Hülsmann, Julia

Modern Pia­no ­Impro­vi­sa­ti­on

15 Easy Pieces for Playing & Improvising, Vol. 1, mit Online-Material

Rubrik: Noten
Verlag/Label: advance music, Mainz 2019
erschienen in: üben & musizieren 3/2019 , Seite 56

Die Jazz­pia­nis­tin Julia Hüls­mann hat­te schon mit ihren fan­ta­sie­vol­len Pia­no Songs, 2013 bei Schott ver­öf­fent­licht, posi­tiv auf sich auf­merk­sam gemacht. Der jetzt erschie­ne­ne ers­te Band der Modern Pia­no Impro­vi­sa­ti­on ist für Ein­stei­ge­rIn­nen in die Kla­vier­im­pro­vi­sa­ti­on gedacht. Dazu ver­wen­det die Autorin 15 leicht zu spie­len­de, kur­ze, mit jazz­ty­pi­schen Titeln ver­se­he­ne Stü­cke, zumeist Eigen­kom­po­si­tio­nen, die an bestimm­ten Stel­len die Mög­lich­keit zum frei­en Spiel eröff­nen. Hier­für gibt es neben den genau aus­no­tier­ten Begleit­mo­del­len immer eine Aus­wahl von zur Impro­vi­sa­ti­on geeig­ne­ten Tönen, die als melo­di­sche Bau­stei­ne zur Beglei­tung pas­sen. Im Anschluss an jedes Stück fin­det man ein zusätz­li­ches Noten­bei­spiel einer fest­ge­hal­te­nen Impro­vi­sa­ti­ons­mög­lich­keit.
Da es Julia Hüls­mann um die melo­di­sche Impro­vi­sa­ti­on geht, erläu­tert sie zu Beginn in zwei Kapi­teln die Ent­ste­hung von Moti­ven und wie aus sol­chen kur­zen Moti­ven, durch Ver­än­de­rung der Ton­rei­hen­fol­ge rhyth­mi­sche Va­rianten, Sequen­zie­run­gen oder frei gespiel­te Melo­di­en ent­ste­hen kön­nen. Ver­tie­fend gibt es Hin­wei­se zum Vari­ie­ren der Arti­ku­la­ti­on und der Dyna­mik sowie melo­di­sche Fra­ge- und Ant­wort­spie­le. Die meis­ten Stü­cke sind schon für Anfän­ge­rIn­nen, etwa ab dem zwei­ten Unter­richts­jahr, prob­lemlos zu spie­len. Grö­ße­re Griff­span­nen kom­men nicht vor, es gibt aller­dings kei­ne Fin­ger­sät­ze.
On the Fly führt in den 5/8-Takt mit ein­fa­chen Fünf­ton-Osti­na­ti in moda­ler Ton­spra­che ein. Hier muss die lin­ke Hand gut zu grei­fen­de vier­stim­mi­ge Akkor­de im Impro­vi­sa­ti­ons­teil bei­steu­ern. In On a Sun­ny Day hat die lin­ke Hand auch Melo­di­sches zu spie­len. Zudem gefällt das Stück mit sei­nen melo­di­schen Sequen­zen. Mit einem schlich­ten Arran­ge­ment gibt es die Gele­gen­heit, Cole Por­ters Night and Day ken­nen­zu­ler­nen und in der typi­schen Rhyth­mik mit Trio­len und Syn­ko­pen wei­ter zu impro­vi­sie­ren. Das klang­schö­ne Autumn Thoughts regt eben­falls zum Spiel mit Melo­die­se­quen­zen an. Hier ist aller­dings im vier­ten Takt ein Auf­lö­sungs­zei­chen, das kei­nen Sinn macht.
Beim Spi­ri­tu­al Some­ti­mes I feel like a mother­less child gibt es in Takt 13 einen klei­nen Druck­feh­ler (d anstatt cis in der rech­ten Hand) und im Schluss­takt irri­tiert die Ton­fol­ge b-e zum lie­gen­den h. Mög­li­cher­wei­se feh­len hier zwei Auf­lö­sungs­zei­chen. Ansons­ten ist die Noten­aus­ga­be vor­züg­lich, mit einem gut les­ba­ren Noten­satz und anspre­chen­der Deck­blatt­ge­stal­tung.
Julia Hüls­manns Kon­zept wird sicher Kin­der sowie jugend­li­che und erwach­se­ne Anfän­ge­rIn­nen anspre­chen. Die ein­fa­chen, klang­lich sehr aus­ge­wo­ge­nen Cha­rak­ter­stü­cke sind leicht zu ler­nen und bie­ten viel­fäl­ti­ge Anre­gun­gen zum frei­en Spiel, zur Impro­vi­sa­ti­on und letzt­end­lich auch zum Wei­ter­kom­po­nie­ren.
Chris­toph J. Kel­ler