Altenmüller, Eckart

Warum wir Musik zum Überleben mehr denn je ­brauchen

Ein Plädoyer für aktives Musizieren

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2026
erschienen in: üben & musizieren 5/2026 , Seite 60

Musik ist tief in der menschlichen Evolution verankert und entstand bereits vor sprachlicher Kommunikation, um Menschen emotional anzusprechen, Gemeinschaftsgefühl zu schaffen und Gruppenkräfte zu stärken. Sie löst intensive Empfindungen aus, moduliert unsere Stimmung und beeinflusst das vegetative Nervensystem.
Empirische Studien zeigen, dass Musik und aktives Musizieren die Entwicklung und Gesundheit in allen Lebensphasen auf vielfältige Weise fördern können. Musik kann gesundheitlich günstige (neuro-)physiologische Reaktionen vermitteln, das subjektive Wohlbefinden steigern, Stress- und Angstempfinden reduzieren sowie Herz-Kreislaufsystem, Mo­torik, kindliche Entwicklung und kognitive Funktionen positiv beeinflussen.
Vor diesem Hintergrund erhält das Plädoyer des Neurologen, Musikers und Musikermediziners Eckart Altenmüller besonderes Gewicht: Aufmerksames Musikhören und insbesondere das aktive Musizieren dürften nicht weiter an Bedeutung im Alltag verlieren, sondern sollten wieder selbstverständlicher und mutiger in unsere Lebenswelten – in Familien, Kitas und Schulen – integ­riert werden.
Altenmüller skizziert zunächst die Entstehung der Musik. Anschließend werden allgemein verständlich die neurowissenschaftlichen Grundlagen der Wir­kungen und Transferwirkungen von Musik erläutert, gefolgt von den Effekten des aktiven Singens und Musizierens auf das Gehirn. Das Prinzip der Neuroplastizität wird wissenschaftlich fundiert und gut greifbar verständlich gemacht!
Die Tatsache, dass Neuroplastizität über die gesamte Lebensspanne funktioniert und Musizieren „jung“ erhält, wird anhand der Hannoveraner Studie „Besser altern mit Musik“ anschaulich vermittelt, ergänzt durch einen unmittelbar umsetzbaren Ratgeberteil.
Ausgehend von der Frage, welche Musik individuell die beste Wirkung entfaltet (Fazit: Eine „musikalische Hausapotheke“ gibt es nicht), erfolgt der Übergang zum Einsatz von Musik in der Medizin und zur Musiktherapie. Schwerpunkt sind musiktherapeutische Verfahren bei Schlaganfall und Morbus Parkinson sowie Musik bei Depressionen und demenziellen Erkrankungen. Musiktherapie bei Kindern und Jugendlichen richtet den Blick auf Autismus-Spektrum-Störungen, Kinder mit Cochlea-Implantat und mit infantiler Zerebralparese.
Das abschließende „Musikmanifest“ ruft dazu auf, Musik und musikalisches Handeln wieder als notwendigen Bestandteil des Alltags zu begreifen und ihre vielfältigen positiven Wirkungen für Individuum und Gemeinschaft stärker zu nutzen. Der Schatz der Musik müsse gepflegt und verbreitet werden – für Wohlbefinden, emotionale Resilienz und gesellschaftlich-kulturelle Verbundenheit.
Ein wertvoller, wissenschaftlich fundierter und zugleich äußerst informativer Ratgeber!
Maria Schuppert

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