Fortin, Viktor

Vier Tier­lie­der

nach Gedichten von Christian Morgenstern für Kinderchor (zweistimmig) und Blockflöten (SATBGb), Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Moeck, Celle 2014
erschienen in: üben & musizieren 6/2015 , Seite 57

Im Vor­wort berich­tet Vik­tor For­tin von sei­ner Begeis­te­rung für Chris­ti­an Mor­gen­stern, von den Kom­po­si­ti­ons­an­läs­sen in der lan­gen Entstehungsgeschich­te der vor­lie­gen­den Fas­sung der Vier Tier­lie­der, von der Über­arbeitung bestehen­der und der Kom­po­si­ti­on neu­er Sät­ze. For­tin (*1936), öster­rei­chi­scher Kom­po­nist und eme­ri­tier­ter Hoch­schul­leh­rer (Fach­rich­tung: Block­flöte), sind vier wun­der­ba­re far­bi­ge Minia­tu­ren gelun­gen, die sti­lis­tisch weit­ge­hend eigen­stän­dig sind und sich – wenn über­haupt – am ehes­ten noch der Klang­welt der 1950er und frü­hen 1960er Jah­re zuord­nen lassen.
Der Kom­po­nist ver­zich­tet im Wesent­li­chen auf jede Anbie­de­rung an das heu­te von Kin­dern und Jugend­li­chen bevor­zug­te Idi­om der Pop­mu­sik – Aus­nah­me: die Tem­po­be­zeich­nung „Etwas lang­sa­mer, swin­gend“ im ers­ten Lied – und schreibt inso­fern eher „tra­di­tio­nell“. Die Melo­dien der Sing­stim­men sind ein­fach, aber nie tri­vi­al. Takt­wech­sel und vor­sich­tig ein­ge­setz­te har­mo­ni­sche „Kühn­hei­ten“ (z. B. in Der Sper­ling und das Kän­gu­ruh, in Takt 8 Ter­zen in G‑Dur, Takt 9 Drei­klang F‑Dur) oder gar ein „Schrei­clus­ter“ in Die drei Spat­zen machen die Stü­cke inter­es­sant und sor­gen für den einen oder ande­ren über­ra­schen­den Effekt. Das­sel­be gilt für den Block­flö­ten­satz, der von Vik­tor For­tin hin­sicht­lich des Schwie­rig­keits­grads bewusst eher ein­fach gehal­ten wurde.
Ob die­se Ein­schät­zung von jun­gen Spie­le­rIn­nen geteilt wer­den kann, hängt sicher von den spiel­tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen und der Erfah­rung im Ensem­ble­spiel ab. Die Sech­zehn­tel im Bass und im Sopran im ein­lei­ten­den Lied Von dem gro­ßen Ele­fan­ten zum Bei­spiel, die Dop­pel­punk­tie­run­gen in Der Fuchs und die Hüh­ner und so man­che nach­schla­gen­de Note ent­fal­ten ihr tücki­sches Poten­zi­al mög­li­cher­wei­se erst im Zusam­men­spiel aller Stimmen.
Das Klang­bild der Block­flö­ten­sät­ze wird vom musi­kan­ti­schen Grund­te­nor, vom illus­tra­ti­ven Ein­satz von Dis­so­nan­zen und den vom jewei­li­gen Text moti­vier­ten Rhyth­men geprägt. Die Sät­ze stüt­zen durch col­la par­te geführ­te Stim­men den Chor, ergän­zen, glie­dern und kom­men­tie­ren die Sing­stim­men und die Text­aus­sa­gen. Beson­de­re Erwäh­nung ver­dient der Ein­satz des Groß­bas­ses, der dem Gan­zen, wenn er denn zur Ver­fü­gung steht, mehr Klang­fül­le und ‑tie­fe verleiht.
Es sei noch auf das aus­ge­spro­chen spie­ler­freund­li­che Druck­bild auf leicht getön­tem, blend­frei­em Papier, auf den sau­be­ren Druck sowohl in der Par­ti­tur als auch den zur Ver­fü­gung ste­hen­den Ein­zel­stim­men und auf die rei­zen­de Umschlag­il­lus­tra­ti­on von Danie­la Dre­scher hin­ge­wie­sen, die das Bild die­ser gelun­ge­nen Publi­ka­ti­on abrun­den. Chris­ti­an Mor­gen­stern hat in Vik­tor For­tin einen kon­ge­nia­len Kom­po­nis­ten gefun­den, des­sen ori­gi­nel­le Vier Tier­lie­der es alle­mal ver­dient haben, von vie­len Ensem­bles gespielt zu werden.
Wolf­gang Koperski