Thalheim, Armin

Toc­ca­ta, Ada­gio und Fuge

für Sopran-Saxophon und Orgel op. 19

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Uetz, Halberstadt 2017
erschienen in: üben & musizieren 2/2020 , Seite 63

Der Titel erweckt zunächst Asso­zia­tio­nen an ein roman­ti­sches Orgel­stück von César Franck. Tat­säch­lich aber stammt die­se im Jahr 2015 ent­stan­de­ne Kom­po­si­ti­on von Armin Thal­heim. Die Orgel ist hier Beglei­tung für ein Sopran­sa­xo­fon (oder für eine Flö­te). Gewid­met hat Thal­heim sei­ne Kom­po­si­ti­on der Saxo­fo­nis­tin Clau­dia Teso­ri­no, die das Stück noch im sel­ben Jahr in Straß­burg urauf­ge­führt hat.
Will man mehr über die Bio­gra­fie des 1944 im säch­si­schen Kamenz gebo­re­nen und in Ber­lin leben­den Orga­nis­ten, Pia­nis­ten und Cem­ba­lis­ten wis­sen, kann man sich bei Wiki­pe­dia infor­mie­ren oder sei­ne Home­page besu­chen, auf der Auf­sät­ze, Kri­ti­ken sei­ner zahl­rei­chen Kon­zer­te, eine ansehn­li­che Dis­ko­gra­fie und ein Werk­ver­zeich­nis bis Opus 24 auf­ge­lis­tet sind. Als Käu­fer der vor­lie­gen­den Aus­ga­be wäre man dank­bar gewe­sen über die­se und ande­re Infor­ma­tio­nen zum Werk selbst. Kei­ne Infos bedeu­ten wenig Kauf­an­reiz.
Wird der Ent­schluss zum Kauf trotz­dem getrof­fen, so erwar­tet einen die werker­öff­nen­de Toc­ca­ta mit etwas sprö­de und sper­rig zu spie­len­den Sech­zehn­teln, zunächst für Saxo­fon allein. Nach zehn Tak­ten mischt sich die Orgel ein, zunächst mit kor­re­spon­die­ren­den Sech­zehn­teln, dann mit einem vor­wärts­drän­gen­den Rhyth­mus. Auf hal­ber Stre­cke lösen im schnel­le­ren Tem­po figu­rier­te Trio­len die Sech­zehn­tel ab, her­nach spielt die Orgel 14 Tak­te einen tro­chäi­schen Hin­ke-Rhyth­mus (kurz-lang). Der Kopf­satz endet mit erneu­ten Sech­zehn­tel­grup­pen, rhyth­misch unter­legt.
Im lang­sa­men Mit­tel­satz herr­schen unge­ra­de Takt­ar­ten. Für ein Ada­gio ist er mit Tem­po 86 viel­leicht etwas schnell, dies hilft indes über die melo­die­ar­men Ton­lei­ter­ab­schnit­te hin­weg. Zuerst hat 14 Tak­te lang die Orgel im im 5/4-Takt, in 3er- und 2er-Grup­pen unter­teilt, allein die simp­le Lini­en­füh­rung, das Saxo­fon folgt mit eigen­wil­li­ger Melo­dik. Bewe­gung bringt der nach­fol­gen­de 5/8-Takt in einer 4–1-Gruppierung; rhyth­mi­sche Klein­glied­rig­keit bedeu­tet der ein­set­zen­de 7/16-Takt, der sich jedoch bald in 3/8 und 5/4 kurz ändert, sich beru­higt, um für acht Tak­te im erneu­ten 5/8-Takt sich in die Höhe auf­zu­schwin­gen, um sich resi­gniert im 5/4 dem Ende zuzu­be­we­gen.
Der Titel Fuge ist miss­ver­ständ­lich, da er hier nicht die Form anzeigt. Im Gegen­teil herrscht zunächst 15 Tak­te lang orches­tra­le Homo­fo­nie von Orgel und Saxo­fon. Zwar erscheint das ein­fa­che Kopf­the­ma hin und wie­der, jedoch ohne klas­si­sche Kon­tra­punk­tik und ver­floch­te­ne Stimm­füh­rung. Nur zwei­mal ist eine Art Fuga­to zu hören: ab T. 30 ff. vier Tak­te und ab T. 51 ff. sechs Tak­te lang. Zwi­schen­durch darf der Instru­men­ta­list über eine bei­na­he gleich­blei­ben­de Spiel­fi­gur etwa zwei Minu­ten lang frei impro­vi­sie­ren. Der Final­satz mit Tem­po 100 erscheint von der Idee her leben­di­ger und auch in rhyth­mi­scher Hin­sicht von allen der inter­es­san­tes­te zu sein.
Wer­ner Boden­dorff