Brand, Marc

Sie hat mir gezeigt, dass das Spie­len Spaß macht“

Im Modell „Uebe-Coaching“ sind Jugendliche ideale LernpartnerInnen von Kindern

Rubrik: Bericht
erschienen in: üben & musizieren 1/2011 , Seite 40

In der instru­men­tal­päd­ago­gi­schen Pra­xis zeigt sich häu­fig, dass Kin­der zuhau­se wenig spie­len und das Üben unbe­frie­di­gend aus­fällt. Die Kin­der ver­las­sen den Unter­richts­raum der Musik­schu­le viel­leicht hoch­mo­ti­viert, aber feh­len­de oder unge­eig­ne­te Übe­strukturen zuhau­se las­sen regel­mä­ßi­ges Spie­len nicht zu. Für ande­re Kin­der – nen­nen wir sie „sozia­le Lern­ty­pen“ – ist gemein­sa­mes Spie­len Vor­aus­set­zung für einen Lern­pro­zess; beim häus­li­chen Üben fehlt ihnen die mensch­li­che und musi­ka­li­sche Interak­tion. Schließ­lich schafft die Schnitt­stel­le Unterricht/häusliches Üben für eini­ge Kin­der Pro­ble­me, denn bei einer Unter­richts­dau­er von 25 bis 30 Minu­ten bei Anfän­ge­rIn­nen und etwa 15 bis 18 Unter­richts­stun­den pro Semes­ter bleibt der Lehr­kraft wenig Zeit, um Auf­ga­ben sach­ge­recht und für den Nach­voll­zug zuhau­se ange­mes­sen zu ver­mit­teln. Ein Kind äußer­te mir gegen­über: „Ich habe nicht so ger­ne geübt, vor allem, wenn ich ein neu­es Lied bekom­men habe und nicht recht gewusst habe, wie anfan­gen…“
Die­se Aus­sa­ge doku­men­tier­te ich wäh­rend eines For­schungs­pro­jekts der Hoch­schu­le Luzern – Musik. In den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren habe ich in die­sem Rah­men das poly­funk­tio­na­le Modell „Uebe-Coa­ching“ für spe­zi­fi­sche Lern­fel­der bei Kin­dern und Jugend­lichen ent­wi­ckelt, es in einem länd­li­chen Ort mit Zen­trums­funk­ti­on einem Pra­xis­test unter­zo­gen und die­sen wis­sen­schaft­lich aus­ge­wer­tet. Beim „Uebe-Coa­ching“ bege­ben sich jugend­li­che Schü­le­rIn­nen ein­mal pro Woche zu einem das glei­che Instru­ment erler­nen­den Kind nach Hau­se, um mit ihm zu spie­len und zu üben. Die Anzahl der „Lek­tio­nen“, die ein Kind durch die­ses Coa­ching zusätz­lich erhält, ver­dop­pelt den „Unter­richt“ auf 30 bis 36 Ein­hei­ten pro Semes­ter, das Kon­troll­in­ter­vall beim indi­vi­du­el­len Üben der Kin­der wird um die Hälf­te ver­kürzt (wobei aller­dings der ­Unter­schied von Leh­re­rIn und jugend­li­chem Coach zu beach­ten ist).

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 1/2011.