Kiemayer, Angela

Star­ke Stim­me – star­ker Auftritt

Ein Leitfaden zum atemtyp­gerechten Sprechen und Singen

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Doblinger, Wien 2020
erschienen in: üben & musizieren 1/2021 , Seite 59

Wie ler­ne ich rich­tig sin­gen oder spre­chen? Wie kann ich mei­ne Stim­me ver­schleiß­arm stun­den­lang wohl­klin­gend und raum­grei­fend ein­set­zen? Sol­che Fra­gen stel­len sich nicht nur Sän­ge­rIn­nen, son­dern vie­le Men­schen, die in „spre­chen­den“ Beru­fen tätig sind. Dass es für den scho­nen­den Stimm­ge­brauch Atem- und Sprech­tech­ni­ken gibt, die Sprech­erzie­he­rin­nen, Gesangs­päd­ago­gin­nen, Schau­spiel­leh­rer oder Logo­pä­den schon längst erfolg­reich prak­ti­zie­ren, heißt nicht, dass alle Zugän­ge zur mensch­lichen Stim­me schon kom­plett aus­ge­schöpft wären.
Die Sän­ge­rin, Pia­nis­tin, Kom­po­nis­tin, Stimm- und Sprech­päd­ago­gin Ange­la Kie­may­er legt in ihrem Büch­lein Star­ke Stim­me – star­ker Auf­tritt zunächst ein­drucks­voll und nach­voll­zieh­bar dar, war­um gera­de ihr Ansatz zur Stim­me ein ande­rer ist – sie sen­si­bi­li­siert die Lese­rIn­nen für den fei­nen Unter­schied des ein­atem­be­ton­ten oder des aus­atem­be­ton­ten Typs als grund­sätz­li­che Cha­rak­te­ri­sie­rung mit weit­rei­chen­den Folgen.
Ihr Kon­zept fußt auf den Theo­rien der Ter­lu­sol­lo­gie, einem alter­na­tiv­me­di­zi­ni­schen Ansatz, der ursprüng­lich nach der Leh­re zwei­er deut­scher Ärz­te bzw. des Vio­li­nis­ten Erich Wilk eine Typen­leh­re pos­tu­liert, die besagt, dass der Ein­fluss von Son­ne bzw. Mond im Men­schen unter­schied­li­che Zugän­ge zur Atmung mit unter­schied­li­cher Nut­zung der ver­schie­de­nen Resonanzräume/Resonanzmöglichkeiten zur Fol­ge hät­ten. Ange­merkt sei, dass die wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen zur Vali­die­rung der Ter­lu­sol­lo­gie offen­bar noch fehlen.
Grund­sätz­lich ist eine sen­si­ble Beob­ach­tung des gesam­ten Wesens im Leh­rer-Schü­ler-Ver­hält­nis ins­be­son­de­re in Bezug auf Stimm­pro­zes­se natür­lich enorm wich­tig – wohl jeder Schü­ler wünscht sich ein indi­vi­du­el­les Ein­ge­hen auf Stär­ken und Schwä­chen. Hier wird nun mit der oben kurz dar­ge­stell­ten Grundsatz­unterscheidung vor­ge­gan­gen. Dabei bringt Kie­may­er gän­gi­ge Übun­gen, die wohl jedem (Chor-) Sän­ger geläu­fig sein soll­ten, weist aber durch bild­haf­te Dar­stel­lun­gen und über QR-Code abruf­ba­re Vide­os auf unter­schied­li­che Kör­per­hal­tun­gen und Atem­tech­ni­ken hin, die phy­sio­lo­gisch bes­se­re Ergeb­nis­se erzie­len sollen.
Aus­drück­lich rich­tet sich die Autorin dabei an „Men­schen, die ihre Stim­me täg­lich als Hand­werks­zeug ver­wen­den“, und bie­tet „prak­ti­sche Übun­gen […] die durch Video-Tuto­ri­als […] ergänzt wer­den“ an. Nun ist ja gera­de die Stim­me ein sen­si­bles Instru­ment, das bei Pro­ble­men doch lie­ber nicht über Vide­os oder Bücher geschult wer­den soll­te – eine Fach­frau soll­te da doch immer die ers­te Wahl sein. Aber grund­sätz­lich kann man natür­lich über die­sen alter­na­ti­ven Atem­an­satz und sei­ne kon­se­quen­ter­wei­se ande­ren Stimm­be­hand­lun­gen nach­den­ken und aus­pro­bie­ren, was einem stimm­lich gut tut – gemein­sam mit einem ver­sier­ten Stimm­trai­ner, der auch die Holz­we­ge erken­nen und Kor­rek­tur­hil­fen geben kann!
Chris­ti­na Humenberger