Flosdorf, Dietmar

Oper zum Anfassen

Ein sozial- und musikpädagogisches Projekt im Theater an der Wien

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren 1/2010 , Seite 52

Das von Dietmar Flosdorf initiierte Musikvermittlungsprojekt „Oper zum Anfassen – The Rake im Theater an der Wien“ wurde im Auftrag des Theaters an der Wien aus Anlass der Neuinszenierung von Igor Strawins­kys Oper „The Rake’s Progress“ unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt durchgeführt. Eine anschließende Evaluation brachte interessante Ergebnisse.

Im Früh­jahr frag­te mich eine Leh­rer­kol­le­gin, ob ich inter­es­siert wäre, an einem Opern­pro­jekt mit mei­ner Schul­klas­se teil­zu­neh­men. Ich lie­be Oper und sag­te sofort spon­tan zu! Ich nahm mir die Zeit, mich mit der aus­ge­wähl­ten und mir noch unbe­kann­ten Oper aus­ein­an­der­zu­set­zen: The Rake’s Pro­gress von Igor Stra­win­sky. Ich war zutiefst ent­täuscht und wütend!“ Maria Pich­ler erin­nert sich an ihren Ein­stieg beim Pro­jekt „Oper zum Anfas­sen“. Die Leh­re­rin an der Haupt­schu­le „Am Schöpf­werk“ in Wien erzählt wei­ter: „Aus einer Viel­zahl von Opern mit glor­rei­chen Hel­den, Lie­bes­ge­schich­ten, Mär­chen, Fan­ta­sie und Spaß wähl­te jemand gera­de die­se Oper: Unglück­liche Lebens­ge­stal­tung, das Schei­tern an der eige­nen Schwä­che und dar­aus resul­tie­ren­de Hoff­nungs­lo­sig­keit sind weder erbau­li­che The­men noch unse­ren Schü­lern fremd. Der Inhalt die­ser Oper schien mir gera­de für unse­re Schü­ler weni­ger geeig­net als je ein ande­rer, ungüns­ti­ge Lebens­be­din­gun­gen haben sie selbst und pro­ble­ma­ti­scher Umgang ist ihnen nicht fremd. Ich hät­te ihnen lie­ber Hel­les und Schö­nes vor­ge­setzt. Mit gro­ßen Vor­be­hal­ten ging ich zur Pro­jekt­be­spre­chung und mach­te kein Geheim­nis aus mei­ner kri­ti­schen bis nega­ti­ven Ein­stel­lung gegen­über dem Pro­jekt und dem Pro­jekt­lei­ter. Schnell wur­de mir aber klar, dass die Aus­wahl die­ser Oper weder ein zufäl­li­ger Fehl­griff noch Sen­sa­ti­ons­lust für eine Skan­dal­ge­schich­te von irgend­wel­chen Künst­lern war, son­dern ein fun­dier­tes sozi­al- und musik­päd­ago­gi­sches Projekt.“

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 1/2010.