Bormann, Stephan

Sounds of the World

12 Guitar Duets, mit Online-Material

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2021
erschienen in: üben & musizieren 1/2022 , Seite 63

Quer durch die Welt führt uns Ste­phan Bor­mann mit einer Samm­lung von Gitar­ren­du­et­ten, die Ele­men­te aus israe­li­scher, afri­ka­ni­scher, iri­scher, süd­in­di­scher oder bra­si­lia­ni­scher Folk­lo­re mit Fin­gerstyle und Jazz ver­bin­den. Es sind zehn Duet­te, jeweils in einer ein­fa­chen und einer fort­ge­schrit­te­nen Fas­sung. Da beson­ders die Rhyth­mik immer sehr anspruchs­voll ist, bewe­gen sich die soge­nann­ten ein­fa­chen Duet­te in der unte­ren Mit­tel­stu­fe, wäh­rend die fort­ge­schrit­te­nen bis in die Ober­stu­fe rei­chen und auch Frei­raum für Impro­vi­sa­ti­on auf­wei­sen. Die obe­re Stim­me ist immer die Melo­die, stel­len­wei­se akkor­disch ergänzt, die unte­re beglei­tet. Als Bonus bie­tet die Samm­lung zwei Kom­po­si­tio­nen, die dem Reper­toire von Bor­manns Duo­pro­gramm ent­stam­men und eben­falls in die Ober­stu­fe gehören.
Bor­mann ist Pro­fes­sor für Jazz/ Rock/­Pop-Gitar­re an der Musik­hoch­schu­le Dres­den. Die meis­ten Stü­cke sind mit diver­sen Schlag­tech­ni­ken für die rech­te oder lin­ke Hand, den Dau­men oder den Hand­bal­len auf die Sai­ten oder den Kor­pus ange­rei­chert, was die Rhyth­mik zusätz­lich betont. Hin­zu kom­men Klang­far­ben wie Fla­geo­lett, Piz­zi­ca­to, Sna­re Drum-Klang durch über­kreuz­te Sai­ten und Her­un­ter­stim­men der 6. Sai­te auf D oder C.
Tihai basiert auf einem Raga, der Rhyth­mus der Beglei­tung ent­stammt der süd­in­di­schen kar­na­ti­schen Musik. Für die ein­fa­che Fas­sung hat Bor­mann bei der Auf­nah­me die Sai­ten mit Ther­mo­pa­pier prä­pa­riert, um den Klang einer Sitar nach­zu­ah­men. In Taiko imi­tiert die Begleit­gi­tar­re mit abge­dämpf­ten Sai­ten und Schlä­gen auf Zar­ge und Decke den Klang einer japa­ni­schen Röhrentrommel.
Die Noten­aus­ga­be besteht aus der Par­ti­tur ohne Fin­ger­sät­ze, ergänzt um Akkord­sym­bo­lik. In der ein­fa­chen Fas­sung soll­te man mit Wech­seln wie Emadd9 – Gmaj7 – F#m11 – B7 umge­hen kön­nen, in der fort­ge­schrit­te­nen Fas­sung sieht es ent­spre­chend kom­ple­xer aus. Als PDF her­un­ter­la­den kann man sich mit dem im Heft ange­ge­be­nen Code die Stim­me 1 samt Tabu­la­tur, Stim­me 2 samt Tabu­la­tur sowie zu jedem Stück drei Audio­da­tei­en: ein­mal die Kom­plett­auf­nah­me und ein­mal bei­de Stim­men ein­zeln. Ein­ge­spielt wur­den die Stü­cke mit Nylon- und mit Steel­st­ring-Gitar­ren, pas­send jeweils zur Komposition.
Alles ist sehr über­sicht­lich gestal­tet mit detail­lier­ten Quer­ver­wei­sen auf die Ein­zel­stim­men und die Audio­files, sodass kei­ne Irri­ta­tio­nen auf­tau­chen, was wohin gehört. Die­ses opu­len­te Paket hat bei sehr guter Druck­qua­li­tät einen mode­ra­ten Preis, ist ab der Mit­tel­stu­fe viel­sei­tig ein­setz­bar und sehr zu emp­feh­len. Und auch für den, der nur die Noten mit­le­sen oder ein­fach nur die Musik hören will: Die Audio­files klin­gen rich­tig groo­vig, sind per­fekt gespielt und haben eine 1A-Klangqualität.
Jörg Jewanski