Mumelter, Martin

Stan­dard­fra­gen im Violinunterricht

Ein Handbuch für Didaktik und Methodik

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Nepomuk, Basel 2009
erschienen in: üben & musizieren 1/2010 , Seite 58

Ein Grund­an­lie­gen aller päd­ago­gisch ambi­tio­nier­ten Instru­men­ta­lis­ten ist die Fra­ge der Ver­mit­tel­bar­keit instru­men­ta­len Spiel­ver­mö­gens. Bereits im 17. und 18. Jahr­hun­dert haben sich füh­ren­de Leh­rer und Musi­ker wie bei­spiels­wei­se Leo­pold Mozart und Giu­sep­pe Tar­ti­ni mit die­ser Pro­ble­ma­tik sys­te­ma­tisch aus­ein­an­der­ge­setzt. Unser Jahr­hun­dert hat eine Fül­le von bedeu­ten­den päd­ago­gi­schen Ana­ly­sen mit dem Ziel her­vor­ge­bracht, jun­gen Gei­ge­rIn­nen den Weg zu gut aus­ge­bil­de­ten und erfolg­rei­chen Musi­ke­rIn­nen zu ebnen. Spon­tan stellt sich daher die Fra­ge nach dem Neu­ig­keits­wert eines wei­te­ren Werks.
Stan­dard­fra­gen zum Vio­lin­un­ter­richt hat in sei­ner prä­zi­sen und über­schau­ba­ren Glie­de­rung das For­mat zu einem fach­di­dak­ti­schen Stan­dard­werk. Mar­tin Mumel­ter, erfolg­rei­cher Gei­ger, Pro­fes­sor für Vio­li­ne und Fachdidaktik/Methodik am Salz­bur­ger Mozar­te­um, setzt sich in viel­schich­ti­ger Per­spek­ti­ve mit nahe­zu allen The­men und Kon­flikt­fel­dern des Vio­lin­un­ter­richts aus­ein­an­der. Wie er in sei­nem Vor­wort plau­si­bel dar­legt, will er bei sei­nen Ant­wor­ten auf „beson­ders häu­fig gestell­te Fra­gen“ nicht Schieds­rich­ter zwi­schen vor­han­de­nen gegen­sätz­li­chen Posi­tio­nen sein, son­dern ord­net die Ant­wor­ten in einem fik­ti­ven Fra­ge-Ant­wort-Dia­log in einen grö­ße­ren Zusam­men­hang eint.
Ein Bei­spiel ist der Umgang mit dem Pro­blem der Ver­wen­dung der Schul­ter­stüt­ze, um die in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren Genera­tio­nen von Lehr­kräf­ten und Musi­ke­rIn­nen wah­re Glau­bens­krie­ge geführt haben. Aus­ge­hend von dem Grund­satz, die Gei­gen­hal­tung als nicht sta­ti­sche, son­dern zwi­schen Ideal­polen pen­deln­de und sich ver­än­dern­de Posi­ti­on in Abhän­gig­keit von indi­vi­du­el­ler Ana­to­mie und psy­cho­lo­gi­scher Dis­po­si­ti­on zu beschrei­ben, emp­fiehlt Mumel­ter die­se Fra­ge auch indi­vi­du­ell zu lösen. Kin­der, die nicht von Anfang an offen­sicht­lich für das Spiel ohne Stüt­ze prä­de­sti­niert sind, sol­len alle Ele­men­te bei­der Tech­ni­ken erfah­ren, um so spä­ter eine der jewei­li­gen Dis­po­si­ti­on gerech­te Lösung zu finden.
In ähn­li­cher Wei­se nähert sich Mar­tin Mumel­ter allen grund­le­gen­den Fra­gen des hoch­kom­ple­xen The­mas. Dabei wen­det er sich spiel­tech­ni­schen Fra­gen wie Tech­ni­ken der lin­ken Hand und des rech­ten Arms bzw. der rech­ten Hand eben­so zu wie Fra­gen der künst­le­ri­schen Gestal­tung und der Sys­te­ma­tik des Werk- und Etü­den­stu­di­ums. Von beson­de­rer Bedeu­tung sind die bei­den letz­ten Kapi­tel, in denen sich der Autor mit den psy­cho­lo­gi­schen Kom­po­nen­ten des Spie­lens und des Leh­rens und Ler­nens wie Blo­cka­den und Ängs­ten, Grenz­erfah­run­gen, Leistungs­druck, Moti­va­ti­on sowie dem Rol­len­ver­hal­ten von Leh­rern und Schü­lern auseinandersetzt.
Auch erfah­re­ne Vio­lin­päd­ago­gIn­nen fin­den in die­sem neu­en Bei­trag vie­le Hil­fe­stel­lun­gen bei der Suche nach den rich­ti­gen Ant­wor­ten auf wie­der­keh­ren­de Fragen.
Uwe Gäb