­schu­le. BMU-­Po­si­tio­nen 3/2019, S. 2–3, www.bmu-musik.de/ fileadmin/Medien/BV/Positionen/BMU_Positionen_GS_DRUCK.pdf (Stand:15.12.2019).
2 ebd., S. 3–4.

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 2/2020.