Hilbert, Jörg / Felix Janosa

Rit­ter Rost ist krank

Musical für Kinder, mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Terzio, München 2010
erschienen in: üben & musizieren 3/2010 , Seite 58

Rit­ter Rost ist krank? Von wegen, er ist leben­di­ger denn je, denn mit dem zehn­ten Band fei­ern die Geschich­ten über den Kultrit­ter und sei­ne Freun­de ein klei­nes Jubi­lä­um. Das Geheim­nis die­ses Erfolgs liegt dar­in begrün­det, dass Jörg Hil­berts Bil­der und Geschich­ten und Felix Jano­sas Musik nicht kin­der­tü­melnd ein­fach daher­kom­men, son­dern mit einer Hin­ter­grün­dig­keit und einem Anspie­lungs­reich­tum, wodurch die Musi­cals auch für Erwach­se­ne inter­es­sant und unter­halt­sam werden.
Nach dem ers­ten Hören der CD des aktu­el­len Bands etwa wer­den nicht weni­ge Mamas und Papas an den Plat­ten­schrank eilen, um die alten Beat­les-Plat­ten her­vor­zu­gra­ben – auch ohne den Hin­weis aus der Pres­se­ab­tei­lung des Ter­zio-Ver­lags gele­sen zu haben, wonach im aktu­el­len Musi­cal „der Fan vie­le Hin­wei­se auf vier berühm­te Musi­ker aus Liver­pool“ findet.
Felix Jano­sas Hom­mage an die Beat­les ist kom­po­si­to­risch wie­der ein­mal von aller­höchs­ter Qua­li­tät. Und doch will dies­mal auch bei den Kin­dern der Fun­ke nicht recht über­sprin­gen. Schon die zurück­lie­gen­den neun Bän­de hat­ten mal mehr, mal weni­ger Stär­ken und Schwä­chen – wenn auch auf ins­ge­samt hohem Niveau. Der zehn­te Band muss lei­der zu den eher schwä­che­ren gezählt wer­den – und dies liegt in ers­ter Linie an der Sto­ry, die doch des Öfte­ren recht unin­spi­riert wir­ken­de Vol­ten schlägt. „Die Geschich­te ist nicht so span­nend wie sonst“: Kin­der­mund tut Wahr­heit kund!
Dass der Rit­ter Rost genau dann krank wird, wenn er im Haus­halt mit­hel­fen soll, bestä­tigt eige­ne Erfah­run­gen geplag­ter Eltern; doch im „Rost­pi­tal“, in das der Rit­ter nun ein­ge­lie­fert wird, nimmt die Hand­lung einen eher ver­que­ren Ver­lauf: Rit­ter Rost möch­te nun an einem Schön­heits­wett­be­werb teil­neh­men und gerät in die Hän­de von Dr. Quack­silber, der sei­ne Pati­en­ten rei­hen­wei­se zu wil­len­lo­sen Eseln umge­stal­tet. Was als kri­ti­scher Sei­ten­hieb auf Hei­di Klums Super­mo­dell-Show ver­stan­den wer­den könn­te, zieht sich beim Hören doch recht zäh dahin. Die eige­nen Kin­der sind auch hier die här­tes­ten Kri­ti­ker: „lang­wei­lig“, so das Urteil, das bei „Rit­ter Rost“ in die­ser Deut­lich­keit bis­lang noch nicht zu hören war.
Doch Hilbert/Janosa wären nicht das „Ritter-Rost“-Dreamteam, wenn es ihnen nicht gelän­ge, spä­tes­tens mit dem Schluss­song alles wie­der rum­zu­rei­ßen. Wie auch schon des Öfte­ren in den zurück­lie­gen­den Bän­den han­delt es sich beim letz­ten Lied um eine Zuga­be, ein kom­po­si­to­risch-musi­ka­li­sches Sah­ne­häub­chen der beson­de­ren Art. Schon allein das elf­te Stück mit dem eben­so lako­ni­schen wie tref­fen­den Titel „Num­mer Elf“, mit sei­nem hin­ter­grün­di­gen Non­sens-Text und den abschlie­ßen­den Schun­kel­qua­li­tä­ten der Musik lohnt die Anschaf­fung auch die­ses „Ritter-Rost“-Musicals. Wobei sich die­se Fra­ge für die ein­ge­fleisch­te Fan-Gemein­de des Rit­ters, der anläss­lich von „RUHR 2010“ zum Bot­schaf­ter der Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas ernannt wur­de, sowie­so nicht stellt: Man muss ein­fach alle haben!
Rüdi­ger Behschnitt