Sanderson, Caroline

Someo­ne like… Ade­le

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Bosworth, Berlin 2012
erschienen in: üben & musizieren 2/2013 , Seite 56

Die Berüh­rungs­punk­te im Musik­geschmack von Erwach­se­nen (Lehr­kräf­ten) und Kin­dern und Ju­gendlichen (Schü­le­rIn­nen) sind – jen­seits des zu unter­rich­ten­den Reper­toires der klas­si­schen Musik – meist nicht sehr zahl­reich. Dar­an hat auch die Tat­sa­che, dass die heu­te im Erwerbs­le­ben ste­hen­den Erwach­se­nen bereits selbst mit Rock- und Pop­mu­sik auf­ge­wach­sen sind, nichts ge­ändert.
Ganz anders im Fal­le von Ade­le. Nicht nur, dass die Ver­kaufs­zah­len ihrer bis­lang zwei ver­öf­fent­lich­ten Alben – mit den schlich­ten Titeln 19 und 21 – alle Rekor­de spren­gen, ihre Musik erreicht auch ein Publi­kum aller Alters­grup­pen. Dies erscheint umso beein­dru­cken­der, als sich Ade­le (mit vol­lem Namen Ade­le Lau­rie Blue Adkins) in ihrem Auf­tre­ten und ihrer Erschei­nung von all dem unter­schei­det, was gemein­hin als Erfolgs­re­zept für den Weg zum Star gilt: Ade­le steht selbst­be­wusst zu ihrer von Model­maßen weit ent­fern­ten üppi­gen Figur, macht kei­nen Hehl dar­aus, dass sie sich außer­halb ihrer Hei­mat­stadt Lon­don eher unwohl fühlt, lässt auch auf der Büh­ne ger­ne ihr leicht dre­ckig gackern­des Lachen hören, wäh­rend sie aus einer Tas­se mit Dackel­mo­tiv trinkt, und lei­det noch heu­te vor jedem Auf­tritt unter star­kem Lam­pen­fie­ber. Doch mit dem ers­ten Ton ihrer Stim­me ist all das ver­ges­sen und Ade­le ent­führt ihr Publi­kum mit ihren zutiefst authen­ti­schen Songs von (meist ver­lo­re­ner) Lie­be in eine ande­re Welt.
In ihrer Bio­gra­fie bringt uns die Jour­na­lis­tin Caro­li­ne San­der­son das Leben der heu­te 24-jäh­ri­gen Ade­le anschau­lich nahe. San­der­son gewährt einen detail­lier­ten Blick in die Mecha­nis­men des Musik­busi­ness und erläu­tert nach­voll­zieh­bar, dass zu einer Welt­kar­rie­re nicht nur eine her­aus­ra­gen­de Stim­me, son­dern auch ein ent­schlos­se­nes Team und eine Por­ti­on Glück gehö­ren.
Ent­deckt wur­de Ade­le eher zufäl­lig durch zwei hoch­ge­la­de­ne Songs auf Mys­pace, den ent­schei­den­den Kick für ihre Kar­rie­re in den USA erfuhr sie durch einen Auf­tritt in genau der Talk­show, in der kurz vor der US-Prä­si­den­ten­wahl 2008 auch Sarah Palin, die umstrit­te­ne Kan­di­da­tin der Repu­bli­ka­ner für den Pos­ten der Vize­prä­si­den­tin, mit einer ihrer Kri­ti­ke­rin­nen zusam­men­traf, sodass 15 Mil­lio­nen Zuschau­er die Sen­dung ver­folg­ten. Doch Ade­le war nicht nur zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort, son­dern ver­folg­te ihre Kar­rie­re auch mit uner­müd­li­chem Fleiß und einer Viel­zahl an Kon­zer­ten und TV-Auf­­­trit­ten, die letzt­lich zum kör­per­li­chen Zusam­men­bruch führ­ten.
Dies und vie­les mehr erzählt San­der­son mit einer Aus­führ­lich­keit, die ob ihres Detail­reich­tums und der zahl­rei­chen Red­un­dan­zen des Öfte­ren zur Ermü­dung beim Lesen führt. Sehr inter­es­sant sind die Kom­men­ta­re und Hin­ter­grün­de zu jedem ein­zel­nen Song der bis­lang zwei Alben sowie die ein­ge­scho­be­nen Inter­mez­zi zu Fra­gen nach Pro­mi­nenz oder dem (oft frag­wür­di­gen) Umgang der Medi­en mit Ade­les Kör­per. Die Bio­gra­fie endet im Febru­ar 2012, neu­es­te Ent­wick­lun­gen wie Ade­les Mut­ter­schaft konn­ten noch kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den.
Rüdi­ger Beh­schnitt