Menze, Jonas / Govinda Wroblewsky

Vom Kar­rie­ret­raum zum Portfolio!?

Teil 2: Berufseinstieg und Erwerbstätigkeiten der AbsolventInnen musikpraktischer Studiengänge

Rubrik: Forschung
erschienen in: üben & musizieren 1/2021 , Seite 53

In der vorigen Ausgabe berichteten die Autoren anhand einer Absolven­tenbefra­gung des Netzwerks Musik­hochschulen über Stabilität und Veränderungen in den Berufszielen Studierender in den musikpraktischen Studiengängen an deutschen Musikhochschulen. In Teil 2 steht nun die Frage im Mittelpunkt, welche Erfahrungen die AbsolventInnen bei ihrem Einstieg in den Arbeitsmarkt gemacht haben und wie sich ihre Erwerbssituation zum Zeitpunkt der Befragung gestaltet.

Im Som­mer 2018 wur­den Absol­ven­tIn­nen elf deut­scher Musik­hoch­schu­len quer durch alle Stu­di­en­gän­ge mit­hil­fe eines umfang­rei­chen Online-Fra­ge­bo­gens zu ihrem Bil­dungs­weg, ihren Erfah­run­gen im Stu­di­um, ihrem Berufs­ein­stieg, ihren Berufs­zie­len, ihrem musi­ka­li­schen Kom­pe­tenz­er­werb, ihrer Lebens­si­tua­ti­on und ihrer Erwerbs­tä­tig­keit sowie ihrer Lebens­zu­frie­den­heit befragt.1 Die bereits berich­te­ten Ergeb­nis­se zei­gen, dass nahe­zu alle Stu­die­ren­den der musik­prak­ti­schen Stu­diengänge zu Beginn ihres Stu­di­ums eine künst­le­ri­sche Kar­rie­re anstreb­ten und die über­wie­gen­de Mehr­heit auch nach Ein­tritt in den Arbeits­markt an die­sem Ziel fest­hält. Wäh­rend nur weni­ge Absol­ven­tIn­nen das Ziel einer künst­le­ri­schen Kar­rie­re ver­wer­fen, gewin­nen päd­ago­gi­sche Berufs­zie­le an Rele­vanz. Auch die wei­te­ren Berufs­zie­le und ‑per­spek­ti­ven dif­fe­ren­zie­ren sich qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv deut­lich aus und tra­gen damit den Anfor­de­run­gen einer Port­fo­lio-Kar­rie­re Rechnung.
Ins­ge­samt spie­len intrinsi­sche Moti­ve – wie sei­nem Talent nach­ge­hen zu kön­nen – bei der Stu­di­en- und Berufs­wahl die wich­tigs­te Rol­le. Auch wenn mit dem Ein­stieg ins Berufs­le­ben extrinsi­sche Fak­to­ren – wie Berufs­aus­sich­ten und Ver­dienst­mög­lich­kei­ten – wich­ti­ger wer­den, bleibt das Motiv einer pri­mär künst­le­ri­schen Tätig­keit zumeist hand­lungs­lei­tend. Im Fol­gen­den wer­den nun die Erfah­run­gen der Absol­ven­tIn­nen mit dem Berufs­ein­stieg und die Erwerbs­si­tua­ti­on betrachtet.

Ergeb­nis­se (Teil 2)

Berufs­ein­stieg
In einer Mehr­fach­aus­wahl gab jeweils die Mehr­heit der Befrag­ten an, mit Abschluss des Stu­di­ums eine abhän­gi­ge Beschäf­ti­gung (59 %) bzw. eine ande­re Form der Erwerbs­tä­tig­keit (Frei­be­ruf­lich­keit, Enga­ge­ments etc.; 60 %) gesucht zu haben. Nur 8 % der Befrag­ten (n = 35) berich­te­ten, nach ihrem Stu­di­um nicht nach einer Anstel­lung gesucht zu haben. Von die­sen gaben 15 Befrag­te an, sich umori­en­tiert und/oder ein wei­te­res Stu­di­um begon­nen zu haben, und neun Befrag­te, bereits wäh­rend des Stu­di­ums berufs­tä­tig gewe­sen zu sein bzw. ein Stel­len­an­ge­bot erhal­ten zu haben.
Die größ­te Her­aus­for­de­rung bei der Job­su­che stell­te die schwie­ri­ge Arbeits­markt­si­tua­ti­on dar (78 %; Mehr­fach­aus­wahl), gefolgt von per­sön­li­chen Lebens­um­stän­den (z. B. regio­na­le Bin­dung; 20 %) und einem Man­gel an eige­nen (Fach-)Kompetenzen (z. B. spe­zi­el­le Kennt­nis­se, Fremd­spra­chen­kennt­nis­se; 11 %). Auf­hor­chen lässt, dass 9 % (n = 34) berich­ten, Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund per­sön­li­cher Eigen­schaf­ten (Geschlecht, Her­kunft etc.) erfah­ren zu haben. Genaue­re Anga­ben zur Form der erleb­ten Dis­kri­mi­nie­rung mach­ten sie nicht. Dem­ge­gen­über berich­te­ten immer­hin 14 %, kei­ne Schwie­rig­kei­ten bei der Job­su­che gehabt zu haben.

1 Die hier vor­lie­gen­de Stich­pro­be umfasst 528 Absol­ven­tIn­nen musik­prak­ti­scher Stu­di­en­gän­ge (künst­le­ri­sche Aus­bil­dung, Haupt­fach Instru­ment bzw. Gesang) der Musik­hoch­schu­len an den Stand­or­ten Det­mold, Dres­den, Frank­furt am Main, Frei­burg, Ham­burg, Köln, Leip­zig, Lübeck, Saar­brü­cken, Tros­sin­gen und Würz­burg. Die Befra­gung fand zwi­schen rund drei und rund fünf­ein­halb Jah­ren nach Been­di­gung des Stu­di­ums statt. Für wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Erhe­bung und zur Stich­pro­be sie­he üben & musi­zie­ren 6/2020, S. 52–55.

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