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Leßmann, Kai

Wie mach ich das nur mit der Steu­er?

Ein fiktives Interview zu grundlegenden Steuerfragen ­freiberuflicher Instrumentallehrkräfte (Teil 1)

Rubrik: Recht & Versicherung
erschienen in: üben & musizieren 5/2020 , Seite 32

Bob Franklin möchte als freiberuflicher Instrumentallehrer und Musiker tätig werden und weiß, dass er sich vorab mit Steuerfragen beschäftigen muss. Von einem Bekannten hat er bereits etliche Horrorgeschichten über das Finanzamt gehört und auch die Internetrecherchen sind zum Erliegen gekommen. Der Weg zum Steuerberater ist ihm zu teuer, da er ohnehin schon nicht viel verdient. Um mehr zu erfahren, entschließt er sich, bei seinem zuständigen Finanzamt anzurufen, welches er über Internet­recherchen gefunden hat1 und wo er mit der „Existenzgründungsberatung“2 verbunden wurde.

Bob: Guten Tag, mein Name ist Fran­k­lin. Ich möch­te mich hin­sicht­lich einer geplan­ten Selbst­stän­dig­keit infor­mie­ren.
Exis­tenz­grün­dungs­be­ra­te­rin: Guten Tag, Herr Fran­k­lin, da sind Sie bei mir voll­kom­men rich­tig. Her­vor­ra­gend, dass Sie sich infor­mie­ren wol­len, weil vie­le Pflich­ten mit einer Selbst­stän­dig­keit ein­her­ge­hen. Vor­ab infor­mie­re ich Sie davon, dass Sie inner­halb eines Monats nach Auf­nah­me einer Selbst­stän­dig­keit die­se Ihrem zustän­di­gen Finanz­amt anzei­gen müssen.3

Kön­nen Sie mir sagen, was ich nun kon­kret machen muss? Und was ist, wenn ich die Mel­dung ver­ges­sen hät­te?
Dann soll­ten Sie die Mel­dung schnellst­mög­lich nach­ho­len. Kon­kret müs­sen Sie den soge­nann­ten „Fra­ge­bo­gen der steu­er­li­chen Erfas­sung“ aus­fül­len und dem Finanz­amt unter­schrie­ben per Post, Ein­wurf, Fax oder E-Mail zukom­men las­sen. Wir müss­ten aber zuvor klä­ren, inwie­fern Sie selbst­stän­dig tätig wer­den wol­len. Erzäh­len Sie mir doch bit­te davon!

Ich möch­te ger­ne als frei­be­ruf­li­cher Instru­mentallehrer tätig wer­den und hin und wie­der Kon­zer­te geben.
Wol­len Sie allei­ne oder mit ande­ren Leu­ten zusam­men kon­zer­tie­ren? Und wol­len Sie wei­te­re Instru­ment­al­lehr­kräf­te beschäf­ti­gen?

Das wür­de ich mir ger­ne offen­hal­ten. Ich bin noch nicht so sicher. Zunächst möch­te ich das allei­ne machen.
Sowohl unter­rich­ten­de Tätig­kei­ten als auch künst­le­ri­sche Tätig­kei­ten stel­len frei­be­ruf­li­che Tätig­kei­ten im Steu­er­recht dar.4 Das ist gut für Sie, weil kei­ne Gewer­be­steu­er anfällt und damit auch kei­ne Gewer­be­an­mel­dung bei der Stadt zu erfol­gen hat. Jede Tätig­keit, die Sie aus­füh­ren wol­len, stellt im Ertrags­steu­er­recht (Ein­kom­men­steu­er) eine eigen­stän­di­ge Tätig­keit dar, also das Unter­rich­ten und die Kon­zert­auf­trit­te. Umsatz­steu­er­recht­lich kann jede Per­son nur ein­mal Unter­neh­mer sein.5 Wie Sie mer­ken gibt es also einen Unter­schied zwi­schen Ertrags­steu­er und Umsatz­steu­er, was sehr wich­tig für das Ver­ständ­nis ist. Wenn Sie jetzt gemein­sam mit ande­ren Per­so­nen einen gemein­schaft­li­chen Zweck wie „Unter­rich­ten“ oder „Kon­zert­auf­trit­te“ ver­fol­gen, grün­den Sie zivil­recht­lich eine „Gesell­schaft Bür­ger­li­chen Rechts“.6

Das heißt, wenn ich mit einem Freund zusam­men Kon­zer­te geben möch­te und davon unab­hän­gig auch mit einer ande­ren Freun­din, bil­den sich zwei Gesell­schaf­ten?
Das ist kor­rekt. Dabei ist jede Gesell­schaft für sich zu betrach­ten und Sie als Ein­zel­un­ter­neh­mer eben­so.

Das hört sich alles sehr kom­pli­ziert an, vor allem weiß ich immer noch nicht genau, was das jetzt kon­kret für mich bedeu­tet.
Steu­er­recht ist lei­der kom­pli­ziert, des­we­gen ist die Hin­zu­nah­me einer steu­er­li­chen Bera­tung zu emp­feh­len. Das Finanz­amt darf Sie nicht bera­ten. Ger­ne kön­nen wir aber mal eini­ge Punk­te durch­ge­hen. Am bes­ten rufen Sie den von Ihnen ein­zu­rei­chen­den „Fra­ge­bo­gen zur steu­er­li­chen Erfas­sung – Auf­nah­me einer gewerb­li­chen, selb­stän­di­gen (frei­be­ruf­li­chen) oder land- und forst­wirt­schaft­li­chen Tätigkeit“7 auf und wir bespre­chen ihn gemein­sam.

Sehr ger­ne, vie­len Dank. Für die Gesell­schaf­ten, die ich even­tu­ell grün­de, muss ich den genann­ten Fra­ge­bo­gen auch aus­fül­len?
Für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten gibt es den „Fra­ge­bo­gen zur steu­er­li­chen Erfas­sung – Grün­dung einer Per­so­nen­ge­sell­schaf­t/-gemein­schaft“ und der ist sehr ähn­lich. Daher gehen wir erst­mal den Fra­ge­bo­gen für Ihre Ein­zel­tä­tig­kei­ten durch und kom­men spä­ter auf den für die Per­so­nen­ge­sell­schaft zu spre­chen. Zu Anfang müs­sen ledig­lich all­ge­mei­ne Anga­ben zur Per­son und zum Betrieb der frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit ein­ge­tra­gen wer­den wie z. B. Anschrift des Betriebs oder Grün­dungs­form – in Ihrem Fall Neu­grün­dung. Den Beginn der Tätig­keit stellt bereits eine Vor­be­rei­tungs­hand­lung dar, bei­spiels­wei­se auch unser Tele­fo­nat. Die Kos­ten für Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen sind dabei auch als Betriebs­aus­ga­ben abzugs­fä­hig – dazu aber spä­ter mehr.
Die ers­te kon­kre­te Aus­wir­kung für Sie hat die Anga­be über die Höhe der vor­aus­sicht­li­chen Ein­künf­te. Es soll­te hier so rea­lis­tisch wie mög­lich und ohne Eupho­rie geschätzt wer­den, denn in Abhän­gig­keit zur Höhe der Ein­künf­te sind even­tu­ell Ein­kom­men­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen fest­zu­set­zen, die dann je Quar­tal zu zah­len wären.8

1 www.bzst.de/DE/Service/Behoerdenwegweiser/ Finanzamtsuche/GemFa/finanzamtsuche_node.html (Stand: 23.8.2020).
2 Hier NRW, abhän­gig vom Bun­des­land – tele­fo­ni­sches Nach­fra­gen emp­foh­len.
3 § 138 Abga­ben­ord­nung (AO); die Mel­dung muss in der Regel elek­tro­nisch erfol­gen. Man­gels An­wendungserlass des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums (BMF) wird eine tele­fo­ni­sche Klä­rung mit dem Finanz­amt emp­foh­len.
4 § 18 I Nr. 1 Ertrags­steu­er­ge­setz (EStG).
5 § 2 Umsatz­steu­er­ge­setz (UStG).
6 §§ 705 ff. Bür­ger­li­ches Gesetz­buch (BGB).
7 www.formulare-bfinv.de oder im Kon­to auf www.elster.de (Stand: 23.8.2020).
8 § 37 EStG.

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 5/2020.