Bruns, Jan Rainer

Sprech­Chö­re

14 Laut- und Sprech­kompositionen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Kunterbund edition/Schott, Mainz 2021
erschienen in: üben & musizieren 5/2022 , Seite 61

Um es vor­weg­zu­neh­men: Die­se Samm­lung von „14 Laut- und Sprech-Kom­po­si­tio­nen“ ist eine tol­le Berei­che­rung für die Arbeit mit Chö­ren, Ensem­bles und Klas­sen. Jan Rai­ner Bruns, der an Ham­bur­ger Gym­na­si­en Musik unter­rich­te­te, sieht Sprech­chö­re als Chan­ce für eine expe­ri­men­tier­freu­di­ge Unter­richts­pra­xis, in der Ler­nen­de sen­si­bi­li­siert wer­den für Spra­che, Sprech­stim­me und Pho­ne­tik. Die hier abge­druck­ten Arran­ge­ments sind dafür her­vor­ra­gend geeig­net. Der Kom­po­nist und Autor ver­packt wit­zi­ge oder auch zum Nach­den­ken anre­gen­de Tex­te in teils anspruchs­vol­le und somit lehr­rei­che Rhyth­men. Zu jedem Arran­ge­ment lie­fert er zudem hilf­rei­che Anmerkungen.
Jan Rai­ner Bruns ver­tont Tex­te von ihm selbst oder von Autoren wie Wil­helm Busch oder Erich Käs­t­ner; es wird gerappt, geflüs­tert oder laut­ge­malt. Toll sind die Sprech­kom­po­si­tio­nen, in denen es humor­voll oder iro­nisch zugeht. Der Ver­le­gen­heits- und Füll­wort-Chor bei­spiels­wei­se mit rhyth­mi­sier­ten Text­zei­len wie „boo, ey… ich schwör!“ – „sch weiß nich, kein Plan“ dürf­te Sän­ge­rIn­nen wie Zuhö­re­rIn­nen erhei­tern. Und auch das Arran­ge­ment von Erich Käs­t­ners Klei­ne Stadt am Sonn­tag­mor­gen ist mit sei­nem ein­gän­gi­gen Tenor-Bass-Osti­na­to und den har­mo­nisch reiz­vol­len Ober­stim­men groß­ar­tig gelungen.
Auch schön, weil außer­ge­wöhn­lich, ist die lip­pen­laut­lo­se Suite Klei­ner Zun­gen­zir­kus für zwei Chor­grup­pen und acht oder mehr Solo­stim­men. Die Sän­ge­rIn­nen bzw. Spre­che­rIn­nen bekom­men hier qua­si ganz neben­bei einen Bauchredner-Kurs.
Ganz groß­ar­tig sind die Stü­cke, in denen aktu­el­le The­men behan­delt wer­den. In beson­de­rer Wei­se ist hier das text­lich und rhyth­misch gran­dio­se Arran­ge­ment Deut­sches Sprech­ver­mö­gen her­vor­zu­he­ben. Bruns ver­eint hier die Ver­to­nung von soge­nann­ten Unwor­ten wie „Kli­ma­hys­te­rie“ oder „Coro­na­dik­ta­tur“ mit solis­tisch vor­ge­tra­ge­nen Infor­ma­tio­nen. In sehr ange­neh­mer Wei­se und ohne erho­be­nen Zei­ge­fin­ger durch Anwei­sun­gen wie „sach­lich“ oder „sehr ruhig“ for­dert er zur Sen­si­bi­li­sie­rung für Spra­che auf. Rhyth­misch abwechs­lungs­reich, aber den­noch nicht zu kom­plex stei­gert sich der vier­stim­mi­ge Sprech­chor bis zum ful­mi­nan­ten, nach­klin­gen­den Finale.
Ins­ge­samt ein wun­der­ba­rer Fun­dus an zeit­ge­mä­ßen und kurz­wei­li­gen Sprech­stü­cken, der sich wun­der­bar für die Arbeit mit Chö­ren oder Schul­klas­sen eignet.
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