Schmittberger, Andreas

Mis­sa Kwe­la

Missa brevis et solemnis für Kinderchor, gemischten Chor (SATB) und Instrumente, Singpartitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Fidula, Koblenz 2017
erschienen in: üben & musizieren 4/2018 , Seite 57

Mis­sa Kwe­la ist ein zugäng­li­ches, knapp halb­stün­di­ges geist­li­ches Werk für Kin­der­chor, Erwach­se­nen­chor sowie Instru­men­ta­lis­ten, kom­po­niert von dem erfah­re­nen Schul­mu­si­ker und Kom­po­nis­ten Andre­as Schmitt­ber­ger.
Das frisch-afri­ka­nisch anmu­ten­de Lay­out macht neu­gie­rig auf den Inhalt und die Musik die­ser Aus­ga­be. Auch der Blick in die Par­ti­tur ist über­sicht­lich und sehr funk­tio­nal ein­ge­rich­tet. Neben den Gesangs­stim­men sind Kla­vier- und Instru­men­tal­stim­me sowie Akkor­de notiert. Kla­re musi­ka­li­sche Anga­ben und Text­ver­tei­lun­gen brin­gen die Sei­ten schon beim Lesen zum Klin­gen. Für einen rich­ti­gen Hör­ein­druck muss man sich jedoch die CD der Urauf­füh­rung beschaf­fen oder auf die Web­site von Fidu­la gehen, wo man in ein­zel­ne Tei­le hin­ein­hö­ren kann. Dies emp­fiehlt sich auch, klingt die Mis­sa Kwe­la doch wie Schmitt­ber­gers Afri­ka-Musi­cal (durch wel­ches sie auch inspi­riert ist) und weni­ger wie eine klas­si­sche Mes­se­ver­to­nung der geist­li­chen Musik.
Span­nend ist die Idee eines gene­rationenverbindenden Pro­jekts, in dem jung und alt gemein­sam musi­zie­ren. Mehr noch, der Kin­der­chor ist in der Mis­sa Kwe­la stimm­füh­rend, indem er meist ein­stimmig die Melo­di­en singt, die der Erwach­se­nen­chor auf­greift, kom­men­tiert und modu­liert. Je nach Vor­aus­set­zun­gen kann der Kin­der­chor auch durch Zwei­stim­mig­keit her­aus­ge­for­dert und der Erwach­se­nen­chor von SATB auf Sopran, Alt und Män­ner­stim­men redu­ziert wer­den.
Dass der Autor aus der Pra­xis für die Pra­xis schreibt, wird auch anhand hilf­rei­cher Tipps zur Auf­füh­rungs­pra­xis deut­lich. Die­se ent­hal­ten Erklä­run­gen der Begrif­fe, Erläu­te­run­gen zur Ein­stu­die­rung und musi­ka­li­scher Reduk­ti­on sowie ganz kon­kre­te Hin­wei­se zur Beset­zung die­ses Werks. So ist die Mes­se ergän­zend zu den Chö­ren sowohl mit Kla­vier und Per­kus­si­on als auch mit einem gan­zen Sin­fo­nie­or­ches­ter auf­führ­bar.
Inter­es­sant sind zudem Rand­bemerkungen wie bei­spiels­wei­se die Emp­feh­lung an Sän­ge­rIn­nen und Instru­men­ta­lis­tIn­nen, sich mit dem Mes­se­text aus­ein­an­der­zu­set­zen. Nur so sei eine gemein­sa­me Erar­bei­tung homo­gener Phra­sie­rung, Rhyth­mi­sie­rung und Emo­tio­na­li­tät der Pas­sa­gen mög­lich.
Inwie­fern die Mes­se afri­ka­nisch-musi­ka­li­sche Kli­schees bedient, ist der Aus­ga­be nicht zu ent­neh­men. Der Autor schreibt: „Sti­lis­tisch ver­bin­det die ,Mis­sa Kwe­la‘ Ele­men­te afri­ka­ni­scher und süd­ame­ri­ka­ni­scher Rhyth­men mit eu­ropäischer Musiktradi­tion. Gre­go­ria­nik und Poly­pho­nie ste­hen gleich­be­rech­tigt neben ein­fa­chen lied­haf­ten Melo­di­en und zün­den­den Trom­mel­rhyth­men.“
Ein ambi­tio­nier­tes Vor­ha­ben, das in die­ser Form nicht ganz über­zeugt und durch den Stil­mix eher belie­big wird. Den­noch regt die Mes­se zu genera­ti­ons­über­grei­fen­der Aus­ein­an­der­set­zung mit und durch Musik an. Die Mis­sa Kwe­la ermög­licht mit schlich­ter Beset­zung einen gro­ßen Effekt, wenn die Ensem­bles rhyth­mus­fest sind.
Eva-Maria Kös­ters