Twelsiek, Monika (Hg.)

Was­ser

25 Originalkompositionen für Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: üben & musizieren 3/2016 , Seite 58

Unter den vier klas­si­schen Ele­men­ten ist das Was­ser als Inspi­ra­ti­on für Kom­po­nis­tIn­nen seit jeher das ergie­bigs­te. Unzäh­li­ge klei­ne­re und grö­ße­re Wer­ke wur­den vor allem in der Roman­tik und im Impres­sio­nis­mus geschrie­ben, deren Titel oder Bewe­gungs­art auf das flüs­si­ge ­Ele­ment ver­wei­sen. Neben dem Orches­ter ist beson­ders das Kla­vier das geeig­ne­te Medi­um zur klang­li­chen Umset­zung der­ar­ti­ger Ein­fäl­le.
Im vor­lie­gen­den Band bün­delt Moni­ka Twel­siek 25 pia­nis­ti­sche „Was­ser­mu­si­ken“ von Men­dels­sohn bis Satie, dazu erfreu­li­cher­wei­se auch eini­ge Bei­spie­le aus der Musik der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te. Der Schwie­rig­keits­grad liegt über­wie­gend im Bereich der (unte­ren) Mit­tel­stu­fe, was bedeu­tet, dass gefürch­te­te was­serin­spi­rier­te Vir­tuo­sen­stü­cke à la Liszt, Debus­sy oder Ravel nicht vor­kom­men.
Es ist viel­mehr der Bar­ca­rol­len-Typus, der hier vor­herrscht, Was­ser als meist sanf­tes gedank­liches Movens für einen wie­gen­den 6/8-Gon­del­rhyth­mus: Bar­ca­rol­len von Peter Tschai­kow­sky (aus den Jah­res­zei­ten) und Gab­riel Fau­ré (op. 90), vene­tia­ni­sche Gon­del­lie­der von Fried­rich Burg­mül­ler und Felix Men­dels­sohn (fis-Moll) sowie, im pia­nis­ti­schen Anspruch deut­lich nach oben aus­bre­chend, die Regat­ta Vene­zia­na von Franz Liszt nach Gioac­chino Ros­si­nis Vor­lage.
Auch die was­ser­sport­li­chen Sati­ren Yach­t­ing, La pêche und Le bain de mer von Erik Satie, die medi­ta­ti­ven Wei­den, voll­monds im Was­ser sich spie­gelnd von Enjott Schnei­der oder Alex­an­der Rosen­blatts fan­ta­sie­voll gezeich­ne­te Was­ser­li­li­en im Schein der Abend­son­ne set­zen die­se ­Linie in jeweils ori­gi­nel­ler Sti­lis­tik fort.
Etwas for­dern­der bezüg­lich rascher Fin­ger­be­we­gung kommt Die Quel­le von Burg­mül­ler daher, eben­so ein apart-moto­ri­sches h-Moll-„Bächlein“ von Edvard Grieg, der stim­mungs­vol­le Wie­sen­bach von Edward Mac­Do­well oder Bar­bara Hel­lers modal-osti­na­te Geschich­te vom Schloss am Meer. Dem­ge­gen­über wir­ken das Mat­rosenlied und das Lied der ita­lie­ni­schen Mari­na­ri aus Robert Schu­manns Album für die Jugend, auch die in moder­nen Tanz­rhyth­men geschrie­be­nen Stü­cke von Ernes­to Naza­reth (Schif­fer), Scott Jop­lin (The Cas­ca­des), Edu­ard Pütz (Rai­ning Cats and Dogs) oder Micha­el Zla­na­b­it­nig (Tanz der Regen­trop­fen) wie zwar reiz­vol­le, in Sachen Was­ser aber wenig aus­sa­ge­kräf­ti­ge, nur durch ihren Titel weit­läu­fig legi­ti­mier­te Zuta­ten zu die­sem Band – ein Befund, den man auch auf das legen­dä­re „Regen­trop­fen-Pré­lude“ von Frédé­ric Cho­pin aus­wei­ten möch­te.
Die in ihrer Grund­idee ori­gi­nel­le Samm­lung, sorg­fäl­tig ediert und mit guten Fin­gersatz­hil­fen aus­ge­stat­tet, bie­tet sicher man­che erfreu­li­che Abwechs­lung im All­tag des Kla­vier­un­ter­richts. Ein zwei­ter, „vir­tuo­ser“ Band für Kon­zert­pia­nis­tIn­nen, sozu­sa­gen von Liszt bis Sciar­ri­no, müss­te eigent­lich fol­gen…
Rai­ner Klaas