Bossen, Anja / Birgit Jank (Hg.)

Spra­che im ­Musik­un­ter­richt

Ausgewählte Aspekte sprach­bewussten Handelns im Kontext von Inklusion

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Universitätsverlag Potsdam, 2017
erschienen in: üben & musizieren 4/2018 , Seite 53

Das Nach­den­ken über Spra­che und Musik sowie über die Spra­che, mit der über Musik gere­det wird, hat eine lan­ge Tra­di­ti­on und erfreut sich auch im aktu­el­len musik­päd­ago­gi­schen Dis­kurs einer zuneh­men­den The­ma­ti­sie­rung. Gera­de im Zuge von Inklu­si­on und der Anfor­de­rung von Sprach­bil­dung in jedem Fach gewinnt die­ses The­ma immer mehr an Bedeu­tung.
Als Teil die­ser Dis­kus­si­on und als ers­ter von drei Bän­den zum Pots­damer Schwer­punkt „Musik­ar­beit im Kon­text von Inklu­si­on, Inte­gra­ti­on und Par­ti­zi­pa­ti­on“ ver­steht sich der Sam­mel­band Spra­che im Musik­un­ter­richt von Anja Bos­sen und Bir­git Jank, der vor­ran­gig als Stu­di­en­ma­te­ri­al für Lehr­amts­stu­die­ren­de kon­zi­piert ist. Aus­ge­hend von ein­lei­ten­den Gedan­ken mit poten­zi­el­len For­schungs­schwer­punk­ten leis­tet Anja Bos­sen eine sys­te­ma­ti­sche Dar­stel­lung aktu­ell rele­van­ter musik­päd­ago­gi­scher For­schung der ver­gan­ge­nen Jah­re in Bezug auf die Kon­zep­tio­nie­rung eines sprach­sen­si­blen Musik­un­ter­richts, der einen Über­blick über den fach­li­chen Dis­kurs bie­tet und zugleich als Rah­mung der dar­auf­fol­gen­den Bei­trä­ge ver­stan­den wer­den kann. Auf­ge­zeig­te For­schungs­de­si­de­ra­te for­dern Wis­sen­schaft­le­rIn­nen zu wei­te­ren For­schungs­pro­jek­ten auf und regen gleich­wohl Leh­re­rIn­nen sowie Stu­die­ren­de zum Nach­den­ken über Schu­le, den eige­nen Unter­richt und das eige­ne Unter­richts­han­deln an.
Im Anschluss wer­den drei For­schungs­pro­jek­te vor­ge­stellt, die sich dem The­ma Spra­che im Musik­un­ter­richt jeweils aus einer ganz ande­ren Per­spek­ti­ve nähern. Georg Bieg­holdt dis­ku­tiert die Begrif­fe All­tags­spra­che, Bil­dungs­spra­che und Fach­spra­che und knüpft schließ­lich an der inter­es­san­ten Idee einer Unter­richts- bzw. Lern­grup­pen­spra­che an, die er in Bezug auf den Musik­un­ter­richt aus­führt und wei­ter­ent­wi­ckelt. Chris­tin Tel­lisch stellt hin­ge­gen an aus­ge­wähl­ten Fall­bei­spie­len sowie vor allem mit­hil­fe sta­tis­ti­scher Visua­li­sie­run­gen eini­ge teils scho­ckie­ren­de Ergeb­nis­se ihres For­schungs­pro­jekts zum Sprach­han­deln von Musik­leh­re­rIn­nen vor, die in ers­ter Linie zu Beob­ach­tun­gen und Refle­xio­nen eige­nen unterricht­lichen Sprach­han­delns in Bezug auf Aner­ken­nung und Ver­let­zung ein­la­den. Aus einer wei­te­ren Per­spektive ent­wi­ckelt schließ­lich Bri­git­te Stein­mann theo­re­tisch und mit­hil­fe von kur­zen Bei­spie­len Poten­zia­le der Sprach­er­werbs­för­de­rung durch Rhyth­mik bei Anders­hö­rig­keit oder Fremd­spra­chig­keit.
Die­ser Sam­mel­band bie­tet auf­grund der aus­führ­li­chen Dar­stel­lung des For­schungs­stands einen guten Ein­stieg in das The­men­feld. Die drei vor­ge­stell­ten For­schungs­pro­jek­te ent­wi­ckeln dazu wich­ti­ge Gedan­ken und Ide­en. Die gewähl­ten Aspek­te sprach­bewussten Han­delns wer­den in unter­schied­li­chem Maße expli­zit im Kon­text von Inklu­si­on the­ma­ti­siert. Sie unter­strei­chen jedoch die Rele­vanz wei­te­rer musik­pädagogischer For­schung sowie mu­sikpädagogischen Nach­den­kens.
Sebas­ti­an Herbst