Göres, Achim

Sim­ply Blues Guitar

Bluesgitarre lernen in 12 Songs, mit MP3-CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: üben & musizieren 6/2015 , Seite 60

Obwohl der Blues bei jun­gen Gitar­ris­tIn­nen nicht mehr den­sel­ben Stel­len­wert genießt wie in den 1960er und 1970er Jah­ren, sind sei­ne typi­schen Solo­fi­gu­ren und har­mo­ni­schen Struk­tu­ren immer noch bes­tens geeig­net, um grund­le­gen­de Gitar­ren­tech­ni­ken und Song­ab­läu­fe zu ler­nen. Achim Göres erklärt anhand von 12 bekann­ten Blues­songs die wich­tigs­ten Bau­stei­ne die­ser Musik.
Posi­tiv zu bewer­ten ist die Song­aus­wahl. Alle zwölf Stü­cke sind Klas­si­ker des Gen­res, die man auf Ses­si­ons und in Blues­co­ver-Bands immer wie­der spielt. Mit dem Ler­nen von Songs wie Sweet Home Chi­ca­go, Pri­de & Joy und The Thrill Is Gone ver­bes­sert man nicht nur sei­ne Gitar­ren­tech­nik, son­dern erar­bei­tet sich gleich­zei­tig ein Reper­toire, das man im gitar­ris­ti­schen All­tag ein Leben lang ein­set­zen kann.
Statt kom­plet­te Tran­skrip­tio­nen von den Stu­dio­auf­nah­men zu lie­fern, unter­teilt Göres die Parts der Songs in leicht ver­ständ­li­che kur­ze Abschnit­te. So zeigt er z. B. ein­zeln die Riffs der Rhyth­mus­gi­tar­re, bevor er sie in einem kom­plet­ten Blues­sche­ma zusam­men­setzt. So ver­steht man, was hin­ter den ein­zel­nen Song­tei­len steckt, statt sie nur getreu der Nota­ti­on oder Tabu­la­tur nach­zu­spie­len. Hat man die Grund­idee des jewei­li­gen Blues­songs ver­stan­den, kom­men Intros, Turn­arounds und Solo­aus­schnit­te dazu, um die Basis­ver­si­on dem Ori­gi­nal anzunähern.
Göres erklärt immer wie­der, wel­che musi­ka­li­sche Idee oder Tech­nik den jewei­li­gen Licks zugrun­de liegt. Nach und nach ler­nen die Schü­le­rIn­nen so Ben­dings, Dou­ble Stops, Trio­len und Sli­de­gi­tar­re ken­nen. Auf der bei­lie­gen­den MP3-CD spielt Göres alle Song­tei­le ein­zeln in zwei Tem­pi vor. Anschlie­ßend gibt es den kom­plet­ten Song in zwei Ver­sio­nen: mit allen Parts und Gesang zum Mit­spie­len und als Track ohne Gitar­re. So kann man mit zwei Gitar­ren zum Play­back spie­len und schon in einer rea­lis­ti­schen Blues­band-Situa­ti­on Musik machen.
Göres setzt, was den Gitar­ren­ton und die Arran­ge­ments angeht, nicht auf abso­lu­te Authen­ti­zi­tät, son­dern spielt ver­ein­fach­te Ver­sio­nen der bekann­ten Klas­si­ker mit einem eher moder­nen Blues­ton. Das dürf­te den Blues­freak, der die Ori­gi­na­le exakt nach­spie­len möch­te, etwas ent­täu­schen, ist aber für die meis­ten Unter­richts­si­tua­tio­nen ein äußerst ver­nünf­ti­ger Ansatz. Blues ist kei­ne aus­no­tier­te Musik, die immer gleich repro­du­ziert wird, son­dern lebt von der stän­di­gen Varia­ti­on und Umspie­lung rela­tiv simp­ler Riffs und Song­tei­le. Hat man das gan­ze Buch durch­ge­ar­bei­tet, beherrscht man nicht nur diver­se Blues­klas­si­ker, son­dern dürf­te auch ein Ver­ständ­nis dafür ent­wi­ckelt haben, wie man das zwölf­tak­ti­ge Blues­sche­ma krea­tiv vari­ie­ren kann. Sim­ply Blues Gui­tar ist ein kon­zep­tio­nell gut durch­dach­tes Werk, das man mit oder ohne Lehr­kraft ein­set­zen kann.
Mar­tin Schmidt