Igudesman, Aleksey / Hyung-ki Joo

When We Were Young / How Far Can You Go

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2016
erschienen in: üben & musizieren 4/2017 , Seite 58

Im „Dop­pel­pack“ prä­sen­tie­ren die bei­den Instru­men­tal­vir­tuo­sen – bei­de 1973 gebo­ren – gemein­sam in zwei Hef­ten jeweils zwei Stü­cke. Nie­man­den wun­dert es, wenn es dabei wie­der dar­um geht, vir­tuo­se Gren­zen aus­zu­rei­zen und Musik als Show zu prä­sen­tie­ren.
Im Vor­wort beschrei­ben die Autoren die Ent­wick­lung der beson­de­ren Idee zu die­sen Kom­po­si­tio­nen: Ani­miert durch den Vio­lin­päd­ago­gen Pavel Ver­ni­kov rie­fen sie einen Musik­wett­be­werb ins Leben, als Gegen­ent­wurf zu den zahl­rei­chen exis­tie­ren­den klas­si­schen Wett­be­wer­ben: das „Feast of Duos“ für die Kate­go­rie Duo Violine/Klavier mit der bemer­kens­wer­ten Alters­klas­se 8 bis 88 Jah­re. Zur Teil­nah­me gehört neben tra­di­tio­nel­len Reper­toire­stü­cken min­des­tens ein ori­gi­nä­res Werk, das ein oder meh­re­re Ele­men­te aus den Berei­chen sze­ni­sche Dar­stel­lung, Lesung, Cho­reo­gra­fie, Improvisa­tion und/oder Komik ent­hält. Damit ist auch der Rah­men der vier Kom­po­si­tio­nen abge­steckt. Wer „im Netz“ eine Per­fo­mance der Stü­cke durch die Autoren sucht, sucht ver­geb­lich: Sie wol­len die Krea­ti­vi­tät der Spie­le­rIn­nen nicht durch eige­ne Vor­ga­ben oder Bei­spie­le behin­dern.
Für eine Prä­sen­ta­ti­on der Stü­cke muss man als Instru­men­ta­list bereit sein, übli­che musi­ka­li­sche Wege zu ver­las­sen und zum Grenz­gän­ger zwi­schen ernst­haf­tem Musi­ker und clow­nes­quem Schau­spie­ler zu wer­den; denn man spielt nicht nur Vio­li­ne, son­dern tanzt auch lang­sa­men Wal­zer im Wal­zer­takt, gei­gend zum Spiel des Kla­viers im 4/4-Takt. Gele­gent­lich strei­ten sich die Musi­ke­rIn­nen um das Instru­ment und mischen dabei ihr Spiel. Zusätz­lich zur spie­le­ri­schen Sicher­heit müs­sen bei­de Inter­pre­tIn­nen über Freu­de an komödian­tischer Dar­stel­lung ver­fü­gen, um neben dem per­fek­ten Instru­men­tal­spiel auch eine über­zeu­gen­de Per­for­mance lie­fern zu kön­nen.
Die Titel der Stü­cke sind Pro­gramm: Fore­ver Young Key (Joo) ent­wi­ckelt sich vom Stimm-a in teil­wei­se kom­pli­zier­ten rhyth­misch-metri­schen Vari­an­ten mit Dis­so­nan­zen, Stö­run­gen, Spiel-, Sprech- und Impro­vi­sa­ti­ons­an­wei­sun­gen über die übri­gen lee­ren Sai­ten. Das Stück­chen endet mit akkord­be­glei­te­ten Piz­zi­ca­tot­ak­ten – wobei der Vio­li­nist nicht nur an den Sai­ten zupft, son­dern auch an sei­ner Kopf­be­haa­rung – schließ­lich wie es begon­nen hat, auf dem a' (gesun­gen). Die Ant­wort (Igu­des­man) lau­tet When I Was Young und beginnt wie­der mit dem leit­tö­nig vor­be­rei­te­ten „jugend­li­chen“ a' und ent­wi­ckelt das Spiel über dis­so­nan­te Akkord­schlä­ge und vir­tuo­se Spiel­fi­gu­ren zu einem wahr­haf­ten „Zu­ständigkeitsstreit“ der Instru­men­te.
As Far As You Can (Igu­des­man) und Bey­ond The Limit (Joo) sind ähn­lich kon­zi­piert, ver­lan­gen bei­den Aus­füh­ren­den aber eine höhe­re tech­ni­sche Fer­tig­keit ab. – Ein reiz­vol­les Vor­ha­ben für Musi­ke­rIn­nen mit Freu­de an  clow­nes­quer Show und Impro­vi­sa­ti­on!
Uwe Gäb