Steiner, Johannes

Sin­ging on the Fly

Vokale Klangexperimente für Chöre und Ensembles

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2019
erschienen in: üben & musizieren 1/2021 , Seite 61

Ein Chor, der impro­vi­siert? Unmög­lich, denkt viel­leicht manch einer. Doch mit etwas Übung – oder wohl eher mit viel Übung – ist es tat­säch­lich mög­lich, auch als Ensem­ble Musik im Augen­blick zu erfin­den. So sieht es Johan­nes Stei­ner, der mit dem vor­lie­gen­den Heft zahl­rei­che Anre­gun­gen zum Impro­vi­sie­ren gibt. Laut Stei­ner ist das spon­ta­ne Musi­zie­ren, das „Sin­ging on the fly“, eine grund­le­gend mensch­liche Fähig­keit, „die wie­der­ent­deckt und trai­niert wer­den kann“ und auch mit Chö­ren mög­lich ist.
Johan­nes Stei­ner arbei­tet als Musik­päd­ago­ge im Bereich Didak­tik für Ensem­ble- und Grup­pen­mu­si­zie­ren sowie Impro­vi­sa­ti­on mit Grup­pen am Mozar­te­um Inns­bruck. In sei­nem Heft stellt er zahl­rei­che kon­kre­te Anre­gun­gen zum spon­ta­nen Musi­zie­ren vor. Nach Aus­füh­run­gen über Grund­ele­men­te der Vokal­im­pro­vi­sa­ti­on fol­gen die Kapi­tel Impro­vi­sa­ti­ons­kon­zep­te, Spie­le und Spon­ta­ni­cals. Die Stü­cke sind zur Auf­lo­cke­rung der Pro­ben­ar­beit und als Kon­zert­stü­cke geeig­net.
Zu den Impro­vi­sa­ti­ons­kon­zep­ten gehö­ren bei­spiels­wei­se soge­nann­ten Fake Songs. Die­se bestehen aus einer acht­tak­ti­gen Melo­die, deren ers­te und drit­te Phra­se iden­tisch ist, die zwei­te auf einer ande­ren Ton­art endet und deren vier­te Phra­se vari­iert wird. Und zwar geschieht dies so, dass die Grup­pen­mit­glie­der kol­lek­tiv im Schutz der Grup­pe eine neue vier­te Phra­se erfin­den und sich dann auf eine Melo­die eini­gen. Zuge­ge­ben, das klingt nach einer Her­aus­for­de­rung –aber auch äußerst span­nend und durch­aus mach­bar.
Inter­es­sant sind auch die soge­nann­ten Spon­ta­ni­cals. Die­se beinhal­ten Impro­vi­sa­ti­ons­kon­zep­te und wer­den durch sze­ni­sche Ele­men­te erwei­tert. Hier wird also sze­ni­sche Gestal­tung mit musi­ka­li­scher Impro­vi­sa­ti­on ver­bun­den. Beson­ders schön sind die humo­ri­gen Ele­men­te sowie der rote Faden, der die­se Stü­cke durch­zieht. So ver­tont bei­spiels­wei­se das Spon­ta­ni­cal „Plau­der­fla­sche“ Wit­ze und greift Klän­ge aus der Fuß­gän­ger­zo­ne auf.
Stei­ners zahl­rei­che kon­kre­te Tipps und Hil­fe­stel­lun­gen sind für jeden, der Impro­vi­sa­ti­on mit Grup­pen aus­pro­bie­ren und trai­nie­ren möch­te, von gro­ßem Wert. Eini­ge Spiel- und Impro­vi­sa­ti­ons­an­wei­sun­gen sind durch­aus kom­plex; hat man sich aber ein­mal ein­ge­le­sen, ist eine Umset­zung sicher sehr reiz­voll. Ins­ge­samt ein tol­les Heft mit Sel­ten­heits­wert.
Patri­cia Tafel