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Leßmann, Kai

Wie mach ich das nur mit der Steuer?

Ein fiktives Interview zu grundlegenden Steuerfragen ­freiberuflicher Instrumentallehrkräfte (Teil 3)

Rubrik: Recht & Versicherung
erschienen in: üben & musizieren 1/2021 , Seite 34

Bob Franklin hat bereits zwei Telefonate mit der Existenzgründungsstelle geführt und sehr viel Nützliches erfahren. Nun ist er in der Lage, den Frage­bogen der steuerlichen Erfassung auszufüllen und die dahinter liegenden Irrungen und Wirrungen zu entschlüsseln. Bevor er den Fragebogen abschickt, erinnert er sich, dass er noch Informationen zum Thema „Gesellschaften“ benötigt. Er nimmt die Abgabe des Fragebogens zum Anlass, einen Termin mit der Existenzgründerberatung zu verabreden…

Bob: Guten Tag, ich bin Herr Fran­k­lin. Wir hat­ten ja schon zwei­mal mit­ein­an­der tele­fo­niert und da ich jetzt den Fra­ge­bo­gen end­lich ver­voll­stän­digt habe, dach­te ich mir, ich brin­ge Ihnen den mal vor­bei. Außer­dem möch­te ich auch noch etwas mehr über Gesell­schaf­ten für mei­ne Kon­zer­te bzw. Lehr­ge­mein­schaft wissen.
Exis­tenz­grün­dungs­be­ra­te­rin: Hal­lo Herr Fran­k­lin, wie schön, zur Stim­me auch ein­mal ein Gesicht ken­nen­zu­ler­nen. Neh­men Sie doch Platz. Den Fra­ge­bo­gen wer­de ich an die zustän­di­ge Stel­le wei­ter­lei­ten. Ich erin­ne­re mich, dass wir nur kurz über die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts gespro­chen hat­ten, die soge­nann­te GbR.1 Wol­len Sie nur dar­über etwas wissen?

Ich habe kei­ne Ahnung, wel­che Gesell­schaf­ten es gibt. Eine GmbH wäre doch auch mög­lich. Kön­nen Sie mir da weiterhelfen?
Die Gesell­schafts­for­men spal­ten sich in zwei Berei­che: Per­so­nen- und Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten. Eine GmbH wäre eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, genau­so wie die Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (UG), wel­che eine Spe­zi­al­form der GmbH dar­stellt. Eine GmbH zeich­net sich durch die Haf­tungs­be­schrän­kung aus, aller­dings ist ein sehr hoher for­mel­ler Auf­wand zu betrei­ben. Ich wür­de davon abra­ten, außer Sie haben ein hohes Haftungs­risiko, z. B. durch aus­schwei­fen­de Pyro­tech­nik bei Ihren Auftritten.

Noch mehr Büro­kra­tie? Da ver­zich­te ich lie­ber auf eine GmbH, weil ich ja nur klei­ne Kon­zer­te geben oder Lern­grup­pen unter­rich­ten möch­te. Wie sieht es denn mit einer Per­so­nen­ge­sell­schaft aus oder einer GmbH & Co. KG?
Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten bestehen aus min­des­tens zwei Per­so­nen. Dar­un­ter fal­len zum Bei­spiel die GbR, die offe­ne Han­dels­ge­sell­schaft (OHG)2 oder die Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG).3 Die GmbH & Co. KG gehört zu den Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten; dabei han­delt es sich um eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft, bei der die per­sön­lich und voll­umfänglich haf­ten­de Gesell­schaf­te­rin eine GmbH ist und der laut Han­dels­ge­setz­buch nur mit der Gesell­schaf­te­r­ein­la­ge haf­ten­de Kom­man­di­tist wären dann Sie. Hier­bei wür­de dann also eine Kom­bi­na­ti­on aus der GmbH und einer KG vor­lie­gen. Weil Sie einer frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit nach­ge­hen und damit kei­ne gewerb­li­che Tätig­keit vor­liegt und bei einer nicht not­wen­di­gen Haf­tungs­be­schrän­kung der gerings­te büro­kra­ti­sche Auf­wand gewollt ist, wäre für Sie das Maß aller Din­ge die GbR.

Die GbR über­zeugt mich. Ich habe weder die Muße für einen umfang­rei­chen Auf­wand noch das Geld, mich an einen Steu­er­be­ra­ter zu wen­den. Wie sieht das dann kon­kret aus, wenn ich die Gesell­schaft grün­den möchte?
Wenn sich Ihre Situa­ti­on ändert und Sie doch sehr gro­ße Kon­zer­te machen soll­ten, kön­nen Sie immer noch über eine neue Gesell­schaft oder einen Form­wech­sel nach­den­ken. Für den Anfang tref­fen Sie die rich­ti­ge Wahl. Zivil­recht­lich sind die Hür­den für eine Grün­dung denk­bar nied­rig, da es kei­ner Form bedarf. Sprich: Sie kön­nen sich auch münd­lich zusam­men­schlie­ßen, was ich aller­dings nicht emp­feh­len wür­de. Neh­men Sie sich ein­fach einen Mus­ter­ver­trag und pas­sen Sie die­sen an Ihre Bedürf­nis­se an, damit nach­her kein Streit ent­steht. Dabei ist vor allem die Geschäfts­füh­rungs- und Ver­tre­tungs­be­fug­nis zu beach­ten, da die­se nach BGB nur gemein­schaft­lich aus­ge­übt wer­den, unter Ihnen aber auch anders gere­gelt wer­den kann. Ich rate Ihnen, dahin­ge­hend noch ein­mal zu recherchieren.4 Ich möch­te Ihnen jetzt lie­ber den steu­er­li­chen Bereich erklären.

Selbst­ver­ständ­lich! Sie haben das Feld ja bereits ein­ge­schränkt, sodass es über­schau­ba­rer ist. Was gibt es denn steu­er­lich bei der GbR zu beachten?
Schau­en Sie, es gibt auch für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten einen Fra­ge­bo­gen zur steu­er­li­chen Erfas­sung. Wir gehen die­sen Fra­ge­bo­gen ein­fach mal gemein­sam durch. Bei den ers­ten Sei­ten han­delt es sich um ganz rudi­men­tä­re Grund­an­ga­ben wie Name und Anschrift des Unter­neh­mens, sprich der GbR. Die meis­ten Din­ge wer­den Sie also wie­der­erken­nen. Ins Han­dels­re­gis­ter müs­sen Sie sich übri­gens nicht ein­tra­gen lassen.

1 §§ 705 ff. BGB.
2 §§ 105 ff. HGB.
3 §§ 161 ff. HGB.
4 Die Han­dels­kam­mern haben sehr gutes Info­material sowie Musterverträge.

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 1/2021.