Cornick, Mike

Three Latin Sket­ches

for alto saxophone and piano

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2016
erschienen in: üben & musizieren 2/2017 , Seite 58

Eine Spur Latin Jazz zieht sich durch die zahl­rei­chen Kla­vier­schu­len und -samm­lun­gen von Mike Cor­nick. Die Beset­zung mit Blä­sern hin­ge­gen kommt sel­ten vor. Umso reiz­vol­ler ist Cor­nicks ers­te Kom­po­si­ti­on für Alt­sa­xo­fon und Kla­vier, die er dem Solis­ten Mark Walton wid­met. Hier schreibt ein her­aus­ra­gen­der Kla­vier­päd­ago­ge für einen nicht min­der exzel­len­ten Blä­ser­päd­ago­gen. Der leb­haf­te, gut aus­ba­lan­cier­te Dia­log zwi­schen Saxo­fon und Kla­vier scheint dies wider­zu­spie­geln.
Das gemein­sa­me rhyth­mi­sche Fun­da­ment von Melo­die und Beglei­tung ist ganz klar der Son als Urva­ter der Lati­no-Musik. For­mal sind die Three Latin Sket­ches in zwei schwung­vol­le Alle­gro-Sät­ze und einen ruhi­gen Mit­tel­satz geglie­dert. Im Kopf­satz ver­schmel­zen mehr­schich­ti­ge, syn­ko­pen­rei­che Rhyth­mus­fi­gu­ren aus Sam­ba, Bos­sa Nova und Calyp­so mit einer kur­ven­rei­chen, chro­ma­ti­schen Melo­die. Die kur­zen Vor­schlä­ge bie­ten eine zusätz­liche Nuan­ce. Nach einer klei­nen Atem­pau­se taucht das Saxo­fon in die sen­ti­men­ta­le Atmo­sphä­re des Tan­gos ein, die durch eine kon­stan­te Moll­fär­bung gestei­gert wird.
Die zwei­te Skiz­ze bringt eben­falls weni­ge Inter­vall­sprün­ge, so­mit kann die Kon­zen­tra­ti­on voll und ganz auf die sti­lis­ti­schen und rhyth­mi­schen Eigen­hei­ten des Tan­zes gelenkt wer­den. Die schwel­gen­de Melo­die des Sa­xofons ist weni­ger ernst und scheint von der Klang­vor­stel­lung eines Ban­do­ne­ons inspi­riert zu sein. Aus­drucks­vol­le Dyna­mik und per­kus­si­ve Kla­vier­bäs­se unter­strei­chen das latein­ame­ri­ka­ni­sche Kolo­rit.
Die drit­te Skiz­ze hält ihre Leich­tig­keit und Hei­ter­keit von Anfang bis Ende kon­se­quent durch. Die Inten­si­tät des emo­tio­na­len Gehalts wirkt im Ver­gleich zu den vor­an­ge­hen­den Sät­zen deut­lich zurück­hal­ten­der. Die redu­zier­te Syn­ko­pier­ung trägt sicher­lich dazu bei. Die Über­la­ge­rung von binä­ren mit ter­nä­ren Rhyth­men bleibt auch dies­mal nicht außen vor. Der kaum modu­lie­ren­de Satz zeigt star­ken Dur-Cha­rak­ter. Das Wech­sel­spiel flie­ßen­der Lega­to-Bögen mit knap­pen, sprit­zi­gen Stac­ca­to-Par­ti­en ver­lei­hen der Melodie­linie einen tän­zeln­den Zug. Die Auf­for­de­rung zum Rum­ba ist mehr als offen­sicht­lich. Der vita­le Quart­sprung auf­wärts im Saxo­fon mar­kiert Beginn und Schluss des Sat­zes.
Spiel­tech­nisch mit­un­ter her­aus­for­dernd legt die Kom­po­si­ti­on im mitt­le­ren Schwie­rig­keits­grad ihren Fokus auf Rhyth­mik und Sti­lis­tik. Um sich mit den spe­zi­el­len Phra­sie­rungs­re­geln ver­traut zu machen, bie­ten die drei Skiz­zen eine rei­che Aus­wahl an typi­schen Tanz­rhyth­men. Die Pat­terns zie­hen sich über ein bis drei Tak­te und eig­nen sich beson­ders gut zum sepa­ra­ten Üben. Ein­ge­streu­te Sept­ak­kor­de in Melo­die und Beglei­tung ver­mit­teln außer­dem ein leich­tes Jazz Fee­ling, das in Kom­bi­na­ti­on mit den ener­gi­schen Lati­no-Rhyth­men dem Aus­tas­ten der emo­tio­na­len Klang­qua­li­tä­ten des Saxo­fons Vor­schub leis­tet. Das Chan­gie­ren zwi­schen den Tem­pe­ra­men­ten bie­tet eine wei­te­re Mög­lich­keit, indi­vi­du­el­le Aus­drucks­va­ri­an­ten zu ent­de­cken.
Julia­ne E. Bal­ly