Tekale, Florian

Pop Pia­no School

für Einsteiger, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Alfred Music, Köln 2020
erschienen in: üben & musizieren 1/2021 , Seite 62

Flo­ri­an Teka­les neue Klavierschu­le wird vom Ver­lag wie folgt ange­kün­digt: „Die­ses kom­pak­te Lehr­buch ermög­licht ange­hen­den Pia­nis­tin­nen und Pia­nis­ten einen zeit­ge­mä­ßen Start ohne ,klas­si­sche‘ Umwe­ge […] Vor allem Jugend­li­che und Erwach­se­ne haben mit Pop Pia­no School end­lich das Buch gefun­den, um Kla­vier spie­len zu ler­nen.“ Doch kann der Inhalt solch einer Ankün­di­gung wirk­lich gerecht wer­den? Flo­ri­an Teka­le, Kla­vier­päd­ago­ge, Kom­po­nist und Arran­geur, bezeich­net sein Werk im Vor­wort zudem als „die ers­te Kla­vier­schu­le für Popu­lar­mu­sik“. Dabei ist bei­spiels­wei­se 2017 mit Smart Pia­no von Wolf­gang Wier­zyk bereits ein ent­spre­chen­des hoch­wer­ti­ges Kom­pen­di­um bei Schott erschienen.
Der Blick in die knapp 120 Sei­ten zeigt dann aber schnell, dass es sich um eine gründ­lich gear­bei­te­te, gut auf­ge­bau­te, mit prä­zi­sen For­mu­lie­run­gen ver­se­he­ne Kla­vier­schu­le han­delt. Man merkt, dass Pia­nist Flo­ri­an Teka­le sei­ne jah­re­lan­ge Unter­richts­er­fah­rung in die­ses Lern­kom­pen­di­um für Kla­vier­an­fän­ger sehr nutz­brin­gend ein­brin­gen konnte.
Neben zahl­rei­chen leicht zu spie­len­den Cha­rak­ter­stü­cken, wel­che die ein­zel­nen Lern­schritte trai­nie­ren, gibt es vie­le Erklä­run­gen, vor allem zu gän­gi­gen Akkord­mus­tern, wie wir sie aus der Pop­mu­sik ken­nen. Am Ende wer­den sechs exem­pla­ri­sche Akkord­fol­gen vor­gestellt mit Hin­wei­sen, wo die­se in bekann­ten Titeln anzu­tref­fen sind. Ver­schie­de­ne Akkord­bre­chun­gen und Pat­terns wer­den auch im Hin­blick auf eine selbst­stän­di­ge Song­be­glei­tung trai­niert. Power­chords, sowie Sus4- und Sus2- Akkor­de, wel­che eine beson­de­re Stel­lung in der Pop­mu­sik ein­neh­men, wer­den ein­ge­hend erläu­tert und geübt, eben­so osti­na­te und repe­tie­ren­de Spielfiguren.
Das Pedal wird früh ein­ge­führt, dann aller­dings in eini­gen Stü­cken zu undif­fe­ren­ziert ein­ge­setzt, sodass das melo­di­sche Spiel dadurch ver­schwimmt. Häu­fi­ge­re Pedal­wech­sel wür­den hier ein genaue­res Lega­to­spiel ermöglichen.
Mit Scar­bo­rough Fair und Morning has bro­ken gibt es zwei hüb­sche Arran­ge­ments von Klas­si­kern der Popu­lar­mu­sik. Im Letz­te­ren ist aller­dings im zwei­ten Takt der Melo­die ein merk­würdiger ver­min­der­ter Akkord in der Begleit­stim­me, wo eigent­lich ein d‑Moll hin­gehören wür­de. In Pia­no Love, wo Okta­ven in der lin­ken Hand geübt wer­den, ist im zwei­ten Takt ver­se­hent­lich eine Sep­ti­me dazwi­schen geraten.
Um noch ein­mal auf den Klap­pen­text von Alfred Music zurück­zu­kom­men: „Wenn der Pia­no-Sound in Rich­tung Ludo­vico Ei­naudi, Yann Tier­sen oder Ali­cia Keys gehen soll, dann ist Pop Pia­no School genau rich­tig.“ Damit ist die poten­zi­el­le Kli­en­tel für die­se Kla­vier­schu­le tref­fend ange­spro­chen. Dass die „Klas­sik“ aller­dings als „Umweg“ bezeich­net wird, ist ein Lap­sus, den sich ein seriö­ser Ver­lag nicht leis­ten soll­te. Eine sol­che Art von Aus­gren­zung hat das vor­lie­gen­de Unter­richts­werk gar nicht nötig.
Chris­toph J. Keller