McWilliam, Fergus

Wie DU ins Horn bläst…

Hornpädagogik im Gegenwind

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: edition ebenos, Aachen 2015
erschienen in: üben & musizieren 3/2017 , Seite 52

Fer­gus McWil­liam ist lang­jäh­ri­ges Mit­glied der Horn­grup­pe der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker sowie erfah­re­ner Horn­päd­ago­ge. Mit sei­nem Buch Wie DU ins Horn bläst… spricht er Horn­schü­le­rIn­nen und -lehr­kräf­te glei­cher­ma­ßen an und stellt man­che her­kömm­li­chen päd­ago­gi­schen Ansich­ten in Fra­ge. Vie­le Horn­leh­rer, so McWil­liam, unter­rich­te­ten nach einer bestimm­ten Metho­de mit Grund­sät­zen, die sie von ihrem Leh­rer über­nom­men hät­ten, ohne die Inhal­te zu hin­ter­fra­gen oder die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se der ein­zel­nen Schü­le­rIn­nen zu berück­sich­ti­gen.
Die­ses Buch ist eine will­kom­me­ne und längst über­fäl­li­ge Ant­wort auf man­che star­ren Unter­richts­me­tho­den. Das Buch erschien 2011 in eng­li­scher Spra­che. Seit Phil­ip Far­kas’ The Art of French Horn Play­ing (1956) gab es bis zu die­ser Aus­ga­be kei­ne bedeu­ten­den Fach­bü­cher über Horn­päd­ago­gik.
Eine schwie­ri­ge Auf­ga­be bei der Über­set­zung ins Deut­sche ist die sinn­ge­mä­ße Wie­der­ga­be des Titels. Der eng­li­sche Titel Blow your OWN horn ist dop­pel­deu­tig: Als Idi­om bedeu­tet er prah­len oder ange­ben. Der deut­sche Titel könn­te von dem Sprich­wort „Wie man in den Wald ruft, so schallt es her­aus“ abge­lei­tet sein.
Das Buch ist in zwei Tei­le geglie­dert: Der theo­re­ti­sche Teil be­inhaltet Grund­satz­fra­gen, wobei unter ande­rem eini­ge „Wahr­hei­ten“ über Horn­bla­sen in Fra­ge gestellt wer­den. Oft gibt es Wider­sprü­che zwi­schen dem, was unter­rich­tet wird, und dem, was der Leh­rer tat­säch­lich selbst prak­ti­ziert. Was man tut und was die Musik ver­langt, sind oft ver­schie­de­ne Din­ge. Weil sie zu oft miss­ver­stan­den wer­den, ver­sucht McWil­liam in sei­nem Unter­richt fünf Begrif­fe zu ver­mei­den: Üben, Ein­spie­len, Spie­gel, Ansatz und Zwerch­fell. In die­sem Abschnitt erklärt er die Pro­ble­ma­tik sol­cher Begrif­fe. Er befür­wor­tet eine akti­ve­re Rol­le des Schü­lers im Unter­richt, wovon Schü­ler und Leh­rer bei­de pro­fi­tie­ren sol­len und kön­nen. „Horn kann man nicht leh­ren, man kann es nur ler­nen.“ Ob und wie ein Hor­nist sich ein­spielt, die Hand­hal­tung und die Klang­vor­stel­lung bis hin zum Sich-Frei­spie­len sind in die­sem Kapi­tel the­ma­ti­siert.
Teil 2 ist der prak­ti­sche Teil die­ses Buchs und beschäf­tigt sich mit tech­ni­schen Aspek­ten des Horn­bla­sens. Die Tech­nik soll aber nie über der Musik ste­hen. Tech­ni­sche Über­le­gun­gen zu Ansatz und Atmung wer­den detail­liert bespro­chen. Effek­ti­ve Übun­gen sowie hilf­rei­che Rat­schlä­ge für Pro­be­spiel­kan­di­da­ten sind als Anre­gung vor­han­den.
Das Buch ist sehr über­schau­bar und gut ver­ständ­lich – ein Nach­schla­ge­werk, das man immer wie­der zur Hil­fe neh­men kann, um wert­vol­le Impul­se von einem erfah­re­nen und renom­mier­ten Hor­nis­ten zu bekom­men.
Tho­mas Swart­man