Mendel, Andreas / Andrea Glaser-Riefellner

Tech­ni­sche Grund­la­gen der Oboe

Effektive und systematische Übungen, Junior Edition

Rubrik: Noten
Verlag/Label: KONIKOS, Linz 2020
erschienen in: üben & musizieren 6/2020 , Seite 62

Bereits 2017 gab Andre­as Men­del zwei Übungs­bän­de Tech­ni­sche Grund­la­gen der Oboe – zunächst in Dur, dann in Moll – her­aus, die noch im sel­ben Jahr in der Zeit­schrift das Orches­ter (7–8/2017 und 11/2017) bespro­chen wur­den. Seit 2009 ist der Her­aus­ge­ber als Solo-Obo­ist beim Bruck­ner Orches­ter Linz ange­stellt und konn­te jüngst die als Men­to­rin an der Anton Bruck­ner Pri­vat­uni­ver­si­tät Linz täti­ge Päd­ago­gin Andrea Gla­ser-Rie­fell­ner gewin­nen, eine eigens für den jugend­li­chen Künst­ler­nach­wuchs pas­sen­de Edi­ti­on zu erstel­len.
Auch in die­sem Heft sind „in der Pra­xis bewähr­te Übun­gen zusam­men­ge­stellt, die dazu die­nen sol­len, tech­ni­sche Grund lagen auf der Oboe effek­tiv und sys­te­ma­tisch zu ver­bes­sern“. Bis auf den im zwei­spra­chi­gen Vor­wort notier­ten Hin­weis der sys­te­ma­ti­schen Anord­nung und der „Prä­zi­si­on schwie­ri­ger Griff­ver­bin­dun­gen“ gilt für Anfän­ge­rIn­nen das Glei­che wie für fort­ge­schrit­te­ne Erwach­se­ne, Stu­die­ren­de oder Pro­fis: näm­lich das Tem­po stets in klei­nen Schrit­ten zu stei­gern. Wert­voll auch der Hin­weis, dass Übun­gen oft „viel schnel­ler geübt wer­den, als das Gehirn die Infor­ma­tio­nen auf­neh­men und ver­ar­bei­ten kann“. Emp­foh­len wird hier das „Üben ohne die Klap­pen zu drü­cken“, was letzt­end­lich ein schnel­le­res Spie­len ermög­li­chen soll.
Inhalt­lich wer­den – wie in den bei­den Pro­fi­bän­den – ers­te Ansatz­übun­gen auf dem Rohr allein prä­sen­tiert wie auch das Quint- und Quart­spiel, Klang- und Lega­to­übun­gen und der oft schwie­ri­ge Über­gang in die nächs­te Okta­ve. Nur sind die­se Übun­gen dies­mal in ihrer Knapp­heit dem Alter der Spie­le­rIn­nen ange­passt. So beschrän­ken sich die Ton­ar­ten hier auf jene mit bis zu drei Vor­zei­chen – zunächst in Dur, dann in Moll. Des Wei­te­ren sind die Übun­gen um etwa die Hälf­te ver­kürzt (von sechs auf jeweils drei Sei­ten).
So müs­sen sich die Ler­nen­den bei­spiels­wei­se ledig­lich durch die Dur-Ton­lei­ter mit ver­schie­de­nen Varia­ti­ons­mög­lich­kei­ten kämp­fen, etwa Ton­lei­tern mit inte­grier­ter Wech­sel­no­te, gefolgt von belieb­ten Terz­übun­gen, klei­ner Drei­klang­a­kro­ba­tik und Chro­ma­tik. Die Moll-Ton­lei­tern erschei­nen zuletzt als Anhang, der sich auf jeweils einer Sei­te auf die Ska­len selbst in har­mo­nisch, melo­disch und natür­lich Moll beschränkt.
In sei­ner Über­sicht­lich­keit erscheint das Übungs­heft als her­vor­ra­gen­der Ein­stieg für auf­stre­ben­de Anfän­ge­rIn­nen, die sich zunächst an ange­neh­me­ren Ton­ar­ten ori­en­tie­ren kön­nen. Sie wür­den sich von den teil­wei­se schwie­ri­gen Übun­gen des Pro­fi­bands erschla­gen füh­len und ver­lö­ren dann rasch die Lust am Spiel. Auf der ande­ren Sei­te soll­te sich ein Früh­be­ru­fe­ner oder jemand, der etwas län­ger musi­ziert, von den Ange­bo­ten der Pro­fi­hef­te kei­nes­falls abschre­cken las­sen. Jeder hat dann auch die Frei­heit, die eine oder ande­re Übung oder Ton­art erst ein­mal ruhen zu las­sen.
Wer­ner Boden­dorff