Johow, Joachim

My Blue Vio­lin

18 swingende und jazzige Stücke für Violine und Klavier, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: üben & musizieren 3/2016 , Seite 55

Päd­ago­gisch moti­vier­te Musik, aber auch sol­che für Dilet­tan­ten und Lai­en ori­en­tiert sich an spiel­tech­ni­schen Fra­gen, die meist sys­te­ma­tisch erschlos­sen wer­den; sie füh­ren, poin­tiert aus­ge­drückt, eher zur Musik hin, als dass sie selbst schon Musik reprä­sen­tie­ren – und oft genug ver­lie­ren Stu­die­ren­de oder Lai­en dar­über die Lust und die Freu­de am Musik­ma­chen, sobald sie  ein­se­hen, dass gewis­se spiel­tech­ni­sche Vor­gän­ge nun ein­mal (ein-)geübt wer­den müs­sen.
Mit sei­ner Samm­lung von 18 wun­der­bar kon­zi­sen, leich­ten (die Gei­ge wird über die 3. Lage nicht hin­aus­ge­führt) und musi­ka­lisch sehr ein­gän­gi­gen Stü­cken für Vio­li­ne und Kla­vier gelingt es Joa­chim Johow (geb. 1952 in Ber­lin), die Freu­de am Musi­zie­ren zu wecken. Spon­tan möch­te man sogar auch dann zum Instru­ment grei­fen und mit dem Spie­len begin­nen, wenn man es längst schon zur Sei­te gelegt hat und glaubt, das Spie­len lie­ber ande­ren über­las­sen zu sol­len. „Musik machen ist bes­ser als Musik hören“, erkann­te kein Gerin­ge­rer als Ber­tolt Brecht – und Johow lie­fert die rich­ti­ge Musik zu die­ser Ein­sicht auch für Anfän­ger: Er sti­mu­liert gera­de­zu unwi­der­steh­lich mit die­ser Samm­lung, der man eine wei­te Ver­brei­tung wünscht!
Johow kon­zen­triert sich weni­ger auf ein tech­ni­sches Pro­blem als viel­mehr auf die Ver­wand­lung ein­fa­cher musi­ka­li­scher Vor­gän­ge in wirk­li­che Musik – sei es ein syn­ko­pier­ter Rhyth­mus, die Into­na­ti­on über­mä­ßi­ger Inter­val­le, der Wech­sel von Dur nach Moll, das Uni­so­no-Spiel von Gei­ge und Kla­vier: beschwingt, abwechs­lungs­reich, ani­mie­rend und mit unauf­dring­lich ein­fa­chen Mit­teln.
Sei­ne rei­chen Erfah­run­gen mit Schul­or­ches­tern und sein Unter­richt an Ber­li­ner Ober­schu­len ver­mit­tel­ten ihm offen­sicht­lich ein untrüg­li­ches musi­ka­li­sches Gespür für das Sinn­vol­le und Ange­mes­se­ne. Johow gibt den 18 Stü­cken anre­gen­de, leicht ver­ständ­li­che, zumeist eng­li­sche Titel, die gut zu die­ser „swin­ging“ Musik pas­sen und den Musi­zie­ren­den ihren Cha­rak­ter ver­deut­li­chen: „Dark Clouds“, „My Cat and Me“, „Soft­ly Swin­ging“ etc. Dyna­mi­sche Anga­ben feh­len völ­lig und auch der Rhyth­mus ist kon­ven­tio­nell notiert, obwohl – wie die bei­gefüg­te CD mit einer Ein­spie­lung aller Stü­cke ver­deut­licht – er elas­tisch-bieg­sam mit der typisch leich­ten Deh­nung von Noten­wer­ten zu spie­len ist. Zugleich ist auch der beglei­ten­de Kla­vier­part allein (mit Stimm­ton) ein­ge­spielt, sodass dem Selbst­spie­len nichts im Wege steht.
Der Druck der Noten ist, wie immer bei Schott, vor­bild­lich (ledig­lich in der Kla­vier­stim­me fehlt im 17. Stück, Takt 30 die pizz.-Vorschrift im Vio­lin­part); ange­ge­ben sind auch die Har­mo­ni­en in Kurz­schrift sowohl in der Kla­vier- als auch Violin­stim­me, die zu leich­ten eige­nen Aus­schmü­ckun­gen anre­gen könn­ten. Die Auf­nah­men der Stü­cke auf der CD sind erfreu­lich unprä­ten­ti­ös gehal­ten und ani­mie­ren zum Nach­spie­len.
Gisel­her Schu­bert