Metelka, Jakub

Puppentheater

20 Klavierminiaturen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Bärenreiter, Prag 2025
erschienen in: üben & musizieren 4/2026 , Seite 62

Das jahrhundertealte tschechi­sche Puppentheater, UNESCO-Weltkulturerbe, ist auch heute noch in der tschechischen Republik überall präsent. Jakub Metelka (geb. 1986), tschechischer Pianist, Komponist und Lehrer, hat nun den Band Puppentheater mit zauberhaften Klavierminiaturen veröffentlicht. Seine unverwechselbare Klangsprache mit fantasievollen Melodien und abwechslungsreicher, oft überraschender Harmonik hat mich schon bei seinen früheren Ausgaben (z. B. Moderne Klavieretüden und Der kleine Virtuose) fasziniert.
Diese Reihe wird nun fortgesetzt mit 20 eigenwilligen, musikalisch wie technisch sehr unterschiedlichen Charakterstücken: Alle sind klangschön, kommen ohne Oktavspannung aus und keines ist länger als eine Seite. Die gesamte Spielzeit beträgt gut 20 Minuten. Schwierigkeitsgrad: etwa Unterstufe II bis Mittelstufe I. Online gibt es Audioaufnahmen aller Stücke, eingespielt vom Komponisten.
Bis auf das Anfangs- und Schlussstück ergeben die Titel keine durchlaufende Geschichte, sondern stellen einzelne Figuren aus der Welt des Puppentheaters vor. Märchenhafte Stimmungsbilder wechseln sich ab mit Auftritten von Kasperle, Prinzessin, Prinz mit Pferd, dem weisen König, Großmutter, Ritter, Zauberer, Zwergen, Hof­damen, grimmigen Banditen, schließlich sogar dem Teufel. Dazu kommen Hochzeit und allerlei Zauberei – und viel Wald!
Da die Stücke in beliebiger Reihenfolge gespielt werden können, lässt sich leicht eine eigene kleine Handlung entwickeln. Daher eignet sich das Heft besonders für Klassenvorspiele, macht aber auch Erwachsenen Freude. Das Notenbild ist übersichtlich, sorgfältig bezeichnet mit Vorschlägen für Ausdruck, Fingersätze und Pedalangaben. Vortragsbezeichnungen wie Magico, Nobile, Fragile, Calmo, Misterioso, Bisbigliando lassen viel Raum für Fantasie.
Die fabelhafte Illustratorin And­rea Tachezy kommentiert die Stücke durch ihre feinen Schwarz-weiß-Zeichnungen voller Humor und Augenzwinkern: Der König mit dem überlangen Bart verliert beim Laufen seinen Reichsapfel, die windschiefe Hütte der Großmutter ist mehrstöckig und besitzt Veranda und Freitreppe. Im dunklen Wald lauern Banditen mit hohen Mützen und rollenden Augen auf Beute, der Prinz kämpft mit seinem störrischen Pferd und der Prinzessin sind in der Zeit des langen Wartens die Haare sehr lang gewachsen. Die Hochzeit findet schließlich erst statt, als Braut und Bräutigam schon in die Jahre gekommen sind. Am Ende zieht der Marionetten-Teufel den Vorhang zu – die Musik beschreibt es deutlich.
Metelkas Puppentheater ist von Anfang bis Ende ein inspirierendes und pädagogisch wertvolles Werk für Unterricht und Konzert. Kleine Anregung: Ein Vorwort des Komponisten – auch zum Thema Puppenspiel – wäre eine bereichernde Ergänzung gewesen.
Frauke Uerlichs

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