Bach, Johann Christian

Sona­ta D‑Dur

für Violine und Basso continuo

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Walhall, Magdeburg 2009
erschienen in: üben & musizieren 3/2010 , Seite 63

Johann Chris­ti­an Bachs Violin­sonate D‑Dur galt lan­ge Zeit als unecht. Erst Tobi­as Schwin­ger konn­te 2006 nach­wei­sen, dass das in der Samm­lung Thulem­ei­er auf­be­wahr­te Werk ein Auto­graf von Johann Chris­ti­an Bach ist, das er wäh­rend sei­nes Ita­li­en-Auf­ent­halts (1755–1762) kom­po­nier­te. Die Sona­te ist eine „Solo-Sona­te“ für ein Melo­diein­stru­ment und Bas­so con­ti­nuo. Sie besteht aus einem hei­te­ren Al­legretto, einem reich ver­zier­ten Andan­te und einem Menu­et­to, in dem auch der Bass eine wich­ti­ge­re Rol­le erhält und in dem der Tanz­rhyth­mus prä­gnant hervortritt.
Die­se Vio­lin­so­na­te stellt kei­ne hohen Anfor­de­run­gen im Lagen­spiel. Aber sie ver­langt eine sehr aus­ge­feil­te Arti­ku­la­ti­on und eine fle­xi­ble Bogen­tech­nik. Ver­schie­dens­te Ver­zie­run­gen müs­sen in die Melo­die sinn­voll ein­ge­baut wer­den. Im lang­sa­men Satz und Menu­ett for­dern die aus­ge­schrie­be­nen Ver­zie­run­gen nach einer über­zeu­gen­den Artikula­tion und Ein­bin­dung in den Cha­rak­ter und Rhyth­mus. Die Sona­te ist im emp­find­sa­men Stil geschrie­ben. Von Motiv zu Motiv wech­selt der Aus­druck, kom­men ande­re Schat­tie­run­gen des Klangs und der Melo­die zu Gehör. Das schärft die Auf­merk­sam­keit der Höre­rIn­nen und ver­langt nach einem sehr wachen Spiel, das schnell auf ver­schie­dens­te Aus­drucks­nu­an­cen reagiert.
Die Bass­stim­me kann einer­seits durch ein Cem­ba­lo, ande­rer­seits durch ein Vio­lon­cel­lo aus­ge­führt wer­den. Sie ist nicht mit Zif­fern ver­se­hen. Dem Spie­ler bleibt also selbst über­las­sen, wie er sie ausführt.
Rein­hard Goe­bel gibt die­se Sona­te als Urtext­aus­ga­be her­aus. Dem Heft lie­gen eine Par­ti­tur, also Vio­lin- und Bass­stim­me, eine Urtext­stim­me des Vio­lin­parts und eine sehr zurück­hal­tend vom Her­aus­ge­ber bezeich­ne­te Stim­me und eine Bass­stim­me für das Vio­lon­cel­lo bei. In sei­nen Aus­zeich­nun­gen schlägt Goe­bel in der Haupt­sa­che vor, wel­che Dyna­mik und ob Auf- der Abstrich gewählt wer­den soll. Im Andan­te wird eine orna­men­tier­te und nicht orna­men­tier­te Fas­sung abgedruckt.
Die Aus­füh­ren­den erhal­ten so das Noten­ma­te­ri­al zur Hand, wie es im Auto­graf über­lie­fert ist, Feh­ler sind ver­bes­sert, Ver­zie­run­gen, auch schlecht les­ba­re, wer­den ange­ge­ben. Das ist vor­bild­lich gemacht. Das Druck­bild wirkt gut les­bar und übersichtlich.
Das Ein­zi­ge, was kri­ti­siert wer­den kann, ist Goe­bels Vor­wort. Es ist sehr wis­sen­schaft­lich geschrie­ben. Man muss es ziem­lich genau lesen, um dahin­ter zu kom­men, was gemeint ist. Da es scha­de wäre, wenn nur pro­fes­sio­nel­le Alte-Musik-Spe­zia­lis­ten die­se Noten ver­wen­den wür­den, es viel­mehr wün­schens­wert wäre, dass die­ses Werk auch von Musik­lieb­ha­be­rIn­nen auf­ge­führt wird, wür­de man sich eine ver­ständ­li­che­re und kla­re­re Dar­stel­lung und mehr Hin­wei­se erwar­ten, wie die­se Sona­te auf­zu­füh­ren ist – ins­be­son­de­re von einem so her­vor­ra­gen­den Gei­ger wie Rein­hard Goebel.
Franz­pe­ter Messmer