Schwippert, Knut / Andreas Lehmann-Wermser / Veronika Busch (Hg.)

Mit Musik durch die Schul­zeit?

Chancen des Schulprogramms JeKi – Jedem Kind ein Instrument

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Waxmann, Münster 2019
erschienen in: üben & musizieren 4/2019 , Seite 55

Mit die­sem Band legen die Her­aus­ge­be­rIn­nen For­schungs­er­geb­nis­se aus einer sie­ben­jäh­ri­gen durch das Bundesministe­rium für Bil­dung und For­schung (BMBF) geför­der­ten Begleit­for­schung von JeKi vor, die sie mit ihren For­schungs­grup­pen inner­halb der Pro­jek­te SIG­run (Stu­dien zum Instru­men­tal­un­ter­richt an Grund­schu­len) und Wil­mA (Wir­kung lang­fris­ti­ger musi­ka­li­scher Ange­bo­te) von 2008 bis 2015 durch­führ­ten. Anknüp­fend an die 2014 in einem ers­ten Band vor­ge­leg­ten Ergeb­nis­se aus dem Pro­jekt SIG­run, wer­den hier vor allem die Befun­de aus dem Pro­jekt Wil­mA sowie Befun­de aus der Zusam­men­füh­rung der Daten­sät­ze bei­der Pro­jek­te wie­der­ge­ge­ben. Dabei wer­den ins­be­son­de­re Fra­gen zur kul­tu­rel­len Bil­dung in der Sta­tus­pas­sa­ge des Über­gangs von der Grund­schu­le in die Sekun­dar­stu­fe I in den Mit­tel­punkt gerückt.
In den ers­ten zwei Kapi­teln erhal­ten die Lese­rIn­nen Infor­ma­tio­nen zur theo­re­ti­schen Rah­mung sowie zur Anla­ge und Durch­füh­rung der Stu­di­en SIG­run und Wil­mA. Dar­auf fol­gen in sich abge­schlos­se­ne Ergeb­nis­be­rich­te aus den ein­zel­nen Teil­be­rei­chen der Pro­jek­te, die je nach eige­nem Inter­es­se von­einander getrennt oder in einer ande­ren Rei­hen­fol­ge gele­sen wer­den kön­nen. Son­ja Non­te und Micha­el Schu­rig unter­su­chen, wel­che Merk­ma­le im Kin­des­al­ter Ein­fluss neh­men auf die Teil­nah­me am Instru­men­tal­un­ter­richt im Über­gang zum Jugend­al­ter sowie auf den lang­jäh­ri­gen Ver­bleib im Instru­men­tal­un­ter­richt und dis­ku­tie­ren dabei Prä­dik­to­ren der Teil­nah­me am Instru­men­tal­un­ter­richt in der Sekun­dar­stu­fe I. Nele Groß und Knut Schwip­pert unter­su­chen hin­ge­gen, ob sich bei musi­zie­ren­den Schü­le­rIn­nen auf­grund einer ange­nom­me­nen bes­se­ren All­tags­be­wäl­ti­gung posi­ti­ve­re gesund­heit­li­che Merk­ma­le in Bezug auf die phy­si­sche und vege­ta­ti­ve Gesund­heit zei­gen und inwie­fern das Musi­zie­ren einen Bei­trag zur sozia­len Inte­gra­ti­on leis­ten kann.
Dar­auf­hin beschäf­tigt sich Vale­rie Krupp-Schleuß­ner mit der Fra­ge, inwie­fern Pro­gram­me wie JeKi einen Bei­trag zu mehr Teil­ha­be­ge­rech­tig­keit leis­ten kön­nen, und dis­ku­tiert im theo­re­ti­schen Rah­men des Befä­hi­gungs­an­sat­zes (capa­bi­li­ty approach) Zusam­men­hän­ge von Teil­ha­be­po­ten­zi­al an Musik­kul­tur und sub­jek­ti­vem well-being im Sin­ne einer indi­vi­du­el­len all­ge­mei­nen sowie domä­nen­spe­zi­fi­schen Lebens­zu­frie­den­heit. Dar­an anschlie­ßend nimmt sie zusam­men mit Andre­as Leh­mann-Werm­ser eben­falls Fra­gen der Teil­ha­be in den Blick. Sie beschäf­ti­gen sich mit den musi­ka­li­schen Akti­vi­tä­ten der Schü­le­rIn­nen an der Schwel­le zur Ado­les­zenz und unter­su­chen, wel­che Fak­to­ren Ein­fluss dar­auf haben, ob Schü­le­rIn­nen in der 6. und 7. Klas­se ein Instru­ment erler­nen.
Nico­la Bun­te, Vero­ni­ka Busch und Anne-Kat­rin Jor­dan gehen im sieb­ten Kapi­tel der Fra­ge nach, inwie­fern sich die Zustim­mung bzw. Ableh­nung von geschlechts­ste­reo­ty­pen Musik­kon­zep­ten bei Viert- und Sechst­kläss­lern ver­än­dert und durch Fak­to­ren musi­ka­li­scher Sozia­li­sa­ti­on beein­flusst wird. Schließ­lich beschrei­ben Sabri­na Kulin und Knut Schwip­pert im ach­ten Kapi­tel anhand von Daten aus der SIG­run-Stu­die, wie sich in der Wahr­neh­mung von Leh­re­rIn­nen, Schul­lei­te­rIn­nen und Eltern Schul­ent­wick­lungs­pro­zes­se an der eige­nen Schu­le durch JeKi ver­än­dert haben.
Dem Ziel, neben einem Bei­trag zur Grund­la­gen­for­schung eben­falls Anre­gun­gen für die Pra­xis zu gene­rie­ren, kom­men die Her­aus­ge­be­rIn­nen vor allem im letz­ten Kapi­tel näher, in dem sie die Befun­de noch ein­mal zusam­men­füh­ren und dar­aus Emp­feh­lun­gen für For­schung, Pra­xis und Poli­tik ablei­ten. Daher sei die­ses Buch zugleich Wis­sen­schaft­le­rIn­nen sowie Akteu­rin­nen und Akteu­ren aus Schu­le, Musik­schu­le und Bil­dungs­po­li­tik zu emp­feh­len. Auf­grund der trans­pa­ren­ten Dar­stel­lung der metho­di­schen Arbeit sind nicht alle Bei­trä­ge glei­cher­ma­ßen ein­fach zu lesen, sodass Vor­kennt­nis­se auf dem Gebiet der Sta­tis­tik in jedem Fall nütz­lich für die Lek­tü­re sind. Wer sich jedoch aus­führ­lich mit den gründ­lich erarbei­teten For­schungs­be­rich­ten beschäf­tigt, wird mit inter­es­san­ten Ergeb­nis­be­rich­ten belohnt und ange­regt zu wei­te­rem wis­sen­schaft­li­chem, musik­päd­ago­gi­schem und bil­dungs­po­li­ti­schem Nach­den­ken.
Sebas­ti­an Herbst