Kitschen, Clemens Maria

Spiel mir das Lied vom Blatt

Kinderleichte Klavierstücke für Tasten-Kids, Band 1, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Helbling, Innsbruck 2017
erschienen in: üben & musizieren 4/2017 , Seite 53

Der Titel führt auf eine fal­sche Fähr­te. Erwar­tet man ent­spre­chend der ange­leg­ten Asso­zia­tio­nen eine Fül­le von Lied­sät­zen oder Musik von Ennio Mor­rico­ne, so wird man über­rascht: 27 Stü­cke des Ban­des stam­men aus der Feder von Cle­mens Maria Kit­schen, dane­ben fin­den sich zwei Kin­der­lie­der und vier bewähr­te Kom­po­si­tio­nen von Béla Bar­tók.
Kit­schen hat sich der Auf­ga­be ange­nom­men, mit Kin­dern das schnel­le Erfas­sen und direk­te Begrei­fen eines Noten­tex­tes sinn­voll, ziel­füh­rend und moti­vie­rend zu trai­nie­ren. So hat er eine Kon­zep­ti­on ent­wor­fen, die der Idee folgt, das gemein­hin übli­che Übe-Prin­zip „rechts – links – zusam­men“ zur Grund­la­ge des kom­po­si­to­ri­schen Plans der vier- oder acht­tak­ti­gen Ein­hei­ten (im Sin­ne von Loops zur Wie­der­ho­lung gedacht) zu machen.
Das läuft im Gro­ßen und Gan­zen fol­gen­der­ma­ßen ab: eine Hand beginnt allein mit einem takt­fül­len­den Motiv (1. Takt), die ande­re Hand folgt mit einem takt­fül­len­den Motiv (2. Takt), dann erklin­gen bei­de Moti­ve gleich­zei­tig (3. Takt), Abschluss­klang (4. Takt). Im vor­lie­gen­den ers­ten Band die­ser auf drei Bän­de ange­leg­ten Rei­he ist der zu grei­fen­de Ton­um­fang in jeder Hand auf den Fünf­ton­raum beschränkt. Zur För­de­rung einer schnel­len Fass­lich­keit sind die­se Moti­ve sehr schlicht und oft auf die ­Töne des ent­spre­chen­den Drei­klangs redu­ziert, was natür­lich einer all­mäh­li­chen Pro­gres­si­on des Schwie­rig­keits­gra­des geschul­det ist. Ent­spre­chend der sche­ma­ti­schen Anla­ge die­ser Loops ist das klang­li­che Ergeb­nis har­mo­nisch sta­tisch und melo­disch uner­gie­big.
Hier greift der zwei­te metho­di­sche Ansatz­punkt des Her­aus­ge­bers: die Kom­bi­na­ti­on von Pri­ma­vis­ta- und Zusam­men­spiel. Cle­mens Maria Kit­schen for­mu­liert die Kla­vier­sät­ze bewusst als Beglei­tung zu Melo­di­en, die optio­nal hin­zu­kom­men kön­nen: als drit­te Stim­me auf dem Kla­vier vom Leh­ren­den gespielt, in kam­mer­mu­si­ka­li­scher Beset­zung mit ande­ren Instru­men­ta­lis­tIn­nen (Noten­da­tei­en zum Aus­dru­cken auf bei­lie­gen­der CD) oder auch durch Ein­satz der CD, auf der die Melo­di­en als Play-alongs von ver­schie­de­nen Instru­men­ten ein­gespielt sind.
Das Zusam­men­spiel ergibt nicht nur ein reiz­vol­le­res Klang­bild, son­dern schult das Vom-Blatt-Spiel in äußerst moti­vie­ren­der Form. Auf die­se Wei­se sind 24 der 27 Stü­cke von Kit­schen als Duet­te ange­legt. In sechs Grup­pen zu jeweils vier Duet­ten sor­tiert wer­den ihnen in rhyth­mi­sier­ter Abfol­ge die bei­den Lied­sät­ze und drei Solo­stück­chen von Kit­schen sowie die päd­ago­gisch her­vor­ra­gen­den Kom­po­si­tio­nen von Bar­tók gegen­über­ge­stellt.
The­ma­tisch die Erleb­nis­welt von Kin­dern auf­grei­fend, sind die Titel und die Bebil­de­rung der Stü­cke sehr fan­ta­sie­för­dernd, dar­über hin­aus bie­ten ein­ge­blen­de­te metho­disch-didak­ti­sche Anre­gun­gen eine Fül­le von Anknüp­fungs­punk­ten für den Unter­richt.
Maria Zeid­ler-Kröll