Raphael, EL

Pia­no secrets

Leidenschaft spielt, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: www.p-raphael.com, München 2015
erschienen in: üben & musizieren 3/2016 , Seite 59

Petra Elia Loren Rapha­el nennt als ihre beruf­li­chen Tätig­kei­ten Pia­nis­tin, Sän­ge­rin, Kom­po­nis­tin, Schau­spie­le­rin, Dozen­tin, Per­sön­lich­keits­trai­ne­rin, Autorin, Kame­ra­frau und Mit­wir­ken­de bei Fern­seh­ga­las. Mit dem Kür­zel EL spielt sie mit Geschlech­ter­rol­len. Bei Pia­no Secrets wer­den ihre Funk­tio­nen mit Idee, Kon­zept, Musik und Tex­te benannt, dazu kom­men zwölf far­bi­ge Bil­der von Fer­nan­do de la Jara. Die­se bil­de­ten den Aus­gangs­punkt für die zwölf Musik­stü­cke, die Rapha­el laut eige­ner Aus­sa­ge unmit­tel­bar und auf „uner­klär­li­che Wei­se“ beim Betrach­ten der Bil­der gekom­men sind.
Es han­delt sich um ein Bil­der-Musik-Tex­te-Buch. Rapha­el kom­po­nier­te zu jedem der an den magi­schen Rea­lis­mus anknüp­fen­den Bil­der de la Jaras je ein meist bal­la­den­haf­tes Kla­vier-stück und schrieb – fast immer – ein meta­pho­ri­sches Gedicht. Blei­ben die­se auf der Ebe­ne impres­sio­nis­ti­scher Stim­mung, zuwei­len nicht frei von Eso­te­rik, so zei­gen jene kaum das an, was der Unter­ti­tel „Lei­den­schaft spielt“ ver­spricht. Die­se Lei­den­schaft müss­te vom Kla­vier­spie­len­den selbst erzeugt wer­den, da die Kom­po­si­tio­nen dafür recht wenig lie­fern.
Die Tem­pi sind lang­sam bis mode­rat, Har­mo­nik und Melo­dik gefäl­lig, der Aus­druck ist meist ver­hal­ten (eine Aus­nah­me bil­det Silk). Das Traum­haf­te beinhal­tet auch das Unheim­li­che, Wil­de – es fehlt hier fast gänz­lich; Schu­mann böte hier­für Anknüp­fungs­punk­te. Vor­bil­der sind neben Roman­ti­kern vor allem Debus­sy, Satie (Letz­te­rer stand mög­li­cher­wei­se auch mit sei­nen Sports et Diver­tis­se­ments Pate für das Kon­zept) und Mini­mal Music. Auch die alt­be­kann­te Vor­la­ge der 24. Capri­ce von Paga­ni­ni erhält eini­ge Varia­tio­nen, recht eng an der Vor­la­ge ori­en­tiert, dabei wird der über­mä­ßi­ge Sext­ak­kord nicht immer rich­tig in die Domi­nan­te wei­ter­ge­führt.
Die Ver­bin­dung zwi­schen Male­rei und Musik ist asso­zia­tiv, nicht unmit­tel­bar. Es liegt nicht nahe, dass ein Bild mit einer Cel­lis­tin eine 6/8-Bal­la­de erhält, mit Kla­vier­läu­fen in höchs­ten Lagen (Lon­ging). In der Ein­spie­lung frei­lich ist ein Cel­lo betei­ligt. Nicht alle Stü­cke lie­gen auf der bei­gefüg­ten CD vor, eini­ge kom­men auf You­Tube hin­zu, man­che sind für mehr Instru­men­te arran­giert, zuwei­len wei­chen die Auf­nah­men vom Gedruck­ten ab. Das ist inso­fern unpro­ble­ma­tisch, als vie­le Stü­cke aus weni­gen kur­zen, kom­bi­nier­ba­ren Ver­satz­stü­cken gefer­tigt sind. Oft nutzt Rapha­el ein­fa­che Har­mo­nie­mo­del­le, die repe­tiert wer­den.
Auf die Spit­ze getrie­ben wird dies in Chan­ce encoun­ter, wo ein simp­ler sequen­zier­ter Zwei­tak­ter acht­mal hin­ter­ein­an­der erscheint. Deidad ent­hält gar ein­fachs­te Lied­me­lo­di­en mit Voka­li­sen. Die Her­kunft der Stü­cke aus dem Impro­vi­sie­ren und Prä­lu­die­ren bleibt unver­kenn­bar. Es ent­steht zuwei­len die Wir­kung von Hin­ter­grund­mu­sik, die auch in Film und Fern­se­hen Ver­wen­dung fin­den könn­te. Die Aus­füh­rung ist teil­wei­se anspruchs­voll, vor allem durch Figu­ren­werk in der lin­ken Hand. Die Klang­lich­keit wird ihre Wir­kung zumin­dest zum Teil nicht ver­feh­len.
Chris­ti­an Kunt­ze-Kra­kau