Völker, Toni

My Pia­no Book

Neue Musik für junge Pianisten, Vol. 1

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Friedrich Hofmeister, Leipzig 2015
erschienen in: üben & musizieren 1/2016 , Seite 55

Das Werk­ver­zeich­nis von Toni Völ­ker, Pro­fes­sor für Ton­satz und Kom­po­si­ti­on an der Hoch­schu­le für Musik in Karls­ru­he, umfasst Kam­mer­mu­sik, Chor- und Orches­ter­wer­ke sowie Ora­to­ri­en und Büh­nen­mu­sik. Er kom­po­nier­te Auf­trags­wer­ke für das Badi­sche Staats­thea­ter Karls­ru­he, für die Baye­ri­sche Kam­mer­oper und das Ensem­ble United Ber­lin. My Pia­no Book ist das ers­te Heft einer auf ins­ge­samt fünf Hef­te ange­leg­ten Rei­he für den Kla­vier-Anfangs­un­ter­richt und will „spie­le­risch und alters­ge­recht an die Neue Musik des 20. und 21. Jahr­hun­derts“ her­an­füh­ren.
Acht kur­ze Stü­cke mit cha­rak­te­ris­ti­schen Titeln fin­den wir auf den ins­ge­samt neun Noten­sei­ten im ers­ten Heft. Es begeg­nen uns moda­le Ton­ar­ten: „Die Eis­blu­men“, aus abwärts­ge­hen­den melo­di­schen Sequen­zen gestal­tet, und das „Echo­lied“ sind in aeo­li­scher Ton­art, das apart klin­gen­de „klei­ne Mär­chen“ in Lok­risch. Die poly­fo­ne Zwei­stim­mig­keit lässt an Bar­tóks Mikro­kos­mos Band II oder III den­ken.
„Der ver­wun­sche­ne Pfann­ku­chen“ ent­hält Drei­ton-Clus­ter aus Sekun­den und eine abwärts geführ­te Ganz­ton­lei­ter. Die­se bil­det auch die Klang­grund­la­ge im „Ele­fan­ten­tanz“, in wel­chem der Kom­po­nist auch Hin­wei­se zur hei­te­ren Pro­gram­ma­tik gibt, z. B. „der Ele­fant tanzt wie eine Bal­le­ri­na“ oder „nach die­sem gro­ßen Tanz­er­leb­nis wird der Ele­fant müde und muss sich etwas aus­ru­hen“. Die gro­ßen Sekun­den sind Klang- und Sinn­bild für „Die wan­dern­de Nase“ und im frei­tonal gestal­te­ten letz­ten Stück „Ein Lied im Mond­schein“ kön­nen wir etwas von der Klang­lich­keit der Zwölf­ton­spie­le eines Hanns Jeli­nek durch­hö­ren. Die ver­spielt vor­zu­tra­gen­de klei­ne Kom­po­si­ti­on „Piep­matz“ ent­hält vie­le Kuckucks­ter­zen, die sich har­mo­nisch frei bewe­gen.
Die meis­ten Stü­cke bezie­hen das Spiel auf schwar­zen Tas­ten mit ein, was sicher eine Berei­che­rung für den Anfangs­un­ter­richt dar­stellt. Zudem lie­gen alle acht Cha­rak­ter­stü­cke gut in der Hand und ver­lan­gen kei­ne grö­ße­ren Griff­span­nen oder für Kin­der­hän­de anstren­gen­de Akkor­de. Die schlich­te, meist zwei­stim­mi­ge Lini­en­füh­rung des Kla­vier­sat­zes ist gut für jun­ge Spie­le­rin­nen und Spie­ler nach­zu­voll­zie­hen. Fin­ger­sät­ze feh­len lei­der ganz. Dies ist ein Man­ko, denn schon im ers­ten Stück bewe­gen sich die Hän­de weit außer­halb des Fünf­ton­be­reichs. Die Aus­ga­be wür­de im Hin­blick auf eine prak­ti­sche Anwen­dung im Unter­richt durch instruk­ti­ve Fin­ger­sät­ze sehr gewin­nen.
Auch auf das Pedal­spiel ver­zich­tet Toni Völ­ker in die­sem ers­ten Heft. Für die Fol­ge­hef­te wäre die Ein­be­zie­hung der Peda­le und wei­te­rer, für die zeit­ge­nös­si­sche Musik cha­rak­te­ris­ti­scher Spiel- und Klang­tech­ni­ken wün­schens­wert.
Chris­toph J. Kel­ler