Oberhaus, Lars

Musik in der Kita – inklu­siv und kooperativ

Evaluation von Tandemarbeit im Bereich frühkindlicher musikalischer Bildung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Waxmann, Münster 2020
erschienen in: üben & musizieren 3/2021 , Seite 56

Es ist immer wün­schens­wert, wenn die For­schung sich an The­men­stel­lun­gen wagt, die die musi­ka­li­sche Bil­dung und Ent­wick­lung von Kin­dern in den Blick nimmt. Fun­dier­te empi­ri­sche Ergeb­nis­se sind auf die­sem Gebiet Man­gel­wa­re, was auch der Autor Lars Ober­haus beklagt. Er hat einen lan­gen Atem bewie­sen bei zwei For­schungs­pro­jek­ten, deren Vor­be­rei­tung, Durch­füh­rung und Aus­wer­tung sich über sie­ben Jah­re erstreck­ten. Es geht aber nicht um die Kin­der selbst, son­dern um die Per­so­nen in ihrem Umfeld, die ihnen mit ver­ein­ten Kräf­ten den Spiel­raum für musi­ka­li­sche Betä­ti­gung viel­fäl­ti­ger Art bieten.
Da lei­der die Aus­bil­dung von Erzie­he­rIn­nen in Deutsch­land im Bereich Musik das Schluss­licht bil­det, braucht es ziel­füh­ren­de Koope­ra­tio­nen mit Musi­ke­rIn­nen und Ele­men­tar-Musik­päd­ago­gIn­nen. Wie kann so eine „trans­pro­fes­sio­nel­le“ Koope­ra­ti­on als Tan­demar­beit im Bereich früh­kind­li­cher Bil­dung funk­tio­nie­ren? Wie müs­sen Wei­ter­bil­dun­gen kon­zi­piert, wie Arbeits­be­din­gun­gen in Kin­der­ta­ges­stät­ten ange­passt wer­den? Die­sen und vie­len wei­te­ren Fra­gen gehen Ober­haus und sei­ne Mit­ar­bei­te­rIn­nen im Rah­men der For­schungs­pro­jek­te nach, wobei das ers­te Pro­jekt als eine Art Pilot­stu­die für das zwei­te bezeich­net wird.
Das ers­te Pro­jekt wid­met sich der „Viel­falt in der früh­kind­li­chen musi­ka­li­schen Bil­dung“. Nach Begriffs­klä­run­gen und Defi­ni­tio­nen fol­gen Aus­füh­run­gen über den Stand der For­schung zur Inklu­si­on in Kin­der­gar­ten und Musik­päd­ago­gik, über die Kon­zep­ti­on des For­schungs­pro­jekts, sei­ne Eva­lua­ti­on und schließ­lich die Dis­kus­si­on der Ergeb­nis­se. Im Mit­tel­punkt des Pro­jekts ste­hen die Her­aus­for­de­run­gen von Inklu­si­on, die Gestal­tung eines spe­zi­fi­schen Musik­pro­gramms, die Qua­li­tät des dafür durch­ge­führ­ten Fort­bil­dungs­kon­zepts und die damit ver­bun­de­ne Zufrie­den­heit der Teil­neh­men­den – auch mit der Tandemarbeit.
Das zwei­te Pro­jekt „Musi­ka­lisch-kul­tu­rel­le Bil­dung in der Kita“ hat die Unter­su­chung einer trans­pro­fes­sio­nel­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den und Erzie­he­rIn­nen in Kitas zum Ziel, das wie folgt for­mu­liert wird: „Team­fä­hig­keit in künst­le­risch-kul­tu­rel­len Berei­chen zu för­dern, um unter­schied­li­che Umgangs­wei­sen und Erfah­run­gen in der Rezep­ti­on und Pro­duk­ti­on von Kunst und Kul­tur zum Aus­druck zu brin­gen“. Akri­bisch erfolgt die Dar­stel­lung der Aus­wer­tungs­er­geb­nis­se, die aller­dings Spe­zi­al­kennt­nis­se aus dem Gesamt­be­reich der empi­ri­schen quan­ti­ta­ti­ven Sozi­al­for­schung (Sta­tis­tik) voraussetzen.
Die Abschnit­te über die Dis­kus­si­on der bei­den Pro­jek­te sind sehr auf­schluss­reich und kön­nen Erzie­he­rIn­nen sowie Musik­päd­ago­gIn­nen und Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den in der Pra­xis, vor allem aber in der Aus­bil­dung gemein­sam mit ihren Leh­ren­den ganz sicher eine Basis bie­ten für neue Denk­an­sät­ze zu Inhal­ten, Ver­mitt­lungs­for­men und Kooperationsmodellen.
Manue­la Widmer