Müller, Martin

Sechs Stü­cke für 3 Gitar­ren

Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schell Music, Hamburg 2018
erschienen in: üben & musizieren 3/2019 , Seite 59

Neu­gie­rig macht der etwas sprö­de Titel Sechs Stü­cke für 3 Gitar­ren nicht wirk­lich, doch das Auf­schla­gen und Durch­blät­tern durch Mar­tin Mül­lers Neu­erschei­nung lohnt sich sehr. Mül­ler ver­eint sechs Stü­cke ganz unter­schied­li­cher Cha­rak­te­re, von groo­vi­gen, jaz­zi­gen Rhyth­men bis hin zu süd­ame­ri­ka­nisch ange­hauch­ten Kom­po­si­tio­nen.
Mül­ler weiß den Wert des Spie­lens im Gitar­ren­en­sem­ble sehr zu schät­zen, muss sich doch kei­ner gegen­über ande­ren Instru­men­ten behaup­ten. Man ist im Grun­de unter sich und kann sich auf das eige­ne Instru­ment kon­zen­trie­ren. Mül­ler ver­gleicht das Musi­zie­ren im Gitar­ren­en­sem­ble mit einem Kreis inter­es­san­ter Per­sön­lich­kei­ten mit anspruchs­vol­lem Gesprächs­the­ma. Man fühlt sich an Goe­thes berühm­tes Zitat zum Musi­zie­ren im Streich­quar­tett erin­nert: „Man hört vier ver­nünf­ti­ge Leu­te sich unter­ein­an­der unter­hal­ten, glaubt ihren Dis­kur­sen etwas abzu­ge­win­nen und die Eigen­tüm­lich­kei­ten der Instru­men­te ken­nen zu ler­nen.“
Mül­lers sechs Stü­cke sind etwa im unte­ren bis mitt­le­ren Schwie­rig­keits­grad ange­sie­delt. Es gibt kom­pli­zier­te­re Stim­men, doch fin­den sich immer auch leich­te­re in der ers­ten Lage ohne rhyth­mi­sche Fines­sen, die Ensem­ble-Ein­stei­gern ein Mit­mu­si­zie­ren ermög­li­chen. Die Aus­ga­be ist über­sicht­lich und benut­zer­freund­lich ange­ord­net und gut les­bar, Ein­zel­stim­men lie­gen bei. Klei­ne Unge­nau­ig­kei­ten im Noten­satz fal­len nicht groß ins Gewicht.
Ita­pa­ri­ca, der beschwing­te, tän­ze­risch gehal­te­ne Eröffnungs­titel, star­tet gleich mit einem kniff­li­gen, syn­ko­pier­ten Rhyth­mus in der ers­ten Gitar­re, im Ver­lauf geht es hoch in die fünf­te Lage. Die zwei­ten und drit­ten Stim­men blei­ben dage­gen in über­schau­ba­rem Schwie­rig­keits­grad in der ers­ten Lage.
Mika­do will mit Schwung gespielt wer­den und ist ziem­lich anspruchs­voll. Die ers­te Stim­me geht auch mal bis zum zwölf­ten Bund im Fla­geo­lett. Die Gitar­ris­ten müs­sen auch hier mit wachen Ohren musi­zie­ren und wirk­lich gut auf­ein­an­der ein­ge­spielt sein, denn wer nicht im ­Timing bleibt, bringt das gan­ze Ensem­ble schnell durch­ein­an­der. Mika­do ist sehr wir­kungs­voll und bringt bestimmt, auch durch per­kus­si­ve Effek­te und gro­ße dyna­mi­sche Detail­freu­de, viel Spiel­freu­de.
Den Abschluss der Samm­lung bil­det Wide – eine auf­ge­räum­te, ruhi­ge Kom­po­si­ti­on zum Träu­men über einer unkom­pli­zier­ten osti­na­ten Bass­fi­gur. Auch hier kön­nen noch nicht weit fort­ge­schrit­te­ne Spie­le­rIn­nen schö­ne Musik gestal­ten.
Die übri­gen drei Titel ste­hen den genann­ten in nichts nach. Mar­tin Mül­ler legt mit sei­nem Trio­heft eine schö­ne Samm­lung vor, die das Auf­ein­an­der-Hören trai­niert und die Nach­wuchs­mu­si­ke­rIn­nen mit inter­es­san­ten, manch­mal auch über­ra­schen­den Klän­gen bei Lau­ne hält. Fürs Publi­kum sind Mül­lers Kom­po­si­tio­nen abwechs­lungs­reich und unter­halt­sam anzu­hö­ren, sie eig­nen sich also auch bes­tens als Bei­trag im Musik­schul­kon­zert.
Uwe Sand­voß