Modern Pia­no

20th Century, Jazz, Blues, Pop, Crossover, New Age, Meditation Music. 90 inspirierende Original-Klavierstücke, leicht, hg. von Hans-Günter Heumann und Rainer Mohrs

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 1/2018 , Seite 58

Wer auf eine musi­ka­li­sche Ent­de­ckungs­rei­se mit diver­sen Kom­po­si­ti­ons­sti­len des 20. Jahr­hun­derts gehen möch­te, wird bei den 90 Stü­cken die­ser Aus­ga­be sicher eini­ges Inter­es­san­te fin­den. Die Rei­se beginnt bei Satie und Debus­sy, geht über Kom­po­nis­ten der klas­si­schen Moder­ne wie Hin­de­mith, Fort­ner oder Genz­mer bis hin zu Lige­ti und Hel­ler. Da es sich um eine Cross­o­ver-Edi­ti­on han­delt, sind auch Kom­po­nis­ten aus den Berei­chen des Jazz, Blues und der Pop­mu­sik ver­tre­ten wie Moser, Kem­ber, Schoe­n­mehl und Sei­ber.
Die meist ein- oder zwei­sei­ti­gen Stü­cke sind im Schwie­rig­keits­grad der unte­ren Mit­tel­stu­fe zuzu­ord­nen und mit guten, unter­richts­prak­ti­schen Fin­ger­sät­zen ver­se­hen. Das kom­po­si­to­ri­sche Niveau ist recht unter­schied­lich, weil eini­ge der Stü­cke sich eher sti­lis­ti­scher Kli­schees bedie­nen und weni­ger eine per­sön­li­che Hand­schrift erken­nen las­sen. Dies betrifft vor allem den Jazz- und Pop-Bereich.
Als gelun­ge­ne stil­über­grei­fen­de Bei­spie­le sei­en von Edu­ard Pütz sein 5/4-Boo­gie und die klang­lich reiz­vol­le Val­set­te oder von Geor­ge Neva­da des­sen poly­fon ange­leg­te Bal­la­de für Zwei und sei­ne char­mant klin­gen­de Ninet­te tanzt Muset­te genannt. Auch von Mike Schoe­n­mehl gibt es Ori­gi­nel­les wie sei­nen ter­när zu spie­len­den Jazz-Walz oder das stim­mungs­vol­le Melan­cho­ly Reflec­tions. Sei­ne Sound­s­he­ets aus den Pia­no Stu­dies in Pop regen zur Impro­vi­sa­ti­on an.
Wer­ke in frei­er Tona­li­tät oder sol­che, die in Spiel­tech­ni­ken der zeit­ge­nös­si­schen Musik ein­füh­ren, sind in die­ser Aus­ga­be kaum vor­han­den. Her­vor­zu­he­ben ist hier aber Her­mann Reg­ners In der Höh­le mit sei­ner rhyth­misch frei­en Dik­ti­on und Bar­ba­ra Hel­lers kur­ze Ein­füh­rung in das Clus­ter­spiel bei Der erlös­te Klang.
Auf der musi­ka­li­schen Rei­se durch den umfang­rei­chen Band gibt es eini­ge klei­ne Schät­ze zu ent­de­cken: So z. B. Her­mann Schro­eders Min­ne­lied mit sehr stil­vol­len, poly­fon gestal­te­ten Varia­tio­nen über das Lied Ich hab die Nacht geträu­met. Wil­fried Hil­lers Schmet­ter­lings­wal­zer ist eine gelun­ge­ne Homage an Satie und das leb­haf­te Ade von Harald Weiss spricht durch die wech­seln­den Tak­te rhyth­misch beson­ders an.
Die bei­den Her­aus­ge­ber haben selbst eini­ge Stü­cke bei­gesteu­ert: Von Hans-Gün­ter Heu­mann gibt es unter ande­rem eine Litt­le modern Sui­te und eine inter­es­san­te Hom­mage an Hän­dels d-Moll-Sara­ban­de; von Rai­ner Mohrs ein akkor­disch auf­ge­bau­tes Pray­er for Peace, ein Osti­na­to im 5/8-Takt und eine aus­drucks­vol­le Ele­gia.
Die Samm­lung Modern Pia­no ist für Kin­der und Erwach­se­ne glei­cher­ma­ßen geeig­net, wel­che die ers­ten Unter­richts­jah­re hin­ter sich haben. Der in einem gut les­ba­ren Noten­satz gestal­te­te Band bie­tet unter­schied­lichs­te Anre­gun­gen und Sti­le und ist damit sehr zu emp­feh­len.
Chris­toph J. Kel­ler