Keller, Christoph J.

Prä­lu­di­um, Inven­tio und Cho­ral

für Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Inventio, Berlin 2015
erschienen in: üben & musizieren 1/2016 , Seite 57

Der 1959 gebo­re­ne Chris­toph Kel­ler hat in Saar­brü­cken an der Uni­ver­si­tät Theo­lo­gie und Musik­wis­sen­schaft stu­diert sowie an der Musik­hoch­schu­le die Fächer Schul­mu­sik, Musik­erzie­hung und Kla­vier absol­viert. Er unter­rich­tet an der Musik­schu­le der Stadt Olden­burg ein breit gefä­cher­tes Feld von Kla­vier- und Kam­mer­mu­sik bis zur Musik­theo­rie und tritt auch als Pia­nist auf.
Sei­ne bis­he­ri­gen Kom­po­si­tio­nen ent­stan­den zumeist für Soloinst­rumente bzw. für Kam­mer­mu­sik­be­set­zun­gen in ver­schie­de­nen Ver­la­gen. Das hier vor­lie­gen­de Werk aus dem Jahr 1993 hat, wie der Autor schreibt, durch das Wort „Inven­tio“ die Namens­gebung des Inven­tio-Musik­ver­lags beein­flusst; des­sen Ver­le­ger Micha­el Klin­ke­biel war der Pia­nist der Urauf­füh­rung im Jahr 1994.
Die Kom­po­si­ti­on umfasst drei Sät­ze mit ins­ge­samt sechs Druck­sei­ten: Auf das kur­ze, durch­sich­ti­ge, zum gro­ßen Teil ein­stim­mi­ge Prä­lu­di­um mit der Bezeich­nung „Len­to mis­te­rio­so“, des­sen Dyna­mik sich im Wesent­li­chen zwi­schen pp und mf abspielt, folgt der zen­tra­le Satz Inven­tio, ein geschickt fugen­haft kon­tra­punk­tisch durch­wirk­tes „Mode­ra­to ma ener­gi­co“. Dies bewegt sich über­wie­gend in domi­nie­ren­der Zwei­stim­mig­keit – bei dif­fe­ren­zier­ter Dyna­mik – um die Grund­laut­stär­ke For­te. Des­sen Mit­tel­teil ent­hält einen Abschnitt mit chan­gie­ren­den, vir­tuo­sen Pas­sa­gen, die durch Pedal­spiel, teils una cor­da, teils tre cor­de, neue Klang­far­ben ent­wi­ckeln. Die bei­den ers­ten Sät­ze füh­ren hin zum Cho­ral, dem „Andan­te maes­to­so“ beti­tel­ten drit­ten Satz, der auf dem Oster­cho­ral Christ ist erstan­den basiert. Figu­ren, die vor­her ange­deu­tet wur­den, keh­ren wie­der und wei­sen hin auf Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Stü­cken. Die sehr dif­fe­ren­zier­te Dyna­mik geht in einem Takt sogar bis zum ff, unter Ein­satz von Oktav- und Sep­ti­men­ket­ten.
Der Kom­po­nist hat sein Opus sehr genau und sinn­voll notiert, dazu gut rea­li­sier­ba­re Fin­ger­sät­ze bei­gesteu­ert sowie verbind­liche Pedalan­ga­ben. Der drei­tei­li­ge, frei tona­le Zyklus ist anspruchs­voll, aber nicht über­mä­ßig schwie­rig gehal­ten und gut zur Ein­füh­rung in Neue Musik geeig­net. Man kann sich vor­stel­len, dass die­ses Kla­vier­werk aus dem Schaf­fen von Chris­toph Kel­ler ger­ne ange­nom­men wird.
Peter Rog­gen­kamp