Löffler, Mathias

Rock & Jazz Har­mo­ny

Die Klangwelt der Rock- und Jazzmusik verstehen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: AMA, Brühl 2018
erschienen in: üben & musizieren 1/2019 , Seite 50

Das inhalt­li­che Ter­rain, das hier jeweils beschrie­ben, bear­bei­tet und trans­pa­rent gemacht wird, mag durch­aus ver­gleich­bar, wenn auch nicht deckungs­gleich sein. Bezo­gen auf Anspruch und Auf­bau, Umfang und Schwer­punkt­set­zung indes fal­len die bei­den vor­lie­gen­den Ver­öf­fent­li­chun­gen denn doch denk­bar unter­schied­lich aus. Wäh­rend es sich bei Rock & Jazz Har­mo­ny von Ma­thias Löff­ler um ein Arbeits­buch und Nach­schla­ge­werk han­delt, also ein eher enzy­klo­pä­disch-umfang­rei­cher Ansatz ins Werk gesetzt ist, so folgt Her­bert Hell­hunds Jazz in sei­ner kom­pri­mier­ten Dar­stel­lung, die einen ent­schie­de­nen Fokus auf Impro­vi­sa­ti­on setzt, eher einer phä­no­me­no­lo­gi­schen Her­an­ge­hens­wei­se. Je nach Inter­es­sen­la­ge – so viel vor­weg – war­tet jeweils eine durch­weg loh­nen­de Lek­tü­re.
Mathi­as Löff­ler legt ein eben­so pro­fun­des wie prak­ti­ka­bles Kom­pendium vor: Die Fül­le der zusam­men­ge­stell­ten Ein­zel­hei­ten (allein das Inhalts­ver­zeich­nis um­fasst 15 Sei­ten!) ist gewal­tig. Aus­ge­hend von ele­men­tars­ten Grund­la­gen wird nicht weni­ger als das gesam­te Reper­toire akkor­disch-har­mo­ni­scher Sprach­mit­tel im Bereich Jazz, mit einer Öff­nung hin zur Rock­mu­sik, durch­buch­sta­biert.
Zuneh­mend kom­plex gerät die zu erläu­tern­de Mate­rie dann ab der zwei­ten Hälf­te von Kapi­tel 3 „Grund­funk­tio­na­le Har­mo­nik“ – ver­schie­dens­te Domi­nant­funk­tio­nen, Tri­to­nus­sub­sti­tu­ti­on, ver­min­der­ter Sept­ak­kord, Kli­schee­fol­gen, II-V-I-Ver­bin­dun­gen und ande­res mehr – sowie in Kapi­tel 4 „Moda­le Har­mo­nik“ und Kapi­tel 5 „Modal Inter­chan­ge“. Wäh­rend Kapi­tel 6 „Blues“ und Kapi­tel 7 „Impro­vi­sa­ti­on“ eher knapp aus­fal­len, bie­tet Kapi­tel 8 abschlie­ßend bei­spiel­haft aus­führ­li­che Ana­ly­sen von 13 sti­lis­tisch unter­schied­li­chen Songs.
Dies alles, so inhalts­dicht es zuwei­len daher­kommt, ver­mit­telt Löff­ler bestechend klar und gera­de auch für Ein­stei­ger gut nach­voll­zieh­bar, ins­be­son­de­re auch so manch Spe­zia­li­tät der Nomen­kla­tur betref­fend. Hilf­reich sind dabei zahl­rei­che tabel­la­ri­sche Über­sich­ten (zu Ska­len, Akkord­be­zeich­nun­gen und
-ver­bin­dun­gen), „Defi­ni­ti­ons­käs­ten“, in denen die jeweils wesent­li­chen Fak­ten zusam­men­ge­fasst sind, immer wie­der illust­rierende Song-Bei­spie­le und kon­sequent bereit­ge­stell­te anwen­dungs­be­zo­ge­ne Auf­ga­ben.
Nicht zuletzt ist es der vom Autor ver­wen­de­te locke­re Ton­fall, der moti­vie­rend wirkt. Zudem ste­hen sei­tens des Ver­lags in einem Down­load­be­reich ergän­zen­de Mate­ria­li­en zur Ver­fü­gung: ver­tie­fen­de pdf-Bonus-Kapi­tel, Lösungs­blät­ter zu den Auf­ga­ben, Hör­bei­spie­le als MP3-Datei­en. Ledig­lich die Wahl des Unter­ti­tels kann nicht recht über­zeu­gen. Zeich­nen die „Klang­welt“ des Rock und Jazz doch jen­seits har­mo­ni­scher Ver­hält­nis­se wei­te­re wesent­li­che Fak­to­ren aus, die hier aber nicht adäquat the­ma­ti­siert wer­den.
Fazit: Didak­tisch klug ange­leg­ter und am musik­prak­ti­schen Tun ori­en­tier­ter Lehr­gang für Ein­stei­ge­rIn­nen eben­so wie grund­so­li­des Lexi­kon zur Beant­wor­tung von Fort­ge­schrit­te­nen-Fra­gen – eine attrak­ti­ve Har­mo­nie­leh­re, der vie­le neu­gie­ri­ge Nut­ze­rIn­nen zu wün­schen sind.
Gun­ther Diehl