Stepalska-Spix, Joanna
Neujahrs-Swing
für zwei Flöten
Trommelwirbel, Fanfare, virtuoses Irrlichtern – ein riesengroßer musikalischer Doppelpunkt: Bei Barockmusik erahnen wir an dieser Stelle eine breite französische Ouvertüre, von der allerdings im vorliegenden Fall nur noch die Triller, Teile des Charakters und der gerade Takt den Sprung durch die Zeiten zu uns herüber geschafft haben, im Gestus erspürbar und fein im kammermusikalischen Zusammenspiel. Allein – es ist keine Suite, die sich da ins Kammermusikrepertoire der QuerflötenfreundInnen gesellt, sondern ein feines zweiteiliges Kabinett-Stück!
Wir befinden uns in Joanna Stepalska-Spix’ Neujahrs-Swing, den sie als Gegenpol zum „Neujahrs-Blues“ verstanden wissen möchte: „Nach einer ruhigen Einführung, die durch die Melodie einen leichten improvisierten Charakter vorweist, beginnt der Swing-Teil, der in seinem lockeren Jazz-Charakter zum Wippen, Wiegen und auch zum Tanzen bewegen soll“, so die Komponistin im Vorwort.
Die tonal an D-Dur gebundene Komposition mit jazztypischen und chromatischen Elementen sowie entsprechenden harmonischen Wendungen ist spieltechnisch für eine fortgeschrittene Schülerin im Duett mit der besten Freundin oder auch beim Vorspiel mit der Lehrerin klar strukturiert und im musikalischen Gehalt schnell erfassbar: Mit leichter, lässiger Hand stilsicher gesetzt entsteht ein gutgelauntes Miteinander ohne allzu große Herausforderungen. Der Tonumfang reicht von d’ bis h”’, die Spielerin der 1. Flöte sollte bereits über einen schönen Ton in der 3. Oktave verfügen, beide sollten die Flatterzunge beherrschen. Die Spielerinnen müssen locker und schnell im Skalenspiel unterwegs sein, chromatische Passagen ebenso leicht abrufen können wie Dreiklangsbrechungen.
Rhythmisch könnten Schwierigkeiten auftreten, falls man den Swing-Teil im Duett anfangs ohne die ternäre Phrasierung übt. Die seltenen Synkopen (z. B. in T. 38 ff.) sind vermutlich durch diverse Duette oder Solosuiten der Barockzeit bereits in Fleisch und Blut übergegangen und so kann man sich ganz vertraut der Freude am schönen Spiel widmen.
Neujahrs-Swing ist ein lässiges Kabinettstückchen, das sich sowohl als Schülerliteratur für Fortgeschrittene wie auch als nette Zugabe bei einem spritzigen Kammermusikabend bestens eignet: ein verschmitztes Lächeln, das mit leichter Hand durch den Raum perlt und das Publikum gut gelaunt zum Sektempfang entlässt.
Christina Humenberger


