Wörner, Ruth

Musik­wich­tel

Kita-Jahreskurs für Kinder ab 18 Monaten, mit DVD/Lieder und Verse, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: üben & musizieren 1/2016 , Seite 52

Ein neu­es Buch mit Lie­dern, Tex­ten, Fin­ger­spie­len, Mate­ri­al- und Bewe­gungs­spie­len für Kin­der ab 18 Mona­ten: Beim genaue­ren Hin­schau­en stellt sich her­aus, dass die­ser Band etwas ande­res im Sinn hat, als den Tages­ab­lauf in der Kita nur beweg­ter, klingen­der und fröh­li­cher zu machen.
Die Rhyth­mi­ke­rin Ruth Wör­ner ver­folgt mit ihrem Werk mehr: Sie hat einen auf­bau­en­den Kita-Jah­res­kurs ent­wi­ckelt, in dem es um die geziel­te För­de­rung des Klein­kin­des ab 18 Mona­ten in den Berei­chen Fein- und Grob­mo­to­rik, Kör­per­sen­si­bi­li­sie­rung und musi­ka­li­sche Grund­fer­tig­kei­ten geht. Durch den Ein­satz ver­schie­de­ner Mate­ria­li­en (Kas­ta­ni­en, Nüs­se, Federn, Krepp­bän­der, Tücher, Hol­zei­er, Papier­schiff­chen) und klei­ner Instru­men­te (Glöck­chen, Fin­ger­cym­beln, Hand­trom­meln, Ras­se­lei­er, Glo­cken­spiel) sol­len vor allem das „Fin­ger­spit­zen­ge­fühl“, aber auch die Innen­hand in beson­de­rem Maße ange­regt sowie der Kennt­nis Rech­nung getra­gen wer­den, dass Impul­se und Übun­gen für den Tast­sinn in direk­ter Ver­bin­dung zur Begriffs­bil­dung ste­hen, dem klas­si­schen Drei­schritt der Rhyth­misch-musi­ka­li­schen Er­ziehung ent­spre­chend: vom Grei­fen zum Begrei­fen zum Begriff.
Der Jah­res­kurs folgt den Jah­res­zei­ten und so gibt es Mate­ri­al (zum Groß­teil musi­ka­lisch eher schlich­te selbst ver­fass­te Lie­der und Tex­te von Wör­ner selbst sowie von Eva-Mag­da­le­na Ammer) für die The­men­ab­schnit­te Herbst (6 Stun­den), Spät­herbst (6 Stun­den), Win­ter (6 Stun­den), Früh­ling (6 Stun­den), Ostern (4 Stun­den), Son­nen-Som­mer (4 Stun­den), Was­ser-Som­mer (4 Stun­den). Unge­wöhn­lich ist die didak­ti­sche Ori­en­tie­rung des Jah­res­kur­ses an kon­se­quen­ter Wie­der­ho­lung mit dem Ein­bau von klei­nen Varia­tio­nen der sie­ben The­men­ab­schnit­te.
Für jeden Abschnitt gibt es ein akri­bisch aus­ge­ar­bei­te­tes Stun­den­bild, das neben metho­di­schen Hin­wei­sen für die Durch­füh­rung auch umfäng­li­che Tex­te ent­hält, wie die „musik­päd­ago­gi­sche Fach­kraft“ die Kin­der zum sin­gen, spie­len und bewe­gen füh­ren soll. Die Lehr­kraft kann wohl auch die Erzie­he­rin vor Ort sein. Nach Wör­ner gleicht die eige­ne Freu­de am Tun mög­li­che fach­li­che Män­gel aus.
Nach der ers­ten Stun­de fol­gen zu jedem The­ma fünf bzw. drei fast iden­ti­sche Wie­der­ho­lun­gen mit eini­gen weni­gen Varia­ti­ons- und Erwei­te­rungs­mög­lich­kei­ten. So gese­hen kön­nen die Stun­den nahe­zu vom Blatt unter­rich­tet und außer­dem noch über das Anschau­en der DVD sowie das Anhö­ren der CD auch von Lai­en vor­be­rei­tet wer­den. Ange­deu­tet, aber bei den Stun­den wenig kon­kret berück­sich­tigt sind die Pro­ble­me, die durch die gro­ße Alters­span­ne der Kin­der in einer Kita (18 Mona­te bis 4 Jah­re) ent­ste­hen kön­nen. Da wird es letzt­lich nicht ohne (fach-)pädagogische Erfah­rung gelin­gen, das Kon­zept sinn­ge­mäß umzu­set­zen bzw. muss sich dann die Erzie­he­rin die Frei­heit neh­men, die Inhal­te ange­mes­sen zu ver­än­dern. Dage­gen haben aber Ruth Wör­ners „Musik­wich­tel“ sicher auch nichts ein­zu­wen­den…
Manue­la Wid­mer