Sturm, Martin

Sin­gen auf den ers­ten Blick – Chor

Mehrstimmig vom Blatt singen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: üben & musizieren 1/2016 , Seite 58

Den Ansprü­chen fort­ge­schrit­te­ner Sän­ge­rIn­nen gerecht zu wer­den und Anfän­ger gleich­zei­tig nicht zu über­for­dern, ist ein Balan­ce­akt. Mar­tin Sturm hat ihn gemeis­tert. Sein Band garan­tiert „mehr­stim­mi­ges vom Blatt sin­gen“ und holt sei­ne Lese­rIn­nen dort ab, wo sie gera­de ste­hen. In der vori­gen Aus­ga­be der Buch­rei­he, zu der Sin­gen auf den ers­ten Blick – Chor gehört, lag der Schwer­punkt auf ein­stim­mi­gem Noten­le­sen. Die­ses Heft mit grund­le­gen­den Kennt­nis­sen der Har­mo­nie­leh­re und mehr­stim­mi­gem Sin­gen baut dar­auf auf.
Um Über­for­de­rung zu ver­mei­den, steht alles unter dem Mot­to „Beschrän­kung auf das Mach­ba­re“. Grund­le­gen­des zum Lesen und Sin­gen der eige­nen Stim­me und zur Har­mo­nie­leh­re bil­det den Anfang. Kaden­zen, Inter­val­le und Kir­chen­ton­ar­ten fol­gen spä­ter. Kapi­tel für Kapi­tel stei­gern sich so die Anfor­de­run­gen. Mach­ba­res wei­tet sich aus auf Brauch­ba­res. Manch­mal geht das für Har­mo­nie­leh­re-Lai­en dann aber doch einen Tick zu schnell. Spä­tes­tens ab Kapi­tel acht kann es näm­lich kniff­lig wer­den. Wenn Begrif­fe wie Sol­mi­sa­ti­on, enge und wei­te Lage und Funk­tio­nen fal­len und teil­wei­se nicht erklärt wer­den, ist das etwas zu viel Stoff für nur eine Übungs­sei­te.
Zum Glück wird man auf jede wei­te­re Schwie­rig­keits­stu­fe vor­be­rei­tet. Die Zie­le des Kapi­tels und die Vor­aus­set­zun­gen zum Errei­chen der­sel­ben sind zu Beginn jedes Abschnitts ange­ge­ben. So kön­nen erfah­re­ne­re Sän­ge­rIn­nen auch leicht zu dem Punkt sprin­gen, an dem sie sich momen­tan befin­den. Damit wird auch ihnen genü­gend theo­re­ti­sches Hin­ter­grund­wis­sen gege­ben, das sie auf die Pra­xis anwen­den kön­nen.
Nach jeder theo­re­ti­schen Erklä­rung fol­gen prak­ti­sche Stü­cke, an denen die Theo­rie erprobt und ver­in­ner­licht wer­den kann. Hör- und Ton­ge­dächt­nis­übun­gen trai­nie­ren vor allem die Konzent­ration auf das Wahr­neh­men und Erken­nen der eige­nen Stim­me im Gesamt­klang des Chors. Dane­ben gehö­ren Tipps, zusätz­li­che Har­mo­nie­leh­re-Hil­fe­stel­lun­gen und anschau­li­che Tabel­len und Gra­fi­ken zu jedem Kapi­tel. Ein Auf­bau, der prak­ti­sche Anwen­dun­gen för­dert und wegen sei­ner Über­sicht­lich­keit leicht zugäng­lich ist.
Die Über­sicht­lich­keit die­ser Aus­ga­be sticht beson­ders posi­tiv her­vor. Wenn The­men immer kom­ple­xer wer­den und auf vie­len ver­schie­de­nen Ebe­nen ver­stan­den wer­den müs­sen, ist eine Ord­nung der ein­zel­nen Ebe­nen extrem wich­tig. Ver­schie­de­ne Schrift­ar­ten, Sym­bo­le und Zwi­schen­über­schrif­ten gewähr­leis­tet dies. Ein­zel­ne Abschnit­te wer­den dadurch klar abge­grenzt und was gebraucht wird, ist schnell gefun­den.
Sin­gen auf den ers­ten Blick – Chor hält, was es ver­spricht. Anfän­ge­rIn­nen wie Fort­ge­schrit­te­ne kön­nen hier­mit ein noch bes­se­res Vom-Blatt-Sin­gen errei­chen und ler­nen, bewuss­ter auf den Zusam­men­klang des Chors zu hören.
Laurena Frey