Menke, Markus

Schrift­lich nützt, schrift­lich schützt!

Vom Handschlag zum Vertrag: Unterrichtsverträge für freie InstrumentalpädagogInnen

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 3/2015 , musikschule )) DIREKT, Seite 02

Mit schriftlichen Unterrichtsverträgen können Sie Ihre Einkommenssituation und soziale Sicherheit stabilisieren sowie Ihre Verwaltung vereinfachen.

Jeder kennt es: „Das hat­ten wir doch ab­gesprochen!“ – „Tut mir leid, ich hat­te das ganz anders ver­stan­den.“ Geben Sie einer Schü­le­rin Unter­richt, so liegt eine Ver­ein­ba­rung von Leis­tung und Gegen­leis­tung zugrun­de. Das ist ein Ver­trags­ver­hält­nis und soll­te schrift­lich fest­ge­hal­ten wer­den.

Kla­re Ver­ein­ba­run­gen zur Zufrie­den­heit bei­der Par­tei­en

Wun­der­bar an unse­rem Beruf ist, dass wir uns schon sehr früh auf unser Berufs­le­ben vor­be­rei­ten kön­nen. Schon als Teen­ager kom­men ers­te Anfra­gen aus Ver­wandt­schaft oder Nach­bar­schaft. „Du spielst doch so schön, magst du Lisa nicht Klavier­unterricht geben?“ Ver­trä­ge wer­den im Sta­di­um semi­pro­fes­sio­nel­ler Berufs­tä­tig­keit meist nicht abge­schlos­sen. Das Hono­rar wird bar auf den Tisch des Hau­ses gelegt. Irgend­wann ist es dann soweit: Sie haben stu­diert, Examen abge­legt, unter­rich­ten 20 bis 30 Schü­le­rIn­nen – Sie sind Pro­fi! Die Künst­ler­so­zi­al­kas­se steht Ihnen offen, Sie wis­sen, dass unser Staat Steu­ern erhebt, Sie zah­len monat­lich Ihre Mie­te. Nun ist es wich­tig, dass Sie auch Ihren Lebens­un­ter­halt bestrei­ten kön­nen – durch siche­re Ein­künf­te aus Unter­richt.
Ich tref­fe häu­fig Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die schrift­li­chen Ver­trä­gen skep­tisch gegen­über­ste­hen. Sie emp­fin­den münd­li­che Abspra­chen als weni­ger ein­schrän­kend. Aber wie regelt man den immer mal auf­tre­ten­den Zwei­fels­fall?
Sie wei­sen sich als ver­trau­ens­wür­di­ge, pro­fes­sio­nel­le Instru­men­tal­päd­ago­gin aus, wenn Sie schrift­li­che Ver­trä­ge nut­zen. In einem Ver­trag hal­ten Sie fest, zu wel­chen Kon­di­tio­nen Ihr Unter­richt statt­fin­det und was die Gegen­leis­tung ist. Bei der Gestal­tung des Ver­trags sind Sie völ­lig frei. Es geht um Ihre Bedin­gun­gen, die Sie brau­chen, um gute Arbeit leis­ten zu kön­nen. Eine Ein­schrän­kung gibt es aller­dings: Sie dür­fen nichts Sit­ten­wid­ri­ges ver­ein­ba­ren.
Natür­lich ist es an die­ser Stel­le berech­tigt, sich ein paar Gedan­ken zu machen: Was soll ich denn alles in mei­nem Unter­richts­ver­trag fest­le­gen? Hil­fe ist nah! Mus­ter­ver­trä­ge fin­den Sie beim Deut­schen Tonkünst­lerverband (www.dtkv.org/images/pdfs/ Unterrichtsvertrag_2013-12_Muster.pdf) oder der Fach­grup­pe Musik der Gewerk­schaft ver.di (http://musik.verdi.de/musikschulen/freiberuflich/mustervertraege). Als Mit­glied in die­sen Ver­tre­tun­gen dür­fen Sie die Mus­ter­ver­trä­ge auch nut­zen.
Im Fol­gen­den möch­te ich auf Vertrags­vereinbarungen ein­ge­hen, die erfah­rungs­ge­mäß immer wie­der zu Dis­kus­sio­nen mit unse­ren Schü­lern – oder nen­nen wir sie bes­ser: Kun­den – füh­ren. Die­se Dis­kus­sio­nen sind zuwei­len pein­lich, sicher aber ner­vig, ärger­lich und vor allem zeit­rau­bend.
– Pünkt­li­che Hono­rar­zah­lung
– Durch­be­zahl­te Feri­en
– Unterrichtsausfall/Krankheit
– Kün­di­gungs­fris­ten
– Unter­schrift bei­der Erzie­hungs­be­rech­tig­ter (bei Kin­dern)

Pünkt­li­che Hono­rar­zah­lung

Bit­te ver­ein­ba­ren Sie, dass die Kun­den einen Dau­er­auf­trag zu einem fest­ge­leg­ten Datum für die Hono­rar­zah­lung ein­rich­ten. Ist ein Dau­er­auf­trag ein­ge­rich­tet, wis­sen Sie sicher, wann Ihr Hono­rar auf dem Kon­to ein­geht. Außer­dem ist ein Dau­er­auf­trag bei der Kon­to­füh­rung Ihrer Bank gut zwi­schen ande­ren Über­wei­sun­gen zu erken­nen. Die bar­geld­lo­se Zah­lung ent­hebt Sie vie­ler admi­nis­tra­ti­ver Auf­ga­ben.
Wird dage­gen das Hono­rar bar in der ers­ten Unter­richts­stun­de des Monats gezahlt, kann es gut sein, dass der Betrag gera­de nicht abge­zählt ver­füg­bar ist. Sie müs­sen zwi­schen Tür und Angel eine Quit­tung aus­stel­len; die­se geht ger­ne in der Noten­ta­sche von Schü­le­rIn­nen ver­lo­ren.

Durch­be­zahl­te Feri­en

Immer wie­der fra­gen Kun­den: War­um muss ich zah­len, obwohl in den Feri­en kein Unter­richt statt­fin­det? Es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten, mit dem Pro­blem umzu­ge­hen. Was hal­ten Sie von fol­gen­der: Sie unter­rich­ten im Jahr 38 Unter­richts­stun­den ent­spre­chend der Men­ge der Unter­richts­wo­chen an all­ge­mein bil­den­den Schu­len. Dafür berech­nen Sie ein Jah­res­ho­no­rar. Um den Zah­lungs­mo­dus für die Kun­den so ein­fach wie mög­lich zu gestal­ten, wird die­ses Jah­res­ho­no­rar in zwölf glei­che Tei­le geteilt und monat­lich fäl­lig.

Unterrichtsausfall/Krankheit

Sie soll­ten fest­le­gen, dass ein Unter­richts­aus­fall von Sei­ten des Kun­den vor­her ange­kün­digt wird. Nichts ist ener­gie­r­au­ben­der, als auf Schü­le­rIn­nen zu war­ten. Egal ob Krank­heit oder Opas Geburts­tag, auf jeden Fall kommt die Fra­ge des Nach­hol­ter­mins. Die Absa­ge einer Stun­de sei­tens des Kun­den führt nicht zu einem Nach­hol­ter­min.
Bei Erkran­kung der Schü­le­rIn­nen von mehr als vier Wochen kön­nen Sie ver­ein­ba­ren, ab der fünf­ten Woche das Hono­rar zu erstat­ten. Sie soll­ten dem Kun­den aber nicht das Recht ein­räu­men, das Hono­rar zu kür­zen. Es ist bes­ser, wenn Sie das Hono­rar erst ein­mal auf dem Kon­to haben und dann aktiv wer­den kön­nen!
Für den Fall Ihrer Erkran­kung ver­ein­ba­ren Sie zu Ihrer sozia­len Siche­rung eine Hono­rar­fort­zah­lung von 14 Tagen (dar­über hin­aus gezahl­te Hono­ra­re erstat­ten Sie zurück). Als KSK-Mit­glied kön­nen Sie mit Ihrer Kran­ken­kas­se einen Son­der­ta­rif ver­ein­ba­ren, der die Zah­lung des Kranken­tagesgeldes ab dem 15. Tag der Krank­heit vor­sieht. Das kos­tet Sie zwar einen erhöh­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag, führt aber zusam­men mit den oben genann­ten Ver­ein­ba­run­gen im Unter­richts­ver­trag zu einer lücken­lo­sen Siche­rung der Ein­künf­te im Krank­heits­fall!
Für alle Ver­trags­ver­ein­ba­run­gen gilt: Unse­re Kun­den haben gestie­ge­ne Ansprü­che an uns als Dienst­leis­ter. Daher immer mit Fin­ger­spit­zen­ge­fühl ver­han­deln. Sie Unter­rich­ten ja nicht nur wöchent­lich, son­dern berei­ten Schü­le­rIn­nen auf Vor­spie­le, Schul­kon­zer­te, Wett­be­wer­be vor. Vie­le die­ser Vor­be­rei­tun­gen sind mit Zeit­auf­wand ver­bun­den, den Sie nicht unbe­dingt geson­dert abrech­nen, der sich aber eig­net, um aus­ge­fal­le­nen Unter­richt zu kom­pen­sie­ren.

Kün­di­gungs­fris­ten

Sicher, Rei­sen­de soll man nicht hal­ten. Hat eine Schü­le­rin kei­ne Lust mehr zu musi­zie­ren oder möch­te drin­gend die Lehr­kraft wech­seln, ist es nahe­zu sinn­los, den Unter­richt wei­ter­füh­ren zu wol­len. Trotz­dem geht es bei einer Kün­di­gungs­frist um Ihre Absi­che­rung. Und es ist auch gut für die Kun­den, im Vor­hin­ein zu wis­sen, dass es eine sol­che Frist gibt. Man­chen Eltern ist eine Kün­di­gungs­frist auch eine Argu­men­ta­ti­ons­hil­fe gegen­über ihren Kin­dern, den Unter­richt bis zu einem Ter­min fort­zu­füh­ren. Sie selbst müs­sen ent­schei­den, in wel­cher Zeit Sie einen frei wer­den­den Unter­richts­platz wie­der beset­zen kön­nen. Eine sechs­wö­chi­ge Kün­di­gungs­frist zum Monats­en­de erscheint mir zur­zeit ange­mes­sen. Aus­ge­schlos­sen ist eine Kün­di­gung zum Beginn der Som­mer­fe­ri­en! Geben Sie aber die Mög­lich­keit, den Ver­trag sofort zu been­den, wenn der Unter­richts­platz neu besetzt wer­den kann.
Regio­nal kann es schwie­rig sein, neue Kun­den zu bekom­men. Dann emp­feh­len sich Kün­di­gungs­fris­ten zu Ende März und Ende Sep­tem­ber. Auf jeden Fall muss das Pro­blem der Som­mer­fe­ri­en bedacht wer­den. Immer wie­der möch­ten Kun­den vor den Som­mer­fe­ri­en kün­di­gen. Das geht nicht, denn Sie haben ja in den Mona­ten vor den Som­mer­fe­ri­en weni­ger Hono­rar bekom­men, als Ihnen zusteht. Die Kom­pen­sa­ti­on fin­det genau in den Sommer­ferien statt (sie­he oben: Durch­be­zahl­te ­Feri­en)!

Unter­schrift bei­der ­Erzie­hungs­be­rech­tig­ter

Unse­re Gesell­schaft ändert sich. Es gibt immer häu­fi­ger Eltern, die sich tren­nen. Daher ist es rat­sam, dass Unter­richts­ver­trä­ge für Kin­der von bei­den Eltern­tei­len unter­zeich­net wer­den. Bei einem Tren­nungs­fall ist es egal, bei wel­chem Eltern­teil ein Kind dann lebt: Bei­de haben unter­zeich­net und jeder ist gesamt­schuld­ne­risch haft­bar, muss also zah­len. Sicher ist es etwas komisch, wenn Sie nach einer erfolg­rei­chen Pro­be­stun­de und der Freu­de von Kind und Mut­ter oder Vater, eine tol­le Lehr­kraft gefun­den zu haben, dar­um bit­ten, dass auch der zwei­te Eltern­teil den Ver­trag unter­zeich­net. Viel unan­ge­neh­mer ist es aber, im Fall einer Tren­nung die Rück­mel­dung zu bekom­men: „Den Ver­trag hat das ande­re Eltern­teil unter­schrie­ben, ich zah­le den Unter­richt nicht!“ Zum einen kom­men Sie nicht an Ihr Hono­rar, zum ande­ren dür­fen Sie auch noch den Schü­le­rIn­nen erklä­ren, dass sie nicht mehr unter­rich­tet wer­den kön­nen, weil ein Eltern­teil nicht zahlt.
Nut­zen Sie einen Unter­richts­ver­trag, der Ihre Unter­richts­be­din­gun­gen gut beschreibt. Neh­men Sie sich die Zeit, die­sen Ver­trag Wort für Wort mit den Kun­den vor der Unter­zeich­nung zu bespre­chen. Jeder Ver­trag hat eine Rubrik „beson­de­re Ver­ein­ba­run­gen“. Hier kön­nen sie gemein­sam Kon­di­tio­nen fest­le­gen, die indi­vi­du­ell für die­sen Kun­den zutref­fend sind und nicht in Ihrem Stan­dard­ent­wurf ent­hal­ten sind. Auf jeden Fall gehen Sie sicher, dass nach gemein­sa­mer Lek­tü­re bei­de Sei­ten Klar­heit über die Ver­ein­ba­run­gen haben. Wie gesagt: Es führt zu Zufrie­den­heit!