Fischer, Renate

Mit Musik zur Ruhe kom­men

Entspannungsspiele in der Kita, mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2016
erschienen in: üben & musizieren 2/2017 , Seite 54

Häu­fig wer­den Kla­gen laut, unser Leben sei von einer gro­ßen Schnell­le­big­keit geprägt. Auch der All­tag von Kin­dern bleibt von Hek­tik und Reiz­über­flu­tung nicht ver­schont. Des­halb ist es nicht ver­wun­der­lich, dass Kin­der im Gegen­zug ein Bedürf­nis nach Ruhe und Ent­span­nung haben, wie die Autorin Rena­te Fischer erklärt. Da Kin­der zudem immer mehr Zeit in der Kita ver­brin­gen, soll­ten dort Ange­bo­te, die der Ent­span­nung die­nen, in den All­tag inte­griert wer­den.
Musik kann das Zur-Ruhe-Kom­men unter­stüt­zen, wie durch mu­sikpsychologische Erkennt­nis­se belegt wird: Für vie­le Men­schen ist Musik ein wich­ti­ges Mit­tel zur Gefühls­re­gu­la­ti­on. Kin­der wer­den bei­spiels­wei­se tra­di­tio­nell mit Lie­dern getrös­tet und in den Schlaf gewiegt. Außer­dem schafft das gemein­sa­me Musi­zie­ren in einer Grup­pe Zuge­hö­rig­keits- und Gebor­gen­heits­ge­füh­le.
Vor die­sem Hin­ter­grund ist es erfreu­lich, dass nun eine Ver­öf­fent­li­chung mit Anre­gun­gen für musik­be­zo­ge­ne Ent­span­nungs­spie­le in der Kita vor­liegt. Die Ide­en sind für Kin­der im Alter von ca. zwei bis sie­ben Jah­ren geeig­net und rei­chen von Ange­bo­ten zur Wahr­neh­mung und Bewe­gung über Tän­ze, klin­gen­de Gedich­te sowie Lie­der bis hin zu Mas­sa­gen. Alle Anre­gun­gen sind an Erleb­nis­the­men geknüpft, die in acht Kapi­tel geglie­dert sind, wie z. B. „Schmet­ter­lin­ge und ande­re klei­ne­re Tie­re“, „Wind und Wet­ter“ oder „Figu­ren, Far­ben, Klän­ge“. Zu jedem Erleb­nis­the­ma wer­den in der Regel ein bis drei Ide­en beschrie­ben. Die­se Ange­bo­te bie­ten kei­nen voll­stän­di­gen Ablauf oder ein fer­ti­ges Stun­den­bild, son­dern eine Ide­en­samm­lung.
Optisch ist das benö­tig­te Mate­rial jeweils klar her­vor­ge­ho­ben, die Klang- und Bewe­gungs­ge­schich­ten sind in Tabel­len über­sicht­lich dar­ge­stellt. Außer­dem ist zu begrü­ßen, dass die Beschrei­bung von Bewe­gun­gen und Kör­per­hal­tun­gen durch Bil­der ergänzt ist, die oft­mals aus­sa­ge­kräf­ti­ger als Wor­te sind. Nur der Beginn eines neu­en The­mas ist auf­grund ähn­li­cher Schrift­grö­ßen und -arten schlecht erkenn­bar, sodass hier eine kla­re­re opti­sche Glie­de­rung beim Blät­tern hilf­reich wäre.
Die Lie­der sind zumeist Eigen­kom­po­si­tio­nen der Autorin. Da alle Lie­der auf der bei­lie­gen­den CD ein­ge­spielt sind, kön­nen sie auch von Anlei­ten­den ohne Noten­kennt­nis­se selbst­stän­dig erlernt und genutzt wer­den. Neben Lie­dern umfasst die CD Auf­nah­men von klin­gen­den Gedich­ten sowie Tän­zen und Hör­bei­spie­len aus dem „klas­si­schen“ Reper­toire, die als Ent­span­nungs­mu­sik genutzt wer­den kön­nen (z. B. das Ada­gio aus der Mond­schein­so­na­te von Beet­ho­ven).
Ins­ge­samt bie­tet die Publi­ka­ti­on zahl­rei­che Anre­gun­gen, konzent­riert sich dabei aber auf die wesent­li­chen inhalt­li­chen Aspek­te; ergän­zen­de metho­di­sche Hin­wei­se (z. B. Schlüs­sel­sät­ze) wer­den kaum gege­ben. Des­halb dürf­te für die Umset­zung die­ses Ide­en­schat­zes mit Kin­dern (musik-)pädagogische Erfah­rung uner­läss­lich sein.
Sil­via Mül­ler