Koh, Josephine

Musik­theo­rie klipp und klar

Der unerlässliche Begleiter für die musikalische Praxis mit vielen Beispielen und Übungen, Band 1-3

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Wells Music Publishers, Singapur 2008
erschienen in: üben & musizieren 6/2009 , Seite 60

Die Kon­zert­pia­nis­tin und Musik­schrift­stel­le­rin Jose­phi­ne Koh hat mit "Musik­theo­rie klipp und klar" drei auf­ein­an­der auf­bau­en­de Hef­te mit über­sicht­lich geglie­der­ten Kapi­teln vor­ge­legt. Wer auf­grund des Titels eine voll­stän­di­ge Musik­leh­re erwar­tet, wird jedoch ent­täuscht sein: Die ca. 60-sei­ti­gen Bän­de bestehen in ers­ter Linie aus Übungs­auf­ga­ben, erläu­tern­de Tex­te sind knapp gehal­ten. Jedes Heft umfasst zehn bis sech­zehn Kapi­tel, die jeweils eine begrenz­te The­ma­tik behandeln.
Der Ein­stieg erfolgt in Band 1 über Noten­wer­te, Takt­an­ga­ben, Noten­schlüs­sel, Halb- und Ganz­ton­schrit­te, ein­fa­che Vor­zei­chen bis hin zu Inter­val­len und Tonik­ad­rei­klän­gen. Band 2 wid­met sich Takt­ar­ten, Dur-/Moll­ton­lei­tern, Noten-/Pau­sen­grup­pie­rung und vier­tak­ti­gen Rhyth­mus­sche­ma­ta. In Band 3 wer­den die Kapi­tel der ers­ten bei­den Bän­de noch wei­ter ver­tieft. Am Ende eines jeden Ban­des befin­det sich ein Mus­ter­test zur Selbst­kon­trol­le, der die gesam­te The­ma­tik umfasst.
Inhalt­lich ist zu bemän­geln, dass oft kur­ze, kla­re Defi­ni­tio­nen zu Beginn der ein­zel­nen Kapi­tel feh­len. Eine Dur­ton­lei­ter hat nun ein­mal die Halb­ton­schrit­te von der drit­ten zur vier­ten und der sieb­ten zur ach­ten Stu­fe. Dies wird so nur nicht benannt. So lau­tet bei­spiels­wei­se eine Auf­ga­be im Kapi­tel Ton­lei­tern: „Bestim­me … die Ton­art“, ohne dass jedoch der Begriff Ton­art erklärt wur­de. Das Glei­che gilt z. B. auch für den Begriff Phrase.
Das Heft 4 von "Musik­theo­rie in der Pra­xis" von Eric Tay­lor schließt inhalt­lich an Jose­phi­ne Kohs Band 3 an. Die Kapi­tel sind hier von A bis N bezeich­net und umfas­sen 43 Übungs­auf­ga­ben. Die­ser Band wie auch die Vor­gän­ger­bän­de ori­en­tie­ren sich am Lehr­plan des Asso­cia­ted Board of Roy­al Schools of Music (ABRSM) in Groß­bri­tan­ni­en. Das ABRSM sieht dabei acht Prü­fun­gen ver­schie­de­ner Schwie­rig­keits­gra­de (Stu­fen) in Theo­rie und Pra­xis vor, die auch in Deutsch­land abge­legt wer­den kön­nen. Die vor­lie­gen­den Bän­de ent­spre­chen hier­bei der jewei­li­gen Stufe.
Tay­lor ver­weist in den ein­zel­nen Abschnit­ten immer auf das ABRSM-Hand­buch zur Musik­theo­rie, das aller­dings bis­her nicht in deut­scher Über­set­zung vor­liegt. Die Über­tra­gung aus dem Eng­li­schen ist nicht immer gelun­gen („Kopie­re die Noten aus der ers­ten Rei­he“; „Male vor die Noten den pas­sen­den Noten­schlüs­sel“). Was in den Bän­den 1 bis 3 zu knapp for­mu­liert ist, wird in Band 4 zum Teil lang­at­mig und umständ­lich erklärt. So benö­tigt Tay­lor 70 Wör­ter, um zu erläu­tern, dass auch in einer Moll­ton­art die Domi­nan­te immer ein Durak­kord ist. In Band 1 wer­den Ter­mi­ni wie Bin­de­bo­gen und Hal­te­bo­gen ver­wech­selt, vie­le ande­re Fach­be­grif­fe wer­den gar nicht erst ein­ge­führt (z. B. Rhyth­mus, Metrum, Leit­ton, Arti­ku­la­ti­on). In Band 4 tau­chen Begrif­fe aus der Funk­ti­ons­theo­rie auf, die dann ohne jeg­li­ches Hin­ter­grund­wis­sen ange­wen­det wer­den müs­sen. Es feh­len außer­dem ein Stich­wort­ver­zeich­nis und ein Lösungsteil.
Auf­grund die­ser inhalt­li­chen Defi­zi­te ist die Rei­he zum Selbst­stu­di­um eher weni­ger geeig­net. Für Instru­men­tal­schü­le­rIn­nen, die beglei­tend zum Unter­richt auch die theo­re­ti­schen Grund­la­gen in den Berei­chen Noten­schrift, Rhyth­mik und Melo­dik ken­nen ler­nen sol­len, liegt mit den vier Hef­ten eine preis­wer­te, umfang­rei­che Auf­ga­ben­samm­lung vor. Die Arbeits­hef­te erset­zen aber kei­nes­falls eine All­ge­mei­ne Musik­leh­re. Auch für die stu­di­en­vor­be­rei­ten­de Aus­bil­dung an Musik­schu­len sowie für den D‑Bereich der BDMV-Leis­tungs­ab­zei­chen sind die Bän­de als Ergän­zung durch­aus empfehlenswert.
Lutz Göhmann